Und der Gewinner ist…Syrien!

07. Aug 2008 | von Raphael Thelen | Kategorie: Internationale Politik, Sicherheitspolitik

Der Friedensprozess im Nahen Osten hat in den letzten Monaten eine neue Richtung eingeschlagen. Gestern noch als Teil der „Achse des Bösen“ verschrien, wird Syrien derzeit von allen Seiten hofiert, ohne konkrete Gegenleistungen erbringen zu müssen. Ein Kommentar von Raphael Thelen

Syrien ist im Moment fein raus. Eine Einladung nach Paris, inklusive Sitz auf der Ehrentribüne, Friedensverhandlungen mit Israel, inklusive Golanhöhen und die Präsidentschaftswahlen in den USA, inklusive neuer diplomatischer Kontakte. Gar nicht zu sprechen von den glänzenden Beziehungen mit dem Iran und einer Weltöffentlichkeit, die fest davon überzeugt ist, dass ohne Syrien kein Frieden im Nahen Osten möglich ist. In diesem Punkt hat sie wahrscheinlich Recht.

Der Irakkrieg hat das Kräfteverhältnis grundlegend verändert

Seit die Amerikaner im Irak einmarschiert sind, hat sich das Kräfteverhältnis im Mittleren Osten grundlegend geändert. Stellte der Irak bis dato das natürliche Gleichgewicht zum Iran dar, schwingt sich letzterer nun ungehindert zur Regionalmacht Nummer Eins auf. Das sich die Amerikaner ihren größten Feind somit ein weiteres Mal selbst geschaffen haben, offenbart ihre chronische Kurzsichtigkeit auf frappierende Weise.

Das Emporkommen des Irans als neue Macht am Golf hilft dem „Schurkenstaat“ Nummer zwei, Syrien, gleich in doppelter Weise: Zum einen bleibt der Libanon instabil, da die Hisbollah dank iranischer Hilfe, stark ist, wie nie zu vor. Zum anderen ist Israel weiter unter Druck und deshalb plötzlich zu Friedensgesprächen mit seinem nördlichen Nachbarn bereit.

Regimepropaganda im Herzen von Damaskus

Ersteres führt dazu, dass Syrien weiterhin großen Einfluss im Libanon ausüben kann. Der schmachvolle Rückzug der eigenen Truppen aus dem Libanon im April 2005 ist nicht vergessen. Und die Führung in Damaskus wird alles daran setzen auch weiterhin ihre politischen Vorstellungen im Nachbarstaat durchzusetzen.

Der Friedensvertrag mit Israel wird allem Anschein nach eine Rückgabe der Golanhöhen einschließen. Deren Verlust im Sechstagekrieg (5. – 11. Juni 1967) ist eine weitere große Narbe in der syrischen Seele. Die Rückgewinnung wird Präsident Bashar al-Assad helfen, seine Position zu festigen. Das syrische Volk hat sich zwar mit dem Bestehen des „zionistischen Gebildes“ längst abgefunden, und wird es seiner Führung hoch anrechnen, wenn beim Friedensschluss etwas rausspringt.

Die Entwicklungen stützen vor allem das autoritäre Regime in Damaskus

Dieser „Verdienst“ wiederrum hilft Assad, sich gegen den wachsenden Einfluss der Muslimbruderschaft zur Wehr zu setzen. Zur Wehrsetzen muss in dem Fall wörtlich genommen werden, denn Organisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International beklagen seit Jahren massive Menschenrechtsverletzungen. Erst vergangene Woche wurden 12 „Oppositionelle“ verhaftet, da sie für Meinungsfreiheit eintraten. Und das solche Verhaftungen mit Scheinprozessen und Folter einhergehen ist kein Geheimnis.

Internationale Anerkennung ohne Gegenleistung

Und dennoch durfte sich Assad mit Nicolas Sarkozy anlässlich des französischen Nationalfeiertags zusammen auf der Ehrentribüne lümmeln und der prunkvollsten Militärparade der letzten 30 Jahre beiwohnen.

Zurückgelassener Panzer auf den Golanhöhen

Zweifellos war die diplomatische Isolation durch die Amerikaner ein Fehler, denn er brachte keiner Seite etwas ein.

Doch im Moment scheinen die Syrer bloß still halten, nette Worte in alle Richtungen austeilen und alle Vorteile einstreichen zu müssen. Syrien hat ohne Frage Einfluss in der Region, doch dieser kennt Grenzen. Die Hisbollah hat sich längst emanzipiert und untersteht nicht mehr der direkten Weisung aus Damaskus. Der Iran hat weit mehr Trümpfe in der Hand als Syrien, welches sich eher in einer Abhängigkeit zu seinem großen Freund befindet, als umgekehrt, und der Frieden mit Israel kommt wie gesagt auch nicht von ungefähr.

In diesem Sinne ist Zusammenarbeit mit Syrien zwar durchaus richtig, doch muss für all die vorgeschossenen Lorbeeren auch eine Gegenleistung eingefordert werden. Ansonsten hätte man umsonst einem autoritären Regime Hilfestellung geleistet.


Bildrechte: delayed gratification, RobW_.


Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:

Der neue kalte Krieg

Libanon in Schutt und Trauer

Falscher Bart im Visier?

Schlagworte: , , , ,
Optionen: »Und der Gewinner ist…Syrien!« bewertenArtikel drucken | Artikel per E-Mail versenden

Artikel in sozialen Netzwerken teilen:

6 Kommentare
Artikel kommentieren »

  1. bravo *klatsch*

    ein sehr schöner einseitiger, mit ironie vollgepumpter text der voller klichees anderer “westlicher” medien besteht. danke e-politik

    also echt so einen geschwafel hab ich noch nie gelesen… also spiegel und die welt sind ja schon solche zeitschriften die viel um den heißen brei reden und immer was neues dazu erfinden oder einfach das alte mit anderen sachen verknüpft…
    wer von euch autoren war mal in syrien und hat dort die zustände gesehen?
    kein mensch hat das recht seine meinung über etwas zu äußern worüber er keine ahnung hat. und sekundärliteratur wie andere zeitungen gehören auch zum punkt keine ahnung haben da keiner weiß ob das stimmt oder ob da hinter einfach nur ein subjektiver einseiter reporter steckt…
    naja egal.. jedenfalls bin ich selber syrer und kann euch 100% versichern das das nicht so ist wie es im text steht…

    viel spass beim weitererfinden und weiterlesen anderer westlichen zeitungen/zeitschriften

  2. Hallo Bravo,

    ich bin selbst schon zweimal in Syrien gewesen, und verfolge das Geschehen im Nahen Osten ziemlich genau.
    Was genau “ist nicht so wie es im Text steht”?
    Ich bin für andere Meinungen offen, doch lass ich mich nicht gern unbegründet diffamieren.
    Also wenn du mir deine Ansichten genauer darlegen würdest, dann könnte ich meine auch genauer erklären.

    Schönen Gruß
    Raphael Thelen

  3. Man kann über die Qualität journalistischer Texte trefflich streiten – und dieser hier ist meiner Meinung nach auch alles andere als Pulitzer-Preis-verdächtig – grundlegend falsch ist er allerdings nicht.

    Aber langweilig, ja. Mit nichts – aber auch wirklich gar nichts! – Neuem aufwartend, sondern lediglich altbackene Klischees aufwärmend, in dem Versuch eine vermeintlich “freche” Sprache (…”und dennoch durfte sich Assad mit Nicolas Sarkozy anlässlich des französischen Nationalfeiertags zusammen auf der Ehrentribüne lümmeln …”) an den Tag zu legen. Neuigkeitswert = 0, Sprache/Stil = 0 usw. und dann noch veröffentlicht am 7.8.. Leute, da war die Nummer schon lange, lange durch.

    Ein Fehler bzw. eine Fehlbehauptung fällt dann aber doch ins Auge: “Das syrische Volk hat sich zwar mit dem Bestehen des „zionistischen Gebildes“ längst abgefunden, und wird es seiner Führung hoch anrechnen, wenn beim Friedensschluss etwas rausspringt”. Sorry, aber da musst du wirklich nochmal drüber nachdenken, was Du da schreibst.

    Übrigens: Man muss nicht zwingend zwei Mal in Syrien gewesen sein, locker-flockig in Backpackern wie dem Al-Haramein sein Bild vom Nahen Osten gepflegt haben um dann nach Nargileh in Aleppo und ein bißchen Palmyra wieder bequem in den Flieger zu steigen.

    Ich empfehle die Lektüre von Rafik Schami, Exil-Syrer in Deutschland, seit mehr als 30 Jahren nicht mehr in der Heimat gewesen und in seiner Literatur dermaßen treffend… – davon können wir uns alle ein oder mehrere Scheiben abschneiden.

    Dein größter Fehler also: “… ich bin selbst schon zweimal in Syrien gewesen, und verfolge das Geschehen im Nahen Osten ziemlich genau…”

    Wow.

  4. Hallo tbc,

    ich kann eigentlich nur das wiederholen, was ich an Bravo gerichtet habe: Nenn mir doch deinen Standpunkt zu dem Thema.
    Siehst du irgendeine Gegenleistung, die von den Syrern gebracht wurde?
    Der Austausch von Diplomaten zwischen Libanon und Syrien…was ein grosser Schritt. Syrien verliert dabei nichts und gewinnt mal wieder nur an positiver internationaler Beachtung.
    Oder meinst du vieleicht nicht doch eher den neuem Waffendeal mit den Russen?
    Nicht das ich meine, dass man sich den Aggressionen Israels schutzlos ausliefern sollte, und dennoch verstehe ich die diplomatische Euphorie im Westen nicht.
    Und was den sprachlichen Stil angeht. Ich halte Ueberspitzung fuer ein absolut legitimes Mittel um solch einen Sachverhalt auf den Punkt zu bringen und im besten Fall Reaktionen zu provozieren, auch wenn ich mir diese kostruktiver gewuenscht haette.

  5. Hallo Raphael,

    die Gegenleistung, die Syrien für ein deutliches Plus an internationaler Anerkennung leisten muss, ist eine Abkehr von der – ich nenn sie mal – “Hisbollah-/Hamas-Diplomatie”. Davon kriegen wir allerdings erstmal nichts mit, denn das dauert seine Zeit. Und genau darum glaube ich, dass der ganze Hype um Assad in Paris etc. zur Zeit tatsächlich nicht mehr ist als ein Hype. Auf lange Sicht allerdings eine Gratwanderung die sowohl in der syrischen Bevölkerung als auch in der gesamten Region derbe nach hinten losgehen könnte.

    Ich schreibe bewusst “könnte”, denn hier liegt dein m.E. Gedankenfehler: Ich glaube nicht, dass – wie du schreibst – “syrische Volk” seiner Führung irgend etwas hoch anrechnen wird. Ganz ehrlich: Die sind leider tagtäglich so am Rudern, dass ihnen der ganze Brainwash schlichtweg zum Hals raushängt. Zionitisches Gebilde hin oder her – auch in Damaskus und Aleppo zählt wie überall auf der Welt ein schickes Auto vor einer halbwegs schicken Wohnung.

    Dagegen wehre ich mich: Gegen die politische Pauschalisierung eines gesamten Volkes, dem im gleichen Atemzug damit das politische Denken abgesprochen wird. In der Region – und das ist meine Erfahrung – gibt es sehr viel mehr Grautöne als Schwarz & Weiß.

    Gruß,
    tbc

  6. Hallo tbc,

    zugegeben, die Hintergruende einer Aktion, die auf so hoher Ebene geschieht ist fuer uns nicht einsehbar. Ich kann nicht sagen, wieviel Geheimdiplomatie zugange ist, und dennoch wundern mich Aktionen wie der neueste Waffendeal mit Russland.
    Syrien spielt das gleich Spiel wie alle in dieser Region und es heisst Realpolitik. Wenn ich meine Stellung, und sei es auch nur kurzfristig, durch ein Buendniss verbessern kann, so tue ich das. Vor allem wenn ich eine autokratisches Regime bin, dass meine Stellung nur durch Unmengen von Spitzeln und Geheimpolizei sichern kann.
    Der Georgien Krieg hat nicht unbedingt Russlands Macht offenbart, als vielmehr Amerikas Ohnmacht. Deshalb war es nur logisch, dass sich die syrische Fuehrung wieder Richtung Moskau orientiert.
    Wenn Syrien stark genug ist, um Israel im Schach zu halten, dann sinkt der Einfluss der USA und Russlands steigt.
    Mein Einwand ist also, dass man Syrien so begegnen muss, dass jedes Tauschgeschaeft auch etwas von Syrien abverlangt. Mit schoenen Worten ist hier nicht viel geholfen.

    Und um nun nochmals auf deinen Kommentar zurueck zu kommen. Ich glaube du wirst keinen Syrer finden, der die Rueckgewinnung der Golanhoehen ablehnen wird. Nationalstolz ist etwas sehr fundamentales in Syrien und die Golanhoehen sind nunmal urspruenglich syrisch.

    Und dennoch war es mit Sicherheit nicht meine Absicht dem syrischen Volk sein politisches Denken abzusprechen und all zu sehr in Schwarz/Weiss zu malen, vielmehr erwaehne ich in meinem Artikel sogar die radikalen Mittel, welche Assads Regime bemuehen muss um Andersdenkende zu unterdruecken.

    Was mich noch interessieren wuerde ist, was du mit deiner Befuerchtung, dass ein Wandel in der syrischen Fuehrung “in der syrischen Bevölkerung als auch in der gesamten Region derbe nach hinten losgehen könnte.”, meinst.

    Schoenen Gruss

    Raphael

Kommentar hinterlassen

Twitter Nutzer - Mit deinem Twitteraccount bei /e-politik.de/ anmelden: