Editorial: Europäische Brüche

26. Apr 2010 | von WeltTrends | Kategorie: Kooperation mit WeltTrends

Pythagoras hätte sich bestätigt gefühlt: das 20. Jahrhundert in der Neunerreihe aufgefädelt, von 1919 über 1939 bis 1989, dazwischen noch 1929 und 1949. Für den griechischen Philosophen waren Zahlen das „Prinzip alles Seienden“. Aus all den Zahlen mit der 9, die Einschnitte in die europäische und auch globale Entwicklung im 20. Jahrhundert bedeuten, ragt die Zahl 39 heraus.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges, in dem über 50 Millionen Menschen ihr Leben verloren, mehr als die Hälfte davon waren Zivilisten. Er endete mit einer neuen Waffe, der Atombombe, deren Abwurf hier in Potsdam entschieden wurde, und leitete in einen neuen globalen Krieg über, nun einen „kalten“. Dieser Kalte Krieg, der in vielen Teilen der Welt ein heißer war, endete im Jahre 1989 und schloss das „kurze 20. Jahrhundert“ ab.

Heute gibt es gemeinsame europäische Akte des Gedenkens, wie am 1. September dieses Jahres in Danzig. Vertreter von Opfern und Angreifern, von Mitläufern und Alliierten gedachten gemeinsam des Beginns des Zweiten Weltkrieges. Dies ist ein Gewinn, der nicht zu unterschätzen ist. Dass es weiterhin unterschiedliche
Sichten auf diese komplexen historischen Entwicklungen gibt, wer will das bezweifeln. Und diese Geschichte wirkt bis in unsere Tage, vor allem für das Dreieck Warschau-Moskau-Berlin. Deshalb überlassen wir das Thema nicht den Historikern allein, sondern diskutieren dies hier aus der Perspektive des Jahres 2009.

Die Wahlen zum Bundestag sind vorbei. Außenpolitik spielte in die Schlussphase des Wahlkampfes doch noch hinein. Die tödliche Realität des Krieges in Afghanistan setzte sich gegen die von der politischen Klasse vereinbarte Tabuisierung durch. Nun steht nicht nur die Verlängerung des Mandates der Bundeswehr
an; es geht auch um eine massive Erhöhung. Die Zahl 7.000 als „mögliche Obergrenze“ wird kolportiert, aber nirgends dementiert. Sollte der frisch gekürte Friedensnobelpreisträger seine bisherige Eskalationsstrategie in Afghanistan fortsetzen, so wird es wohl nicht bei der Möglichkeit bleiben. Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind mehr denn je auf der Agenda deutscher Außenpolitik und somit auch von WeltTrends.


Diese Heftvorschau ist Teil einer Kooperation mit WeltTrends. Die Bildrechte liegen bei WeltTrends.


Lesen Sie weitere Artikel des WeltTrend-Heftes bei /e-politik.de/:

WeltTrends 69

Das Zeitfenster ist wieder offen

Blattgold: Machtkerle 09

Schlagworte: , , , ,
Optionen: »Editorial: Europäische Brüche« bewertenArtikel drucken | Artikel per E-Mail versenden

Artikel in sozialen Netzwerken teilen:

Kommentar hinterlassen

Twitter Nutzer - Mit deinem Twitteraccount bei /e-politik.de/ anmelden: