Horst Köhler
Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in Flüchtlingslagern, doch seine Karriere sollte ihn bis ins Schloss Bellevue führen. Horst Köhler war der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, der sein Amt seit Bundespräsident Lübke 1969 vorzeitig aufgab. Von Mirja Brücker
Es sind einfache Verhältnisse, aus denen er kommt. Horst Köhler wird am 22. Februar 1943 im polnischen Skierbieszów als siebtes von acht Kindern geboren. Seine Eltern sind arme Bauern und flüchten 1945 aus Polen in die Nähe von Leipzig. Im Jahre 1953 entschließt sich die Familie, die DDR zu verlassen. Ihnen gelingt die Flucht in die Bundesrepublik, wo sie vier weitere Jahre in Flüchtlingslagern zubringen, bis sie schließlich in Ludwigsburg ein neues Zuhause finden.
Trotz dieser turbulenten ersten Jahre als Flüchtling schafft Köhler den Sprung in ein normales Leben: Abitur 1963, zwei Jahre bei der Bundeswehr und 1969 Diplom in Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Noch im selben Jahr heiratet er die Lehrerin Eva Luise Bohnet, mit der er später zwei Kinder bekommt. Schließlich promoviert Köhler 1977 am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung.
Der Chefunterhändler
Im Bundesministerium für Wirtschaft ist Köhler bereits vor seiner Promotion tätig. 1981 tritt er in die CDU ein und wechselt in die Staatskanzlei von Schleswig-Holstein. In den nächsten Jahren hat Köhler verschiedene Posten im Bundesfinanzministerium inne, bis er schließlich 1990 zum Staatssekretär ernannt wird. Von nun an ist er verantwortlich für die finanziellen und monetären Beziehungen der BRD. Bei den Verhandlungen zum Vertrag von Maastricht ist Köhler der deutsche Chefunterhändler und damit maßgeblich an der Ausgestaltung des Euros beteiligt.
Doch damit nicht genug. Bei den Gesprächen über die Deutsche Wiedervereinigung handelt Köhler mit Russland Milliardenzahlungen für den Abzug der Sowjetarmee aus Deutschland aus. Schließlich regelt er auch noch die deutsche Finanzhilfe für den Golfkrieg 1991. Deutschland zahlt letztlich rund 12 Milliarden D-Mark an die USA, für einen Krieg, an dem die BRD offiziell nicht beteiligt war.
In den frühen 90er Jahren ist nicht nur Köhlers Verhandlungsgeschick gefragt, sondern auch sein Organisationstalent: Bundeskanzler Helmut Kohl macht ihn zu seinem persönlichen Vertreter. Köhler bereitet die G7-Wirtschaftsgipfel in Houston, London, München und Tokio vor. Anschließend leitete er zwei Jahre lang den Deutschen Sparkassen- und Giroverband, bis Helmut Kohl ihn 1998 bittet, Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London zu werden.
Selbst die rot-grüne Bundesregierung verzichtet nicht auf Köhlers wirtschaftliches Fachwissen. Auf Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder wird Köhler 2000 geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Doch bereits vier Jahre später sollte der Staatsdiener aus dem politischen Hintergrund auf die große Bühne der öffentlichen Politik treten, als Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
Horst … Wer?
Der Öffentlichkeit ist Köhler zu dieser Zeit weitestgehend unbekannt. Doch Angela Merkel und Guido Westerwelle verfolgen mit seiner Nominierung einen Plan: Köhler soll der erste Vorbote für eine schwarz-gelbe Regierungskoalition auf Bundesebene sein. Die Bundesversammlung wählt Köhler schließlich am 23. Mai 2004, mit nur einer Stimme mehr als erforderlich, zum neunten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland.
In seiner Antrittsrede wünscht sich Köhler ein „Deutschland der Ideen“ und kündigt an, ein „unbequemer Präsident“ sein zu wollen. Anfangs versucht er sich als neoliberaler Reformpräsident zu etablieren, doch zur Umsetzung dieses Kurses kommt es nicht. Nach der Bundestagswahl 2005 reicht es nicht für Schwarz-Gelb, stattdessen kommt die Große Koalition. Angela Merkel verabschiedet sich von der Reformpolitik – Horst Köhler, ihr Präsident, auch.
Stattdessen versucht Köhler sich als Staatsmann auf dem internationalen Parkett. Eine der wichtigsten Stationen Köhlers ist mit Sicherheit seine Israelreise 2005, wo er als zweiter deutscher Präsident eine Rede vor dem israelischen Parlament, der Knesset, hält. Er bekennt sich zur deutschen Verantwortung für den Holocaust und zum Kampf gegen Antisemitismus. Den größten Teil der Ansprache hält Köhler auf Deutsch und erntet dafür schon im Vorfeld Kritik. Er entschließt sich daraufhin, wenigstens Begrüßung und Schlusswort auf Hebräisch zu formulieren – ein Zeichen des Respekts.
International anerkannt, zuhause kaum bemerkt
Sein Engagement für den afrikanischen Kontinent bringt Köhler international Anerkennung ein, doch innenpolitisch schweigt er zu vielen Themen. Missbrauch, Hartz IV, Euro-Krise – der Präsident sagt nichts dazu. Bei den Bürgern ist er trotzdem beliebt – nicht zuletzt, weil er gerne die Politiker kritisiert. Doch inhaltlich kommen von ihm wenige Anstöße, und wenn er sich doch äußert, bleibt dies meist ohne Wirkung. Zwar bezeichnet er die internationalen Finanzmärkte als „Monster“, doch brauchbare Vorschläge zur Überwindung der Krise hat der internationale Wirtschaftsfachmann nicht parat.
Es scheint, als würde es immer stiller um den Präsidenten, je turbulenter die Zeiten werden. Dabei ist doch gerade er es, der Orientierung geben soll. Gerade seine Aufgabe ist es, den Menschen die Demokratie zu erklären und um Vertrauen zu werben. Doch Horst Köhler war kein Politiker, er war auch kein begnadeter Redner. Er war ein Seiteneinsteiger. Im Hintergrund schwierige Verhandlungen zu führen, das hatte er gelernt, darin war er gut. Doch dem Amt des Bundespräsidenten schien er immer weniger gewachsen zu sein. Vielleicht war es auch die Erkenntnis, dass ihm als Bundespräsident nur die Macht des Wortes blieb, um sich einzumischen.
Fast sechs Jahre bekleidete Horst Köhler das höchste politische Amt in der Bundesrepublik, am 31.Mai 2010 trat er überraschend zurück. “Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten – mit sofortiger Wirkung.” Er begründet diesen Schritt mit der Kritik an seinen Afghanistan-Äußerungen. Ob die Kritik an seinen Worten der einzige Grund für seinen Rücktritt war, darüber lässt sich spekulieren. Eines ist aber jetzt schon klar: Köhler wird in die Geschichte eingehen als einer, der es weit gebracht hat. Und als erster Bundespräsident Deutschlands, der sein Amt nicht aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufgab.
Die Bildrechte sind gemeinfrei (Porträt), liegen bei Matthias Schindler (Ehepaar Köhler, nach Creative Commons lizensiert) und isafmedia (Köhler in Afghanistan, nach Creative Commons lizensiert).
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Bezug: mein Schreiben an Herr Ex-präsidenten Köhler – seine Rückantwort. Es tur mir leid, Herrn Köhler nicht mangels Kontaktanschrift direkt antworten zu können, doch mit seinem Hinweis, daß er mehr wahrhaftigkeit in der pOLITIK RAUM HABEN MÜSSE UND DA? ER SICH SEINEN rÜCKTRITT NICHT LEICHT GEMACHT HABE KANN ICH IHM VÖLLIG RECHT GEBEN: WAS hERR kÖHLER SAGTE ENTSPRICHT ALLER EHRLICHKEIT SEINES WESENS; WEIL ES SICH ÜBER mERKMALE DER aNTLITZDIAGNOSE AUS DEM GESICHTS-; aUGENAUSDRUCK VÖLLIG WIDERSPIEGELT:
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