Der Oetti – die Idealbesetzung

08. Feb 2010 | von Sören Sgries | Kategorie: Kolumnen

Das "Epeisodion": ein Ort zum Schnacken und Versacken.

Der Oetti soll nach Europa, berühmt und wichtig werden. Das hat die Kanzlerin beschlossen. Eine Personalfrage, die nicht nur in den Medien, sondern auch am bekannten Stammtisch des Epeisodion heiß diskutiert wird.  Von Sören Sgries

Nach 22 Uhr, am Tresen des Epeisodion. Raucherbereich. An der Theke sitzen zwei gealterte Familienväter, diskutieren, dieser vor einem Viertele Trollinger, jener vor einem Krug Weißbier. Der Wirt poliert versunken die marmorne Perikles-Büste, mit einem Zipfel des Tischtuchs. Im Hintergrund spielt leise Musik, obskure Gäste lesen intensiv und allein in diversen Magazinen. Die angetrunkenen Familienväter haben ein neues Thema gefunden.

DIESER: So einen sollten wir nehmen.

JENER: Was?

DIESER: So ne staatsmännische Figur und nicht den Oetti. Den schicken’s doch tatsächlich nach Europa. So‘n Unsinn, wenn du mich fragst.

JENER: Warum? Mir gefällt der. Der wär doch mal der Richtige dafür. Kann mal zeigen, was er noch so drauf hat.

DIESER: Ach komm, kein Format hat der. Passt da doch gar net hin, den wollten‘s nur abschieben. Für daheim isser ihnen zu peinlich geworden. Keiner kann den mehr sehen…

JENER: Sooo schlimm find ich‘s  jetzt net.

DIESER: … ohne das große Kotzen zu kriegen.

JENER: Keine Ahnung hast du. Hatte es halt nicht leicht in letzter Zeit. Die Presse is mit dem ja auch nicht sonderlich nett umgesprungen.

DIESER: (aufgebracht) Zu Recht! Verdient hat er’s!

JENER: Na, jedenfalls: Bei mir daheim, wir mögen den ganz gern. Auch die Kinder.

DIESER: Die Kinder?! (schüttelt energisch den Kopf) Was tust du denen nur an. (längere Pause) Kannst du dir den in Europa vorstellen? Wo der bisher war…

JENER: Kennst du seinen „Schlachthof“?

DIESER: (lacht) Schlachthof nennst du das? Das gefällt mir. Mal ehrlich: N Saustall isses. Sind froh, dass sie jetzt den Mappus kriegen, der redet auch nicht so blechern.

JENER: Mappus? Nie gehört. Der macht das jetzt? Naja… (denkt nach) „Blechern“ würd ich das aber auch nicht grad nennen. Ist halt n eigener Stil, n ganz eigener Typ, wie‘s sonst keinen zweiten gibt, hier bei uns.

DIESER: Eben. Keinen zweiten gibt’s, und den halten‘s jetzt für den typischen Deutschen da draußen. Eine Schande.

JENER: Ach komm…

DIESER: Nee, nix mit ‚ach komm‘. Wie zeigt sich denn das Land da draußen? Geschniegelte Figuren wie der Guttenberg oder die maulige Kanzlerin reisen in der Welt rum, dann noch der Westerwelle… nichtmal richtig Englisch kann der!

JENER: Der Westerwelle? Stimmt, das hab ich auch gesehn, beim Raab.

DIESER: Nein, den Oetti mein ich doch. Der Westerwelle kriegt‘s ja langsam gebacken.

JENER: Hab den eigentlich noch nie Englisch reden hören.

DIESER: Geht ja auch nicht. Kann er nicht. Klingt wie n Erstklässler, der sein erstes Wort lesen lernt…

JENER: (murmelt) …langsamer war der ja schon immer…

DIESER: Was hat denn der schon vorzuweisen, dass man den auf die internationale Bühne schickt?

JENER: Na, der „Pfarrer Braun“ viellei…

DIESER: Pfarrer Braun, ja, da sagst du was. Schwingt große Reden und macht sich und uns dabei zum Deppen, das kann doch nicht wahr sein. Wie der da beim Filbinger…

JENER: (murmelt) …ich glaub, die Folge kenn ich nicht….

DIESER: …vor versammelter Mannschaft diesen Unsinn verzapft hat, ohne zu merken, wie er sich im Text verstrickt, unglaublich. So einen kann man doch nicht in die Welt schicken. Einsperren müsst‘ man den.

JENER: (murmelt) …das müssen sie aber beim Schnitt ordentlich verpfuscht haben…

DIESER: Wenn der da vor die Welt tritt, des kann man doch nicht verantworten. Des mach ich nicht mehr mit. Mir langt‘s, dann zieh ich weg, dann wander ich aus, dann pack ich Birgit und die Kinder und geh. Da werd ich doch zur Not noch lieber Pfälzer, als das ich mich mit sowas in einen Topf schmeißen lasse…

JENER: (murmelt) …Mensch, da regt sich auch einer auf. Soll er doch nicht hinschauen, wenn er den nicht mag. Kann ja frei wählen. Und ich find trotzdem, dass das n Pfundskerl ist. Und wenn er den „Bullen von Tölz“ nicht mehr geben will, sondern international Erfolg sucht, dann soll er doch. Ich mag den Otti trotzdem, selbst wenn er nicht unbedingt das „Format“ eines Clooney hat. Mir doch wurscht. Für den findet sich schon ne Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben wird. Wär‘ zum Beispiel die Idealbesetzung für…

Lautes Fluchen verschluckt jedes weitere Gespräch. Auf dem Boden liegt ein großer Staatsmann in Scherben. War wohl doch nur Gips. Außerdem hat jemand nen Euro in die Jukebox geschmissen. Es erklingt: Die Neun.


Die Bildrechte liegen bei /e-politik.de/-Autor Sören Sgries.


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