Angela schmeißt hin!

07. Nov 2009 | von Alexander Christoph | Kategorie: Politisches Kabarett

jva_1Merkel hat die Schnauze voll und verschwindet spurlos. Ein unverbrauchtes Gesicht soll an die Spitze des Staates gestellt werden. Nur wer? Ein Rentner aus Marzahn, der schnell zum deutschen Obama wird. Die Schauspieler des Kabarett-Theaters Distel nehmen das politische Berlin auf die Schippe. Von Alexander Christoph

Das politische Berlin ist außer Rand und Band. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich aus dem Staub gemacht und nichts weiter als einen Abschiedsbrief mit den Worten „Bin weg!“ hinterlassen. Da sich die Regierungsparteien äußerst misstrauisch beäugen, sind Neuwahlen ausgeschlossen. Die einfache wie naheliegende Lösung: Es muss ein Nachfolger her. Am besten ein frisches, unverbrauchtes Gesicht, volksnah, ein deutscher Obama eben.

Das ist das Ausgangsszenario für das Polit-Kabarett der Berliner Distel mit dem passenden Namen „Jenseits von Angela“. Regisseur Martin Meier-Bode hat dafür ein gutes, allerdings kein überragendes Programm aus Sketchen, Solonummern und Liedern entworfen. Das liegt aber keineswegs an den Kabarettisten oder an den Musikern. Die leisten wirklich ausgezeichnete Arbeit, vor allem Edgar Harter als Karl-Heinz Diernowski, einem Rentner aus Marzahn, der von zwei Referenten von CDU (Timo Doleys) und SPD (Dorina Pascu) als neuer Kanzler auserkoren wurde.

Bemühte Pointen, aber trotzdem komisch

jva_4Vielmehr sind es die manchmal doch allzu sehr bemühten Pointen, die kritisiert werden können. Das muss nicht weiter stören, zumal das Publikum trotzdem genügend zu lachen hat – sowohl über das Vorhersehbare, wie über das Überraschende. Schon allein der absurde, vielleicht auch zu stereotype Koalitions-Dauerklinsch ist komisch. Außerdem wittert die Distel in der Berliner Republik einen neuen Spendenskandal. Finanzminister Peer Steinbrück soll der Kanzlerin fünfzig Euro zugesteckt haben. Für was wohl? Richtig, den nächsten Friseurbesuch. „Nur leider: Man sieht es nicht.“

Besonderes Gefallen findet die Taliban-TV-Nummer. Das ist nicht nur eine Verkaufssendung von und für islamische Fundamentalisten, sondern auch ein Telekolleg für zukünftige Terroristen. Beispielsweise lernen Kinder dort, wie man den ersten Sprengstoffgürtel bastelt. Das mag übertrieben klingen, das ist jedoch die Aufgabe von Satire. Den Finger in die Wunde legen, Zustände aufspießen, scharf kritisieren und der Lächerlichkeit preisgeben. Deswegen gehen die Leute in die Distel. Und das schon seit Jahrzehnten.

Information:

Kabarett-Theater Distel, Friedrichstraße 101, Berlin-Mitte,

Nächste Vorstellungen:

Samstag, 07. November, 17 und 20 Uhr,

Montag, 09.11. – Donnerstag, 12.11., jeweils 20 Uhr


Die Bildrechte liegen bei  Thomas Grünholz.


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