Jugend punktet vor fadem Alter
Zum mittlerweile elften Mal verlieh der Bayerische Rundfunk zusammen mit dem Münchner Lustspielhaus den Bayerischen Kabarettpreis. Und hier zeigte sich einmal mehr, dass Generationswechsel erfrischend sind. Von Florian Baumann und Jochen Groß
Eines gleich vorweg: Besonders schön ist er nicht, der Bayerische Kabarettpreis. Vielleicht liegt das ja am durchaus gespaltenen Verhältnis des BR zum politischen Kabarett. Ein gespaltenes Verhältnis entwickelte auch das Publikum gegenüber dem Moderatoren-Duo Eva Mähl und Michael Altinger. Während Mähl die niedrigen Erwartungen erfüllte, passt sich Altinger seinem Pendant leider an und so führten die beiden lau und weitab treffsicherer Pointen, nahe am Klamauk, durch den Abend.
Wenn die Pausenband zum Hauptakt wird
Glücklicherweise erwies sich die musikalische Umrahmung der Preisverleihung durch LaBrassBanda als rettender Anker des Rahmenprogramms. Einzig die fünf Musiker aus dem Chiemgau hielten das Publikum über die gesamte Strecke auf Trab und sorgten sogar in den Umbaupausen für bessere Stimmung unter den Gästen als das Moderatorenduo und so manch einer der übrigen Hauptakteure. Und dies obwohl die Band soeben erst von ihrer kleinen Welttournee – Feldwies, Sibirien, Simbabwe und zurück – heimgekehrt war.
Den kabarettistischen Auftakt machte Frank Lüdecke, der den Senkrechtstarter Philipp Weber für seine gelungene Gratwanderung zwischen Comedy und Kabarett lobte – eine Einschätzung, die offenbar nicht jeder Ehrengast im Publikum teilte. Markenzeichen Webers, so Lüdecke, sei sein unkontrolliertes physisches Engagement bei seinen Auftritten. Bei Fernsehauftritten wird der Jungkabarettist aus dem Frankenland daher auch nur in der Totalen gezeigt. Sonst wäre er nur selten im Bild.
Wie ein Derwisch fegte der Preisträger dann auch über die Bühne im Münchner Lustspielhaus. Was ihn so in Rage bringt, machte er auch in knappen Worten deutlich. Ihm und seiner Generation fehle es einfach an den Möglichkeiten zur eindeutigen politischen Sozialisierung. Selbst Links sein ist mittlerweile für die Katz: „Andreas Baader hat früher Kaufhäuser angezündet. Bis heute das Streichholz brennt, ist Karstadt längst pleite.” Selbst die wenigen Minuten, die Webers Auftritt dauerte, machten klar, dass er längst kein junger Aufsteiger mehr ist, sondern mit den älteren Kabarettsemestern durchaus mithalten kann.
Musikalische Rheinländer und Österreicher unter Beschuss
Nicht mehr ganz so jung war hingegen der zweite Preisträger des Abends: Rainald Grebe. Aber sowohl er als auch sein Laudator Jochen Malmsheimer demonstrierten dem bayerischen Publikum, wie rüstig Rheinländer um die Vierzig noch sein können. An Dynamik und Elan standen beide Philipp Weber in nichts nach. Schnell war alles gesagt, was das Publikum über das Leben von Grebe wissen musste: „Als viertes von drei Kindern geboren, lebt er heute noch. Soviel ist sicher.” Mehr wusste Malmsheimer hingegen über das künstlerische Schaffen des Preisträgers zu berichten: Grebe verstehe es, Wort und Musik gut zu kombinieren. Jedoch: „Die Entwicklung des Liedes ist ohne Musik kaum vorstellbar, unterscheidet sich von dieser aber auch nur durch das Wort.”
Richtig scharf geschossen wurde allerdings beim Hauptpreis für Alfred Dorfer. Schwierig ist es immer, wenn Kabarettisten Kabarettisten loben sollen. Was ist Ernst, was Ironie? Laudator Bruno Jonas verlor sich etwas in dieser Einstiegsüberlegung und war kurz davor, den Spannungsbogen zu überziehen. Vielleicht war er zu sehr in Gedanken, wie er selbst einst diesen Preis bekommen hatte. Ob er damals auch gedopt war? Dem Preisträger Dorfer unterstellte er zumindest „Veltliner Missbrauch.” Macht aber nix, denn Dorfer ist Österreicher und „Missbrauch hat in Österreich ohnehin einen ganz anderen Stellenwert.”
Stumm und starr nahm der so geehrte diese bemüht wirkende und nur bedingt schmeichelhafte Laudatio hin – wohlwissend, dass er das letzte Wort haben würde. Denn eigentlich seien die Österreicher ja doch einfach die besseren Deutschen. Schließlich gehe man „in Deutschland zur Schule. In Wien in die Schule. Pisa beweißt, dass das einen Unterschied macht!” konterte Dorfer. Und dass der bayerische Kabarettpreis in diesem Jahr an einen Österreicher ging, fand er auch nicht weiter schlimm: „Jetzt, da der deutsche Riese wankt, ist es gut, dass wieder mal ein Österreicher kommt und sagt wo es lang geht.”
Ehrenpreis stirbt Routinetod
Abgerundet wurde der Festabend mit dem Ehrenpreis, der in diesem Jahr an Jörg Hube verliehen wurde. Hube, der nicht nur Kabarettist, sondern auch Schauspieler und Regisseur ist, wurde von Karikaturist Dieter Hanitzsch in Bildern geehrt. Dieser letzte Programmpunkt zündete ebenso wenig wie das routinierte Programm von Bruno Jonas oder Alfred Dorfer. Anders als im vergangen Jahr kam es zwar nicht zu einem technischen K.O. beim Ehrenpreis. Der klare Sieg nach Punkten ging jedoch auch bei der elften Preisverleihung an die jüngere Generation. Man darf gespannt sein, wen es im zwölften Jahr des bayerischen Kabarettpreises treffen wird.
Weiterführende Links:
Umbaupause mit La Brass Banda als Video-Stream
Die Bildrechte liegen bei den Künstlern (Grebe, Dorfer) sowie beim Bayerischen Rundfunk (Trophäe).
Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:
Zehn Jahre Bayerischer Kabarettpreis
Optionen: »Jugend punktet vor fadem Alter« bewerten | Artikel drucken | Artikel per E-Mail versenden
Artikel in sozialen Netzwerken teilen:



