Unterstützung bei Klimaschutz aus freien Stücken

11. Mrz 2008 | von Iris Pufé | Kategorie: Umwelt

gurupoornima_058.jpgMit einer neuartigen Dienstleistung startete vor einem Jahr das Münchner Unternehmen ClimatePartner: Es berät mittelständische Unternehmen, die sich über die rechtlichen Vorgaben hinaus für den Klimaschutz einsetzen möchten. Über die Arbeit in Zeiten zunehmenden Klimabewusstseins berichtet Geschäftsführer Moritz Lehmkuhl im Interview. Von Iris Pufe

/e-politik.de/: ClimatePartner ist „Klima bezogener Strategieberater, Anwendungsentwickler und Prozesslieferant“; so heißt es jedenfalls auf Ihrer Webseite. Wie kam es zu dieser neuen Geschäftsidee?

Moritz Lehmkuhl: Die Idee hat sich über die letzten Jahre entwickelt, in dem Grad wie die Sensibilität für Klimaschutz stieg. Jetzt sind wir an dem Punkt, wo wir überlegen, wie wir Klimaschutz in den Alltag integrieren.

/e-politik.de/: Wenn der Emissionsrechtehandel ein umweltpolitisches Instrument ist, das Schadstoffemissionen zu möglichst geringen Kosten für die Volkswirtschaft verringern will, wo verortet sich da ClimatePartner?

Moritz Lehmkuhl: Wir konzentrieren uns rein auf den freiwilligen Klimaschutz und arbeiten mit Unternehmen, die über verpflichtenden Klimaschutz hinausgehen.

/e-politik.de/: Sie beraten Unternehmen über deren Möglichkeiten, sich aus freien Stücken beim Klimaschutz zu engagieren. Gibt es denn viele Freiwillige?

Moritz Lehmkuhl: Mehr und mehr Unternehmen erkennen, dass nur, wenn sie über den verpflichtenden Klimaschutz hinausgehen, es einen zusätzlichen Beitrag darstellt.

/e-politik.de/: Und woher kommt dabei die meiste Nachfrage?

Moritz Lehmkuhl: Von Unternehmen, die in der Vergangenheit schon etwas im Umweltschutz gemacht haben. Wir beraten auch viele Druckereien, IT– und Tourismusfirmen. Der Schwerpunkt liegt auf Dienstleistern.

DSC00876.JPG/e-politik.de/: Wie sieht Ihre praktische Arbeit aus?

Moritz Lehmkuhl: Das kommt ganz auf den Kunden an. Manche wollen Teillösungen, andere Komplettlösungen wie die mittelständischen Drucker, von denen wir viele beraten.

/e-politik.de/: Können Sie mir ein Beispiel für einen Kunden nennen, um Ihre konkrete Dienstleistung zu verdeutlichen?

Moritz Lehmkuhl: Nehmen wir ein Biohotel: Erst analysieren wir den Betrieb – und entwickeln dann auf der Basis einer CO2-Bilanz ein Konzept, das Antworten gibt auf Fragen wie: Können Gäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen? Gibt es klimaneutrale Pauschalurlaube im Angebot? Kommt Ökostrom oder eine Holzpellet-Anlage in Frage?

/e-politik.de/: Ein Hin- und Rückflug der Strecke München-Berlin setzt eine drittel Tonne Kohlendioxid frei, was etwa 16 Euro entspricht, die man aufwenden müsste, um die Emissionen zu neutralisieren; ein Mittelklassewagen emittiert auf 10.000 Kilometer durchschnittlich 1,6 Tonnen respektive 40 Euro. Wie kommt man auf solche Werte?

Moritz Lehmkuhl: Wir arbeiten mit Instituten zusammen, die Bemessungen vorgeben. Beim Fliegen lässt sich das im Handumdrehen mit einem Quotienten berechnen. Komplizierter wird es bei Druckereien: Farben, Papier, Aluminiumplatten, die ganze Lieferkette muss unter die Linse genommen werden. Dass jede Farbe einen anderen CO2-Wert hat oder anders produziert wird, macht die Sache komplex.

/e-politik.de/: In einer Befragung amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler (Richard M. Alston, J. R. Kearl, and Michael B. Vaughn, Is There Consensus Among Economists In The 1990s? American Economic Review, May 1992, 203–209) stimmten 78 Prozent zu, dass marktwirtschaftliche Instrumente wie Steuern und Emissionszertifikate einen besseren Ansatz für die Beschränkung von Emissionen bilden, als die ordnungsrechtliche Festlegung von Schadstoffobergrenzen. Positiv wurde auch bewertet, dass der Emissionsrechtehandel administrativ verhältnismäßig einfach und im Ergebnis effektiv ist. Der Wissenschaftler Elmar Altvater meint hingegen, es sei naiv, die neoliberalen Prinzipien auf den Klimaschutz anzuwenden. Finanzakteure seien nicht an Klimaschutz, sondern an Profit interessiert. Was meinen Sie dazu?

Moritz Lehmkuhl: Beide haben Recht, insofern der marktwirtschaftliche Ansatz am besten ist. Trotzdem reichen die allein auch nicht. Was wir brauchen, ist, dass nicht nur Großunternehmen, sondern auch der breite Mittelstand Klimaschutz betreiben.

logo.gif/e-politik.de/: Wenn man bedenkt, in welchem Bereich ClimatePartner seine Kunden berät, wäre so ein Unternehmen noch vor zehn Jahren unvorstellbar gewesen. Wie sehen Sie sich selbst, als Unternehmer oder Aufklärer?

Moritz Lehmkuhl: Auf jeden Fall als Visionär. Wir machen das hier, weil wir gestalten wollen. Und um damit etwas Geld verdienen, das sinnvoll ist.

/e-politik.de/: Herr Lehmkuhl, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Moritz Lehmkuhl kommt aus der Nachhaltigkeits- und Unternehmensberatung, hat 2003 die ersten Projekte im Klimaschutz betreut und ist Gründer von ClimatePartner.


Die Bildrechte liegen bei Iris Pufe (Himmel; Lehmkuhl) bzw. bei der Firma ClimatePartner (Logo).


Weiterführende Links:

ClimatePartner

www.co2-handel.de

Bundesverband Emissionshandel und Klimaschutz (BVEK)

Umweltbundesamt – Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt)


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