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	<title>Kommentare zu: Soziologen am Abgrund?</title>
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	<description>Onlinemagazin für Politik, Gesellschaft und Politikwissenschaft</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Feb 2012 23:01:26 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Von: Jochen Groß</title>
		<link>http://www.e-politik.de/lesen/artikel/2008/soziologen-am-abgrund/comment-page-1/#comment-1821</link>
		<dc:creator>Jochen Groß</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 11:02:39 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.e-politik.de/lesen/?p=1838#comment-1821</guid>
		<description>Liebe Nona,

danke für Deinen Kommentar, es freut mich natürlich, dass ich mit der Zuspitzung in meiner Rezension Reaktionen herausfordere.

Zunächst mal verstehe ich meinen Artikel keineswegs als ein Plädoyer für einen Methodenmonismus und schon gar nicht für eine Variablensoziologie. Vielmehr fordere ich ja explizit eine theoriegeleitete empirische Wissenschaft. Meines Erachtens ist das zenrale Problem, dass sich die Soziologie bisher nicht auf eine wissenschaftstheoretische Grundlage und damt ein Theoriebegriff einigen konnte. Insofern wird in der Soziologie so gut wie jede empirieferne  Aneinanderreihung von Sätzen als Theorie bezeichnet. 

Möchte  man jedoch soziale Phänomene erklären - und dies würde ich als zentrales Ziel jedweder Wissenschaft veranschlagen - benötigen wir ein einheitliches Verständnis einer Erklärung. Mein Argument ist nun, dass uns andere Disziplinen hier vorexerzieren, das man mit Stützung auf ein Erklärungsprogramm das dem Ideal des deduktiv-nomologischen Schemas nach Hempel und Oppenheim folgt, erfolgreiche Wissenschaft betreiben kann. Erfolgreich in dem Sinne, dass diese wissenschaftstheoretische Basis kumulativen Wissenschaftsfortschritt erlaubt. Als Gründe hierfür sehe ich zum einen die Forderung innerhalb dieses Paradigmas nach präzisen Theorien, welche klare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge postulieren und zum anderen die Notwendigkeit, der empirischen Prüfbarkeit der hieraus gefolgerten Hypothesen.

Meines Erachtens reicht gerade das Diskutieren &quot;dicht am heißen Brei&quot; hier nicht aus, um Erkenntnisgewinne zu erzielen. Dies ist - so mein Plädoyer - nur möglich, wenn man sich auch in der Soziologie auf ein Forschungsprogramm einigt und das sollte meiner Auffassung nach sich an den erfolgreichen Konzepten anderer Disziplinen orientieren. Hierfür sind nicht zwingend formale Theorien notwnedig, aber meines Erachtens sehr hilfreich, denn die Mathematik ist hinreichend präszise und erlaubt es vergleichsweise einfach das deduktive Potenzial von Theorien offenzulegen.  Und gerade soziologische Ansätze lassen zumeist Präzision vermissen. Ein weiteren Vorteil der Formalisierung würde ich gerade in der Interdisziplinarität sehen. Hiermit wäre ein fächerüpbergreifender Austausch viel leichter möglich als auf rein sprachlicher Ebene, wenn man die diversen Fachsprachen, gerade auch die der Soziologen berücksichtigt. Sicher ein Grund, warum gerade Physiker wie Buchanan oder Biologen wie Voland sich insbesondere mit Ökonomen, die soziologische Themen bearbeiten auseinandersetzen und weniger mit Soziologen.

Zweifellos richtig ist, dass insbesondere klassische Arbeiten von Soziologen zahlreiche Anstöße zur Durchdringung der verschiedenen, auch im Artikel angesprochenen, Themen liefern. Gerade beim Schenken ist hier an die Arbeiten von Gouldner, Malinowski oder Mauss zu denken. Diese Arbeiten werden etwa auch von den Ökonomen wahrgenommen und deren Ideen entsprechend genutzt. So wurde beispielsweise die Idee der Existenz einer Norm der Reziprozität in spieltheoretischen Modellen integriert. Interessant ist jedoch, dass diese neuen Arbeiten auf Grundlage klassischer soziologischer Ideen nicht von Soziologen angefertigt werden und diese hier offenabr wenig beizutragen haben. Mein Punkt hier wäre also keineswegs der, dass Soziologen einen Mangel an relevanten Ideen aufweisen, aber dass sie insbesondere aus den vorliegenden Ideen zu wenig machen.

Beste Grüße
Jochen</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Nona,</p>
<p>danke für Deinen Kommentar, es freut mich natürlich, dass ich mit der Zuspitzung in meiner Rezension Reaktionen herausfordere.</p>
<p>Zunächst mal verstehe ich meinen Artikel keineswegs als ein Plädoyer für einen Methodenmonismus und schon gar nicht für eine Variablensoziologie. Vielmehr fordere ich ja explizit eine theoriegeleitete empirische Wissenschaft. Meines Erachtens ist das zenrale Problem, dass sich die Soziologie bisher nicht auf eine wissenschaftstheoretische Grundlage und damt ein Theoriebegriff einigen konnte. Insofern wird in der Soziologie so gut wie jede empirieferne  Aneinanderreihung von Sätzen als Theorie bezeichnet. </p>
<p>Möchte  man jedoch soziale Phänomene erklären &#8211; und dies würde ich als zentrales Ziel jedweder Wissenschaft veranschlagen &#8211; benötigen wir ein einheitliches Verständnis einer Erklärung. Mein Argument ist nun, dass uns andere Disziplinen hier vorexerzieren, das man mit Stützung auf ein Erklärungsprogramm das dem Ideal des deduktiv-nomologischen Schemas nach Hempel und Oppenheim folgt, erfolgreiche Wissenschaft betreiben kann. Erfolgreich in dem Sinne, dass diese wissenschaftstheoretische Basis kumulativen Wissenschaftsfortschritt erlaubt. Als Gründe hierfür sehe ich zum einen die Forderung innerhalb dieses Paradigmas nach präzisen Theorien, welche klare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge postulieren und zum anderen die Notwendigkeit, der empirischen Prüfbarkeit der hieraus gefolgerten Hypothesen.</p>
<p>Meines Erachtens reicht gerade das Diskutieren &#8220;dicht am heißen Brei&#8221; hier nicht aus, um Erkenntnisgewinne zu erzielen. Dies ist &#8211; so mein Plädoyer &#8211; nur möglich, wenn man sich auch in der Soziologie auf ein Forschungsprogramm einigt und das sollte meiner Auffassung nach sich an den erfolgreichen Konzepten anderer Disziplinen orientieren. Hierfür sind nicht zwingend formale Theorien notwnedig, aber meines Erachtens sehr hilfreich, denn die Mathematik ist hinreichend präszise und erlaubt es vergleichsweise einfach das deduktive Potenzial von Theorien offenzulegen.  Und gerade soziologische Ansätze lassen zumeist Präzision vermissen. Ein weiteren Vorteil der Formalisierung würde ich gerade in der Interdisziplinarität sehen. Hiermit wäre ein fächerüpbergreifender Austausch viel leichter möglich als auf rein sprachlicher Ebene, wenn man die diversen Fachsprachen, gerade auch die der Soziologen berücksichtigt. Sicher ein Grund, warum gerade Physiker wie Buchanan oder Biologen wie Voland sich insbesondere mit Ökonomen, die soziologische Themen bearbeiten auseinandersetzen und weniger mit Soziologen.</p>
<p>Zweifellos richtig ist, dass insbesondere klassische Arbeiten von Soziologen zahlreiche Anstöße zur Durchdringung der verschiedenen, auch im Artikel angesprochenen, Themen liefern. Gerade beim Schenken ist hier an die Arbeiten von Gouldner, Malinowski oder Mauss zu denken. Diese Arbeiten werden etwa auch von den Ökonomen wahrgenommen und deren Ideen entsprechend genutzt. So wurde beispielsweise die Idee der Existenz einer Norm der Reziprozität in spieltheoretischen Modellen integriert. Interessant ist jedoch, dass diese neuen Arbeiten auf Grundlage klassischer soziologischer Ideen nicht von Soziologen angefertigt werden und diese hier offenabr wenig beizutragen haben. Mein Punkt hier wäre also keineswegs der, dass Soziologen einen Mangel an relevanten Ideen aufweisen, aber dass sie insbesondere aus den vorliegenden Ideen zu wenig machen.</p>
<p>Beste Grüße<br />
Jochen</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Nona Schulte-Römer</title>
		<link>http://www.e-politik.de/lesen/artikel/2008/soziologen-am-abgrund/comment-page-1/#comment-1817</link>
		<dc:creator>Nona Schulte-Römer</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Nov 2008 14:13:47 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.e-politik.de/lesen/?p=1838#comment-1817</guid>
		<description>Lieber Jochen, deine Kritik schreit nach einem Plädoyer für den Methodenpluralismus. Es wäre traurig, geradezu fatal, wenn Soziologen im Bestreben, ihre in deinen Augen &quot;theoretische wie empirisch-statistische Schwäche&quot; auszugleichen, das Denken jenseits der Variablen aufgäben, nur weil letztere schlagkräftiger in Schaubildern präsentiert werden können. Solange die Weltformel noch nicht gefunden ist, tun die Sozial- und Geisteswissenschaften gut daran, weiter dicht am heißen Brei zu diskutieren. Und eben weil der so heiß ist, kommen sie nicht ganz an ihn ran. Aber würdest du das Erbsenzählen in der lauwarmen Suppe vorziehen, nur weil du ein Rezept dafür hast? 
Wenn sich beispielsweise der Akt des Schenkens für unseren aktuellen sozialen Kontext wirtschaftstheoretisch ausdrücken lässt, ist das toll. Aber deshalb ist das Phänomen aus anthropologischer, ethnologischer, kulturhistorischer oder soziologischer Sicht eben noch lange nicht erschöpfend erklärt. Entsprechend gibt es, wie du weißt, durchaus soziologische Überlegungen sowohl zum Elfmeterschießen als auch zum Schenken und nicht zuletzt zu wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen wie Märkten oder Geld, in denen Ökonomen wertvolle Anregungen für die Ausarbeitung ihrer mathematischen Modelle finden können. 
Sind Buchanans und Volands Abgrenzungsversuche gegenüber der Vorstellung vom homo oeconomicus also nicht eher die Symptome von Interdisziplinarität und öffentlichkeitswirksamer Abgrenzung als Indikatoren für fehlende soziologische Diskussionsarenen? Ich möchte ja meinen, im Kreise der Sozialwissenschaften rennen &#039;Sozialbiologie&#039; und &#039;Sozialphysik&#039; schon offene Türen ein. Konstruktive Grüße, Nona</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Jochen, deine Kritik schreit nach einem Plädoyer für den Methodenpluralismus. Es wäre traurig, geradezu fatal, wenn Soziologen im Bestreben, ihre in deinen Augen &#8220;theoretische wie empirisch-statistische Schwäche&#8221; auszugleichen, das Denken jenseits der Variablen aufgäben, nur weil letztere schlagkräftiger in Schaubildern präsentiert werden können. Solange die Weltformel noch nicht gefunden ist, tun die Sozial- und Geisteswissenschaften gut daran, weiter dicht am heißen Brei zu diskutieren. Und eben weil der so heiß ist, kommen sie nicht ganz an ihn ran. Aber würdest du das Erbsenzählen in der lauwarmen Suppe vorziehen, nur weil du ein Rezept dafür hast?<br />
Wenn sich beispielsweise der Akt des Schenkens für unseren aktuellen sozialen Kontext wirtschaftstheoretisch ausdrücken lässt, ist das toll. Aber deshalb ist das Phänomen aus anthropologischer, ethnologischer, kulturhistorischer oder soziologischer Sicht eben noch lange nicht erschöpfend erklärt. Entsprechend gibt es, wie du weißt, durchaus soziologische Überlegungen sowohl zum Elfmeterschießen als auch zum Schenken und nicht zuletzt zu wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen wie Märkten oder Geld, in denen Ökonomen wertvolle Anregungen für die Ausarbeitung ihrer mathematischen Modelle finden können.<br />
Sind Buchanans und Volands Abgrenzungsversuche gegenüber der Vorstellung vom homo oeconomicus also nicht eher die Symptome von Interdisziplinarität und öffentlichkeitswirksamer Abgrenzung als Indikatoren für fehlende soziologische Diskussionsarenen? Ich möchte ja meinen, im Kreise der Sozialwissenschaften rennen &#8216;Sozialbiologie&#8217; und &#8216;Sozialphysik&#8217; schon offene Türen ein. Konstruktive Grüße, Nona</p>
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