Anlagen für Anfänger

09. Jul 2009 | von Petra Sorge | Kategorie: Politisches Buch

mueller_crashkurs_081028Bankenpleiten, Firmeninsolvenzen, Kurzarbeit: Angesichts der folgenschwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen ihr Vertrauen in den Finanzmarkt verloren. Sie schrecken vor Aktien und Geldanlagen zurück. Ein Fehler, sagt Börsenmakler Dirk Müller, Medienstar der Frankfurter Börse, in seinem Buch „Crashkurs“. Von Petra Sorge

Ein Leitfaden zum Investieren, mitten in der Wirtschaftskrise? Genau das bietet das Buch „Crashkurs – Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen“. Der Autor, Bankkaufmann Dirk Müller, ist dem Publikum als „Mister Dax“ aus dem Fernsehen bekannt, weil sein Arbeitsplatz an der Frankfurter Börse genau unter der Kurstafel lag. So tauchte sein Gesicht immer wieder in Kameraschwenks der Börsennachrichten auf.

In „Crashkurs“ gibt Müller sein Wissen aus fast 17 Jahren Börsenhandel bereitwillig weiter: Er weist dem Leser in einer mit Derivaten und Optionsscheinen vermüllten Finanzwelt den Weg und versucht, mit Verstand und Augenmaß zu zeigen, wie man auch für sich selbst etwas herausholen kann. Und das ist aus seiner Sicht auch nötig, denn nur etwa 5,8 Prozent aller Deutschen haben Aktien. Die meisten bewahren ihr Geld im Sparschwein, unterm Kopfkissen oder auf dem Girokonto auf – dabei wird es überall von der Inflation aufgefressen. Für Müller gilt: Wer gewinnen will, muss mitspielen. Wer erst gar nicht spielt, gewinnt auch nicht.

Freier Fall des Dollars

Mit diesem Ziel im Blick analysiert Dirk Müller den Finanzmarkt. Er entlarvt die Lügen des Ifo-Indexes und der Arbeitsmarktstatistik. Er enttarnt die Schein-Experten, die in den Börsennachrichten vor Panikverkäufen warnen, als Scharlatane. Und er stellt das Zahlungsmittel in Frage, auf dessen Grundlage die ganze Nachkriegswirtschaft erbaut wurde – den Dollar. Anfangs war die US-Währung noch ans Gold gekoppelt. Als mit dem Vietnamkrieg immer mehr Dollar in Umlauf kamen, wurde auch die Bindung ans Edelmetall aufgelöst. Seitdem befindet sich die Leitwährung in freiem Fall, ein US-Dollar aus dem Jahr 1940 war 1995 nur noch 0,8 Cent wert.

Dass das Weltfinanzsystem noch nicht wie ein Kartenhaus zusammengefallen ist, schreibt Müller einem stillen Deal zu – Öl und Waren gegen leere Versprechungen. Hier steigt Müller in ein Gedankenspiel der Verschwörungstheorien ein. Der Scheich verkauft sein Öl nur gegen Dollar, sichert so einen regelmäßigen Absatz, Schutz durch die USA, und legt sein Geld wieder in US-Staatsanleihen an:  Öl als die neue Golddeckung. Hier werden die Annahmen des Autors immer phantastischer. Müller muss aber zugute gehalten werden: Er räumt selbst an vielen Stellen ein, dass das Geschriebene „mit viel Skepsis“ gelesen werden müsse und es oft keinen empirischen Beweis für seine Thesen gäbe.

Kaum wirtschaftliches Vorwissen nötig

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Der Autor Dirk Müller, auch "Mister Dax" genannt

Der Verzicht auf wissenschaftliche Argumentation, Fußnoten und Querverweise bietet aber auch die Chance, die Finanzwelt in simplen Kategorien zu beschreiben. Für den „Crashkurs“ braucht es fast kein (finanz-)wirtschaftliches Vorwissen. Wer den Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage kennt, wird auch dann keine Probleme haben, wenn Müller die komplexen Ursachen der Immobilien- und Bankenkrise erläutert und für die Zukunft ein optimistisches und ein pessimistisches Szenario entwirft.

Der Nutzwert des Buches offenbart sich in der zweiten Hälfte. Müller gibt konkrete Tipps für alle möglichen Anlageformen – Aktien, Fonds, Staatsanleihen, Immobilien, Versicherungen, Gold und Silber. Wer „Crashkurs“ gelesen hat, weiß, dass er bald etwas grundlegend ändern muss mit seinem altbackenen Girokonto samt Haushaltsbuch. Denn die Krise könnte auch eine Jahrhundertchance sein. Trotzdem bleibt beim Leser ein wolkiges Gefühl der Überforderung zurück. Denn Geld zu verwalten heißt, sich mit den Märkten zu beschäftigen, Chancen zu erkennen, Unternehmen zu studieren. In einer Studie erzielte sogar ein Affe, der mit Dartpfeilen auf wahllos angeordnete Anlageoptionen warf, höhere Gewinne als „professionelle“ Fondsmanager. Wie soll man da als Laie erfolgreich sein?

Dirk Müller: Crashkurs. Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen. Droemer Verlag, München,  2009, 255 Seiten, ISBN3-426-27506-6, 18 Euro.


Die Bildrechte liegen beim Droemer Verlag.


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