Böses Öl!

13. Jul 2010 | von freier Autor | Kategorie: Politisches Buch

„Öl ist des Teufels Exkrement!“ zitiert Peter Maass den venezolanischen Gründervater der OPEC, Juan Pablo Perez Alfonso. Für sein Buch „Öl – Das blutige Geschäft“ hat der New York Times Kolumnist die wichtigsten Förderregionen der Welt bereist und zeichnet ein schockierendes Bild von Ausbeutung, Korruption und Umweltzerstörung. Von Johannes Kurt

Zu Rekordpreisen gehandelt, ist Öl das „Lebenselixier“ der globalisierten Weltwirtschaft und zugleich die zentrale Variable der drängendsten Probleme unserer Zeit. In seinem Buch mit dem etwas plumpen Titel will Peter Maass, der lange Korrespondent für die Washington Post war und mittlerweile für das New York Times Magazine schreibt, dem Leser zeigen, wie die Welt durch den Machtfaktor Öl geprägt wird. Er beleuchtet wie Ölkonzerne und Großmächte sich Zugang zu den verbliebenen Quellen verschaffen und beleuchtet die politischen, sozialen und ökologischen Konsequenzen dieser oft rücksichtslosen und brutalen Jagd nach dem Öl.

Spielregeln eines blutigen Geschäfts

„Jedes Förderland hat seine eigenen Probleme entwickelt“, sagt Maass, der mit Laptop und Diktiergerät ausgerüstet, vier Jahre in den Petrostaaten dieser Welt recherchiert hat. Seine Eindrücke von diesen Reisen und seinen Gesprächen mit Industriellen in Texas, Prinzen in Riad und Umweltaktivisten in Quito, fügt er, ergänzt durch solide recherchierten Fakten, zu einem lesenswerten Bericht über die „verheerenden Folgen unserer Gier nach dem schwarzen Gold“, zusammen.
Maass nimmt den Leser mit auf eine Reise durch den von US-Konzerns Texaco zerstörten Regenwald Ecuadors, fährt Kanu mit den Rebellenführern im Nigerdelta und spricht im ölreichen Saudi Arabien mit jungen Männern über ihre Ambitionen im benachbarten Irak für Al-Quaida zu kämpfen. Er beschreibt wie sich Äquatorial Guineas Diktator Teodoro Obian sich mit der Unterstützung einer US-Bank an den Öl- und Gasvorkommen Äquatorial Guineas bereichert, während die Bevölkerung keinen Cent vom nationalen Reichtum sieht. Die sich im Nachtlebens von Malabo für Ölarbeiter aus Texas prostituierenden einheimischen Frauen sind für ihn trauriger Beleg dafür, wie wenig Entwicklungspotential der Ressourcenreichtum einem der größten Ölexporteure Afrikas eingebracht hat.

Maass nimmt aber nicht nur die Eliten der Produzentenländer mit ihrer Selbstbedienungsmentalität und Skrupellosigkeit ins Visier sondern richtet sich auch gegen eine desinteressierte Bevölkerung in den westlichen Industrienationen. Die Beziehungen der eigenen Regierungen mit mordenden und folternden Despoten würden zugunsten einer gesicherten Energieversorgung ebenso wenig infrage gestellt wie die zweifelhaften Geschäftspraktiken der großen Ölmultis, sagt der US-Journalist.

Wohlformulierter Kurzschluss

Peter Maass liefert einen spannend zu lesenden Bericht über die fragwürdigen Geschäftspraktiken der Ölindustrie, der durch die Katastrophe im Golf von Mexiko eine traurige Aktualität erhält. Die Stärke seines Buchs ist die lebhafte Erzählweise, die dem breiten Publikum einen plastischen Eindruck der vom „Ressourcenfluch“ geplagten Staaten verschafft, ohne den Leser mit Unmengen von Statistiken zu langweilen. Allerdings fördert Maass viel alt Bekanntes zu Tage und ist in seinen Schlussfolgerungen zu grobschlächtig. In seiner Darstellung ist der begehrte Rohstoff ursächlich für den Irakkriegs, den islamischen Fundamentalismus, den Klimawandels, zahlreiche Umweltkatastrophen verantwortlich und hat nahezu alle ölreichen Staaten in einem Moloch aus Korruption und chronischer Unterentwicklung versinken lassen. Wie viele Autoren zuvor beschreibt er wie die Eliten rohstoffreicher Staaten durch Misswirtschaft und Korruption die Entwicklung ihrer Länder mehr blockiert als gefördert haben. Er sammelt eifrig Belege für dieses, von der Wissenschaft schon umfassend behandelte  „Paradox des Überflusses“, kommt aber über die Beschreibung seiner Symptome nicht hinaus.

In einem zehnseitigen Epilog erwähnt der Autor zwar artig die NGOs EITI und Publish What You Pay, die sich um mehr Transparenz im Rohstoffsektor stark machen, seine Darstellung von Lösungsansätzen und Zukunftsszenarios fällt aber dennoch unbefriedigend aus. So ist Maass beispielsweise überzeugt, dass eine Substitution der fossilen durch erneuerbare Energieträger schon heute möglich ist, nennt aber keine Details zur Umsetzung dieses ambitionierten Vorhabens. Damit bleibt „Öl – Das blutige Geschäft“ eine gut geschriebene Bestandaufnahme der zahlreichen Probleme rund um den wichtigsten Rohstoff dieser Welt, die viele Fragen aufwirft, aber leider auch unbeantwortet lässt.

Maass, Peter: Öl – Das blutige Geschäft,
Droemer, München, 2009, 352 Seiten,
ISBN 3-426-27529-5, 19,95 Euro


Die Bildrechte liegen beim Droemer Verlag.


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