Salvator unter Feuer
Heiß her geht es auf dem Nockherberg ja öfter. In der Regel dann, wenn so ein ungehobelter Kabarettist eine der Politgrößen, die sich freilich keiner Schuld bewusst sind, “derbleckt”. Beim Starkbieranstich ist man hitzige Stimmung also gewohnt. Im Herbst 1999 war aber richtig Feuer unterm Dach. Am 28. November fielen Saal und Wirtsräume des bei den Münchnern beliebten ehemaligen Salvator-Kellers fast vollständig einem Brand zum Opfer.
Dreifache Brandstiftung
Um 3 Uhr morgens wurde die Feuerwehr zum ersten Mal alarmiert. Ein Brandstifter hatte ein Feuer gelegt, das aber schnell gelöscht werden konnte. Wachsame Angestellte, die in einem Teil des Gebäudes wohnten, konnten rechtzeitig Alarm schlagen. Wenige Stunden später entdeckte Wirt Peter Pongratz einen neuen Brandherd. Da der bislang erfolglose Brandstifter jedoch versucht hatte, die zur Dekoration aufgestellten, noch grünen Christbäume in Brand zu setzen, scheiterte auch dieser Versuch. Kurz darauf, gegen 8 Uhr morgens, wurde im Dachstuhl des ehrwürdigen Gebäudes ein drittes Feuer entdeckt. Und dieses Mal hatte der Feuerteufel, zum Leidwesen des Wirtes und aller Salvator-Freunde, alles richtig gemacht.
Die noch anwesenden Feuerwehrleute riefen sofort Verstärkung, aber auch die insgesamt 89 Löschfahrzeuge und gut 400 Feuerwehrmänner konnten die Zerstörung der Paulaner-Heimstätte nicht mehr verhindern. Die Löscharbeiten dauerten zwei Tage an und erst danach wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe offensichtlich. Der Paulaner-Keller und mehrere Festsäle waren zerstört, der entstandene Schaden betrug mehr als 15 Millionen Euro.
Quo vadis Salvator?
Nach dem Brand stellten sich natürlich mehrere Fragen: Wer ist der Täter? Und was hat ihn zu dieser heimtückischen Brandstiftung veranlasst? Wirt und Brauerei standen vor dem Problem, wo sie Gäste und Veranstaltungen bis zum Wiederaufbau unterbringen sollten. Weitsichtigere Geister hatten noch ganz andere Sorgen: „Die Starkbierzeit können wir vergessen“, sagte damals ein Münchner Ruinen-Zaungast der Süddeutschen Zeitung. Bis heute sind nicht alle Fragen geklärt.
In der Giesinger Nachbarschaft zum Nockherberg konnte für Wirt Pongratz zügig ein Notquartier namens „Zur Freundschaft“ aufgetrieben werden. Eine kleinere Gaststätte zwar, aber immerhin. Auch für viele der geplanten Veranstaltungen wurden Alternativen gefunden. Selbst der Starkbieranstich konnte beinahe wie geplant abgehalten werden.
Bis 2002 erscholl das “Salve pater patriae! Bibas, princeps optime!” – der Trinkspruch zur traditionellen Übergabe der ersten Maß Salvator an den bayerischen Ministerpräsidenten – daher in einem eigens errichteten Zelt am Mariahilfplatz, unweit des Nockherbergs. Im folgenden Jahr entfiel die Salvatorprobe wegen des Irak-Krieges und 2004 konnte nach zweijähriger Bauzeit der Paulaner am Nockherberg bezogen werden.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Bis heute unbekannt ist jedoch der Brandstifter. Ein Verdächtiger war zwar schnell gefunden, aus Mangel an Beweisen musste er aber wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Was den Beschuldigten so verdächtig machte, war seine gute Kenntnis des Anwesens. Denn der Täter muss sich sehr gut ausgekannt haben, wie eine Rekonstruktion des Tathergangs durch die Polizei ergab.
Hartnäckig hielten sich auch Gerüchte, dass die Betreiber des Paulaner-Kellers selbst in die Brandstiftung verwickelt waren. Schnell machte der Vorwurf einer „warmen Sanierung“ die Runde. Bis heute munkelt so mancher Münchner, dass sich der Brand für den Wirt durchaus gelohnt haben könnte. Allerdings beschränkt sich der „Beweis“ für diese These darauf, dass sich seit den kostspieligen Sanierungsmaßnahmen Gaststätte und Biergarten gleichzeitig aus einer Küche versorgen lassen. Andere hingegen trauern nur dem alten, urigen Paulaner nach und kritisieren den modernen Neubau. Trotzdem sind Gaststätte und Biergarten ganzjährig gut gefüllt.
Dieser Artikel ist Teil des Dossiers Nockherberg 2012.
Die Bildrechte liegen bei Steven Carthy.
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