Der Nockherberg von A bis Z, oder: N wie Nockherberg-ABC

06. Mrz 2012 | von Tobias Oberndorfer | Kategorie: Politisches Kabarett

Von A wie Anstich bis Z wie Zacherl. Das Nockherberg-ABC erklärt die wichtigsten Begriffe rund um das Starkbierfest am Nockherberg. Von Tobias Oberndorfer

A wie Anstich:    Mit dem Anstich beginnt das ganze Spektakel am Nockherberg. Zwar bedeutet Anstechen im eigentlichen Sinn das Anzapfen des Bierfasses. Der Begriff wird aber am Nockherberg synonym für den Auftakt, die Starkbierprobe, verwendet.

B wie Bruder Barnabas:    Der Laienbruder Valentin Stephan Still wurde 1774 zum Braumeister des Paulaner-Klosters Neudeck in der Au berufen. Er gilt als Vater des Salvator-Bieres. Von 1992 bis 2010 schlüpften diverse Kabarettisten in die Rolle des Bruder Barnabas und derbleckten die anwesenden Politiker.

C wie CSU:     In Bayern geht wenig ohne die CSU. So natürlich auch am Nockherberg.

D wie Derblecken:    Bayerisch für: Jemandem den Spiegel vorhalten. Hat seinen Ursprung in der humorvollen und spöttischen Begrüßung, die der Wirt seinen Gästen zu Teil werden lässt. Steht heute für den Spott, der über die politische Klasse am Nockherberg ausgeschüttet wird.

E wie Erstausstrahlung:    Im Jahr 1982 strahlte das Bayerische Fernsehen erstmals eine Aufzeichnung der Starkbierprobe aus. Seit 2009 wird die Veranstaltung live übertragen.

F wie Fastenpredigt:    Eine Fastenpredigt ist in der katholischen Kirche eine Predigt, die in der Fastenzeit außerhalb der Sonntagsgottesdienste gehalten wird. Seit 1992 wird auf der Starkbierprobe am Nockherberg eine Fastenrede gehalten, in der die Politiker derbleckt werden.

Denkmal-Brunnen am Viktualienmarkt in München zu ehren des Gstanzlsängers Roider Jackl

G wie Gstanzl:   Gstanzl sind eine Liedform, die vor allem in Bayern und in Österreich verbreitet ist. Sie folgt immer einem Drei-Viertel-Takt und einer ähnlichen Melodie. Ein Gstanzl ist meist ein Spottgesang. Einer der bekanntesten Gstanzlsänger ist der Roider Jackl, der früher auch am Nockherberg aufgetreten ist.

H wie Hochzeitslader:    Ein Hochzeitslader ist eine ausgewählte Person, die von Haus zu Haus geht und die geladenen Gäste zu einer Hochzeit einlädt. In Altbayern ist es verbreitet, dass Hochzeitslader auch Gstanzl vortragen, in denen sich über die Brautleute und die Gäste lustig gemacht wird, ähnlich wie der Derblecker am Nockherberg.

I wie Irakkriege:    In den Jahren 1991 und 2003 fiel die Starkbierprobe aufgrund der Kriege im Irak aus. Dies waren die einzigen Unterbrechungen seit die Starkbierprobe 1950 erstmals nach dem zweiten Weltkrieg stattfand.

J wie Jakob Geis:    Der Münchner Humorist war 1891 der erste Salvatorredner und begründete damit eine Tradition, die bis heute gepflegt wird.

K wie Keferloher:    Der traditionelle graue Bierkrug aus Steinzeug, benannt nach dem Ursprungsort Keferloh. In ihm bleibt das Bier dank der isolierenden Wirkung des Tons länger kühl. Aus hygienischen Gründen und mit Blick auf den Verbraucherschutz wurde er weitgehend durch Glaskrüge ersetzt. Lediglich beim Starkbierfest auf dem Nockherberg kommt er noch zum Einsatz.

L wie Luise Kinseher:    Die Kabarettistin trat erstmals 2010 als Mama Bavaria im Singspiel am Nockherberg auf und war 2011 die erste Frau, die die Fastenpredigt hielt. Bekannt wurde sie durch Produktionen des bayerischen Regisseur Franz Xaver Bogner

M wie Mama Bavaria:    Die Rolle in der Luise Kinseher erstmals im Singspiel 2010 als lebendige Bavaria ihren „Buam und Mädels“ die Leviten liest. Seit 2011 hält sie mit dieser Figur die Fastenpredigt.

N wie Nockherberg:    Der Nockherberg ist Teil des Münchner Isarhochufers zwischen den Stadtteilen Giesing und Au. Heute wird der Begriff auch synonym für die Paulaner Gaststätte dort verwendet. Der Name geht auf die Bankiersfamilie Nockher zurück, die an Ort und Stelle ein Sommerhaus besaß.

O wie Opposition:    Lange Zeit war das Derblecken am Nockherberg die einzige ernsthafte Form der Opposition im CSU-dominierten Bayern. Seit der Rot-Grünen Schröder-Regierung und dem Aufstieg Christian Udes in München kriegt aber auch die Opposition ihr Fett weg.

Paulaner-Brauerei vom Nockherberg aus gesehen

P wie Paulaner Brauerei:    Die Paulaner-Mönche zu Neudeck brauten seit 1634 für den eigenen Bedarf Bier. Nach der Auflösung des Klosters 1799 gingen die Klostergebäude und die Brautradition in Privathand über und die Paulaner-Brauerei war geboren.

Q wie Quote:    Der Bayerische Rundfunk feiert mit der Übertragung regelmäßig überdurchschnittliche Quotenerfolge. Im Rekordjahr 2010 verfolgten 2,68 Millionen Zuschauer die Veranstaltung, was einer Quote von 8,8 Prozent entspricht. Im letzten Jahr verfolgten 2,32 Millionen Menschen das Spektakel.

R wie Reinheitsgebot:    Das bayerische Reinheitsgebot von 1516 gilt als eines der ältesten Lebensmittelgesetze der Welt. Ihm zu Folge dürfen nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser zur Herstellung von Bier verwendet werden.

S wie Salvator:    Das Starkbier von Paulaner, das auch am Nockherberg ausgeschenkt wird. Der Name soll sich von dem „Sankt-Vater-Bier“ ableiten, das Starkbier, welches die Paulaner-Mönche im 17. Jahrhundert brauten. Andere Theorien gehen davon aus, dass die Salvator-Stiftung dem Bier seinen Namen gab. Dort lagerte der erste bürgerliche Besitzer der Paulaner-Brauerei sein Bier.

T wie Tracht:    Was ist Bayern ohne seine Tracht? Lederhosen und Dirndl stehen stereotyp für die ganze Region. Während die Tracht im ländlichen Raum noch im Alltag getragen und in Vereinen gepflegt wird, kommt sie in Städten wie München eher zu besonderen Anlässen aus dem Schrank: Zum Nockherberg und zum Oktoberfest. Im Übrigen muss zwischen „den Trachten“ unterschieden werden, denn die eine einzige Tracht gibt es nicht. Je nach Region werden ganz unterschiedliche Trachten getragen. Die bekannteste und verbreiteteste bayerische Tracht ist die Miesbacher Tracht. Sie zeichnet sich durch eine kurze schwarze Lederhose mit h-förmigen Trägern aus. Getragen wird sie mit grauen Kniestrümpfen, einem weißen Hemd, Haferlschuhen, einer dunkelgrünen Weste (dem Gillet) und einem grünen Velourshut mit Birkhahnfeder, Adlerflaum oder dem bekannten Gamsbart geschmückt.
Ach ja: Was trachtentechnisch überhaupt gar nicht geht sind Landhausmode, pinke Mini-Dirndl und Frauen in Lederhosen…

Double Uli Bauer (links) und das Original Christian Ude

U wie Uli Bauer:    Uli Bauer war das langjährige Double von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Die Ähnlichkeit zwischen Double und Original war erschreckend. Heute wird Ude von André Hartmann gedoubelt.

V wie Volkstheater:    Der Begriff Volkstheater meint ein Laientheater, vom Volk für das Volk. In Bayern verbreitet ist in diesem Zusammenhang auch das Bauerntheater. Früher ähnelten die Singspiele auf dem Nockherberg diesen Theaterstücken.

W wie Walter Sedlmayr:    Walter Sedlmayr war ein Münchner Volksschauspieler, der auch im Fernsehen durch diverse Serien an der Seite von z-B. Uschi Glas oder Elmar Wepper Berühmtheit erlangte. Seldmayr Derbleckte von 1982-1990 am Nockherberg. Für viele ist Sedlmayrs Art und Weise des Derbleckens bis heute das Maß aller Dinge. Walter Sedlmayr wurde im Juli 1990 in München ermordet.

Z wie:  Zacherl, Franz Xaver:    War ein bayerischer Brauer, der 1806 als Pächter die ehemalige Klosterbrauerei der Paulaner-Mönche übernahm und sie 1813 endgültig erwarb. Er führte die Starkbiertradition fort und war der Erfinder der Marke Salvator.

Das Nockherberg-ABC ist Teil des Dossiers zum Nockherberg 2012.


Die Bildrechte lliegen bei Steven Carthy (Nockherberg-Schriftzug, Paulaner-Brauerei), Ramgeis (CC-Lizenz, Roider-Jackl-Brunnen) und Harald Bischoff (CC-Lizenz, Ude und Bauer)


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