Robert Mugabe – Vom Freiheitskämpfer zum Diktator
28 Jahre bestimmte er die Geschicke Simbabwes. Kaum ein Präsident Afrikas regierte länger sein Land als Robert Mugabe – und kaum einer zeigte eine größere Gewaltbereitschaft, um seine Macht zu bewahren. Von Julia Kreutziger
Obwohl der Oppositionschef Morgan Tsvangirai vom Movement for Democratic Change (MDC) die jüngsten Präsidentenwahlen in Simbabwe laut eigenen Auszählungen mit 50,3 Prozent gewonnen hat, muss er gegen Robert Mugabe (Foto rechts) bis zum 27. Juni zur Stichwahl antreten. Erst Wochen nach der Wahl vom 29. März verkündet der Langzeitpräsident das umstrittene amtliche Wahlergebnis. Die Oppositionspartei MDC hätte demnach nicht die erforderliche absolute Mehrheit erreicht, sondern nur 47,9 Prozent, während Mugabes Zimbabwe African National Union – Patriotic Front (ZANU-PF) 43,2 Prozent der Wählerstimmen zugesprochen wurden.
Robert Mugabe kann einfach nicht von ihr lassen: der Macht. Mit allen Mitteln und Kräften versucht er seit Jahren, der Herrscher Simbabwes zu bleiben. So muss sich der despotische und selbstverliebte Greis, der gerne Hemden mit seinem eigenen Abbild trägt, auch diesmal wieder den Vorwurf der massiven Wahlmanipulation gefallen lassen. Unbeeindruckt von harscher nationaler sowie internationaler Kritik lässt er das Militär auflaufen, stürmt das Parteiquartier der MDC, foltert Protestierende, besetzt Farmen der Weißen und fordert Tsvangirai schließlich zum neuerlichen Zweikampf heraus. Der hat gar keine andere Chance. Hätte der Oppositionspolitiker eine Beteiligung an der Stichwahl abgelehnt, wäre der 84-Jährige innerhalb weniger Stunden für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden.
Weitere fünf Jahre Mugabe bedeuten die Fortsetzung von Tyrannei und Zerstörung. Der Politiker hat es geschafft, dass Land innerhalb der letzten Jahrzehnte erst vom Kolonialismus zu befreien und dann seiner radikalen Führung zu unterwerfen. Wie konnte sich die einstige Lichtgestalt im Süden Afrikas zu einem gefürchteten Despoten entwickeln? Wie konnte sich der Politiker überhaupt so lange an der Macht halten?
Hoffnungsträger für das südliche Afrika
Als Robert Mugabe am 18. April 1980 zum Ministerpräsidenten Simbabwes gewählt wird, verspricht er den Bürgern nach dem zehnjährigen blutigen Befreiungskampf die Versöhnung von Schwarz und Weiß. Vor 1980 litt Simbabwe wie sein Nachbarland Südafrika Jahrzehnte lang unter der Apartheid. Viele simbabwische Politiker lebten im sambischen Exil oder wurden – wie Robert Mugabe – als revolutionäre Aktivisten inhaftiert. Mugabe verbrachte 13 Jahre im Gefängnis, weil er gegen die britische Kolonialherrschaft gekämpft hatte. Sowohl im Exil als auch in Haft erlangt Robert Mugabe akademische Abschlüsse in Wirtschaft und Jura.
Bei seinem Machtantritt gilt er national wie international als ein vielversprechender und respektierter Anführer der demokratischen Unabhängigkeitsbewegung. Er sichert den weißen Farmern eine Zukunft in Simbabwe zu und will nur das freistehende Land zur Bewirtschaftung an arme Schwarze verteilen. Schnell gelingt es ihm, die Lebensqualität der Simbabwer zu verbessern und eines der besten Gesundheits- und Bildungssysteme des Kontinents zu etablieren. Die Lebenserwartung steigt, die Rate der Säuglingssterblichkeit sowie die Analphabetenquote sinken. Ausländische Investoren kommen in das Land.
In der Alleinherrschaft eingerichtet
Doch schon wenige Jahre nach seinem Machtantritt ist vom sozialdemokratischen Aufwind nichts mehr zu spüren. Nachdem er 1987 zum Präsidenten gewählt wird, verbiegt er die Verfassung so lange, bis er als uneingeschränkter Staatschef agieren kann. Er schafft den Posten des Ministerpräsidenten ab, etabliert die ZANU-PF zur alleinherrschenden Instanz in Simbabwe und unterstellt die Armee seinem direkten Befehl. Damit läutet er seinen jahrzehntelang anhaltenden autokratischen Führungsstil ein – ein Führungsstil, der von Korruption, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen geprägt ist und im Jahr 2000 seinen brutalen Höhepunkt erreicht.
Da haben die Bürger Mugabe seine Tyrannei in Rechnung gestellt: Ein Referendum, mit dem der Präsident seine Machtstellung ausbauen will, lehnt ein Großteil der Bevölkerung entschieden ab. Wie ein Besessener geht er seitdem noch härter gegen jene vor, die sich seinem Machtanspruch in den Weg stellen. Betroffen sind Homosexuelle, die er für die Verbreitung von HIV verantwortlich macht, Journalisten und Richter, denen er die Lizenz entzieht und sie einsperrt, und vor allem Weiße, denen er auch wieder in diesem Wahlkampf ihre Ländereien weggenommen hat. Letzteres nennt Mugabe Landreform. 4000 Farmer hatte er damals vertreiben lassen, die für ihn „Staatsfeinde“ und „ewige Kolonialisten“ sind. Das Land hat er an Parteiangehörige verteilt, um das Unrecht der Apartheid wieder gut zu machen.
Der Mann, der 1980 noch forderte „Lassen wir die Vergangenheit hinter uns!“, ist laut der Mugabe-Biografin Heidi Holland von Rachegefühlen geprägt, die sein „zerstörerisches Verhalten“ erklären würden. So sind die jüngsten Bilder der Ausschreitungen in Simbabwe nicht neu. Innerhalb der Weltöffentlichkeit ist Mugabe isoliert. 2003 wird Simbabwe aus dem Commonwealth of Nations ausgeschlossen. Mugabe erhält für die EU ein Einreiseverbot. Die USA verhängen ein Wirtschaftsembargo.
Eskalationspotential auf beiden Seiten
Mugabes despotischer Führungsstil geht seit Jahren mit der schlechten ökonomischen Lage des Landes einher. Während einerseits immer mehr Simbabwer einen Schulabschluss machen, gelingt es der Regierung andererseits nicht, das Land wirtschaftlich zu stabilisieren. Motivierte junge Menschen landen auf der Straße und wenden sich enttäuscht von ihrem Präsidenten ab. Rund drei Millionen Simbabwer haben das Land verlassen. Vier von fünf Simbabwern sind arbeitslos. Ein Drittel der Bevölkerung ist auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Die Lebenserwartung hat mit 36 Jahren einen Tiefpunkt erreicht. Als eine der Hauptursachen gilt der AIDS-Virus. Mit 165 000 Prozent hat Simbabwe die höchste Inflationsrate der Welt. Die traurige Statistik ließe sich endlos weiterführen.
Robert Mugabe hat die Kolonialherrschaft in den vergangenen 28 Jahren durch eine grausame Diktatur ausgetauscht. Vor seinen hoch gelobten anfänglichen Erfolgen ist nichts übrig geblieben. Ob die Stichwahl die Wende in Simbabwe bringt, bleibt angesichts des Mannes, der von der Macht und der Vergangenheit nicht lassen kann, höchst fraglich.
Lesen Sie in Kürze bei /e-politik.de/ einen weiteren Artikel aus unserer Serie über Staats- und Regierungschefs.
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Ich habe erst heute die im Mai begonnene Reihe (und Debatte) über Staats- und Regierungschefs auf e-politik entdeckt und mit Interesse die Artikel zu Sarkozy und Mugabe gelesen. Höchst erhellend sind die Fakten gerade zu Staatschefs und deren Ländern, die nicht wie Frankreich direkt in unserem Blickfeld liegen. Jedoch hätte ich mir gerade im Fall Mugabe neben den – sicherlich erschütternden – Fakten zum Status quo eine breiter angelegte Analyse gewünscht:
- Wie verhält sich die Entwicklung des Landes und seines politischen Systems zu vergleichbaren Staaten?
- Gibt es weniger dramatisch verlaufendere Wege in einen fortschreitenden Despotismus (z.B. Cuba?)?
- Was sagt die Forschung zu politischen Themen dazu, dass trotz verbesserter Rahmenbedingungen (z.B. Bildung) die Bevölkerung offenbar in der Diktatur gefesselt ist?
Nicht zuletzt wäre vielleicht ein Seitenhieb angebracht gewesen auf Personen, bei denen Alter nicht weise macht, sondern engstirnig, machtbesessen und gefährlich.
Insgesamt trotzdem sehr gute Serie! Weiter so!