Der Falsche

04. Jul 2010 | von Maximilian Oehl | Kategorie: Innenpolitik
Christian Wulff wird jugendlichen Charme ins Schloss Bellevue bringen. Nichtsdestotrotz bleibt er die falsche Wahl.

Der neue Bundespräsident Christian Wulff ist Berufspolitiker durch und durch. Seine Wahl ist in Zeiten von Politikverdrossenheit und Argwohn gegenüber dem Staat ein falsches Signal an die Bürger. Eine Reaktion auf Fabian Busch von Maximilian Oehl

Sicherlich, Christian Wulff ist aus der Riege der modernen Politikergeneration eine der charismatischsten staatstragenden Persönlichkeiten. Überdies kann man eine gewisse jugendliche Dynamik zu seinen Stärken zählen, die dem Bundespräsidentenamt ein wenig mehr Impetus verleihen könnte nach den Jahren der Köhlerschen Schläfrigkeit.

Dennoch: Christian Wulff bleibt der falsche Bundespräsident. Festzumachen ist dies nicht an ihm persönlich oder seinen mangelnden politischen Fähigkeiten – diese sind zweifelsohne vorhanden.

Er ist der falsche Kandidat, weil er von Beruf Politiker ist. Der 30. Juni 2010 bot die einmalige Gelegenheit, ein Staatsoberhaupt zu wählen, das der Politik ein neues Antlitz verleiht, sie wieder zu dem macht, was sie ursprünglich einmal war: Die vom Volk getragene Auseinandersetzung mit den Fragestellungen der Gegenwart.

Die Wahl Wulffs – eine vergebene Chance

Heutzutage ist die Politik über weite Strecken zum Populismus verkommen. Nicht Inhalte, sondern die richtige Vermarktung geben den Ausschlag. Die Bürger wenden sich von dieser ab, gelangweilt von partei- oder koalitionsinternen Auseinandersetzungen. Die stetig sinkende Wahlbeteiligung spricht hierbei eine deutliche Sprache.

Ein Bundespräsident Gauck hätte den Menschen das Vertrauen in Staat und Politik zurückgeben können. Ihn, als parteilosen Kämpfer für Freiheit und Demokratie, als beeindruckende Persönlichkeit, als Bürger, der selbst der Politik bisweilen mit Argwohn begegnete, hätte man erhört. Er hätte Menschen und Staat wieder vereinen können.

Fortsetzung der Alltagspolitik im höchsten Staatsamt

Joachim Gauck , bürgerlicher Freiheitskämpfer, bleibt Privatmann.

Ein Berufspolitiker wie Christian Wulff ist dazu alleine schon aufgrund seines Lebenslaufs nicht in der Lage, das Misstrauen des Volkes gegenüber der Politik schlägt auch ihm entgegen. Sicherlich, er wird sein Amt mit Elan und Fleiß ausfüllen und ein würdiger Bundespräsident werden.

Die historische Chance jedoch, die Politik wieder mit Werten, getragen von der herausragenden Persönlichkeit Joachim Gaucks, zu füllen, wurde von den Wahlfrauen und Wahlmännern vertan.

Der Falsche und nicht der Richtige – das politische Tagesgeschäft wird sich im Schloss Bellevue unter dem Bundespräsidenten Wulff fortsetzen.


Die Bildrechte liegen bei Martina Nolte (Wulff) und Thoma (Gauck) und sind unter Creative Commons lizensiert.


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Ein Kommentar
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  1. Bei Christian Wulff von einem aus der Riege der charismatischsten staatstragenden Persönlichkeiten zu sprechen, halte ich für äußerst gewagt. Er ist ein Politiker ohne Ecken und Kanten, Typ braver Schwiegersohn, langweilig, ohne jedwedes Charisma. Gauck – und hier muß ich zustimmen – hätte höchstwahrscheinlich den Bürgern gezeigt, daß nicht nur Parteipolitiker – und die meisten haben heutzutage bei politisch sinnvollen Entscheidungen kein Rückgrat, verraten gar ihre Überzeugungen -, sondern auch Menschen, die auf einem soliden Wertefundament ruhren, die andere zudem zu begeistern verstehen, eine Chance im Politikbetrieb haben.

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