Alt – aber richtig schön laut
Anfang der achtziger Jahre schwappte eine Welle harter Musik durch den Rock’n'Roll: der New Wave of British Heavy Metal. Auch drei Jahrzehnte danach sind einige der Protagonisten noch dabei. Judas Priest touren endlich wieder durch Deutschland. Ein Konzertbericht von Bert Große
Nach den ersten Takten ist Schluss mit lustig. Schmunzelten zuvor noch einige der mit ihren Metal-Göttern gemeinsam altgewordenen Fans über das neue Bühnenbild zum aktuellen Album Nostradamus und die sanften Klavierklänge, ist doch nach dem ersten Einsatz von K.K. Downings Schädelfräse, vulgo Gitarre, endlich wieder alles wie immer. Judas Priest, fleischgewordenes Klischee der achtziger Jahre in Leder und Nieten, sind endlich wieder im Land. Zwar kratzen die fünf Priester um Frontmann Rob Halford ziemlich deutlich an der sechsten Lebensdekade, aber an ihrer Fähigkeit, Konzerthallen zum Toben zu bringen, hat das nichts verändert. Zum Glück.
„The Priest is back“
Anfangs irrlichtert Nostradamus zwar ein wenig, aber wen stört es wirklich? Der Prophet im ach so gruseligen Bühnenbild schielt ein wenig und Halford entblödet sich auch nicht im Papst-Kostüm aus Goldfolie wild des Teufels Dreizack schwingend, symbolisch zur Hölle zu fahren – aber egal. Der Rest der wilden Horde malträtiert die Instrumente auf das Feinste. Wie seit Anbeginn der Zeit gewandet in zu engen Hosen, wird das dünner gewordene Haupthaar geschüttelt und wilde Blicke ins Auditorium abgefeuert. Letzteres ist spätestens bei Metal Gods in metallischer Verzückung und mit dem komischen Start versöhnt.
Alles ist wie immer. Halford brüllt und kreischt sich die Lunge raus und wechselt in 90 Minuten mindestens ein halbes Dutzend Mal seinen knielangen Ledermantel. Ein Modell ist hässlicher als das andere! Glenn Tiphton und K.K. Downing fräsen sich mit harten Riffs ins Bewusstsein des geneigten Publikums, Drummer Scott Travis trägt unüberhörbar sein Scherflein zum Inferno bei und Bassist Ian Hill tut, was er am besten kann: sich an seinem Instrument austoben. Klassiker reiht sich an Klassiker, Between the Hammer and the Anvil, Painkiller oder Electric Eye. Natürlich frenetisch bejubelt.
Klischees sind toll
Wer sich nur ein wenig für die härtere musikalische Gangart zu begeistern vermag, versteht nach fünf Minuten, warum Judas Priest stilprägend werden konnten wie nur wenige andere Bands des Genres. Kompromisslos hart und zugleich melodisch, hat sich die Band ein treues Publikum erspielt.
Und das will bedient werden, auch mit den geliebten, wenn auch wenig furchteinflößenden Klischees. Zu Messenger of Death wird ein Thron auf die Bühne gebracht, von dem aus Halford seine Weisheiten verkündet; The green Manalishi wird natürlich standesgemäß durch die röhrende Harley eingeleitet. Rob Halford lässt es zwischendurch an keiner Pose fehlen, die irgendwie mit Heavy Metal in Verbindung zu bringen ist. Nur die wilden Sprints und Huckepack-Gitarrenduelle junger Jahre fehlen. Vielleicht nicht allzu verwunderlich, steht doch in diesem Jahr das 38jährige (!) Bühnenjubiläum an. Nur der Gesang klingt doch ein wenig zu perfekt – kein Wackler in der Stimme, keine Rückkopplung. Ein Schelm, der Arges dabei denkt…
Letztlich bekommen alle, was sie wollen. Nämlich auf die Ohren. Und zwar reichlich. Und wer sich außer einigen verwirrten Evangelikalen immer noch am vermeintlichen Satanistenimage stört, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Nach dem Selbstmordversuch zweier amerikanischer Jugendlicher 1985 war die Band in Nevada wegen Anstiftung zum Suizid verklagt worden. Angeblich enthielten die Texte Aufruf zum Selbstmord, wenn man sie rückwärts hören würde. Die Anklage fiel in allen Punkten in sich zusammen.
So gesehen ist zu hoffen, das der Priest noch lange predigt. An Gläubigen besteht zumindest kein Mangel, wie die aktuelle Tour zeigt.
Judas Priest spielen am 6. März in Hamburg, am 7. März in Offenbach und am 8. März in Stuttgart. Alle aktuellen Tourdaten gibt es hier.
Die Bildrechte liegen bei Judas Priest (Cover) und Zach Petersen / flickr (Creative Commons Lizenz).
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