Nicolas schreibt dem Weihnachtsmann

07. Dez 2008 | von Petra Sorge | Kategorie: Internationale Politik
Freut sich schon auf die Geschenke: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.

Was wünschen sich die Mächtigen dieser Welt zum Fest? Einen Atlas, einen ausgeglichenen Haushalt oder doch den Weltfrieden? /e-politik.de/ rätselt mit und wirft einen Blick in ihre möglichen Wunschzettel – dieses Mal in den von Nicolas Sarkozy. Von Petra Sorge

Lieber Weihnachtsmann, cher Papa Noël,

das ist seit langem das erste Jahr, in dem ich mich wieder auf die Weihnachtstage freue. Kein Familienstress mehr, kein Ehekrach – stattdessen Austern und kuschelige Kamin-Songs von meiner lieben Carla. Ach, mir wird schon ganz warm ums Herz, wenn ich an diese langbeinige Schönheit an meiner Seite denke. Ich danke dir, lieber Weihnachtsmann, dass du meine Wünsche vom letzten Jahr erhört hast und es für mich endlich wieder ein „Fest der Liebe“ sein wird. Oh, l’amour!

Ein paar Wünsche hätte ich aber auch in diesem Jahr

Du weißt, dass ich ein braver Junge war und bitte dich deshalb, sie mir zu erfüllen. Da wären diese Boulevardblätter, die sich über meine privaten Angelegenheiten auslassen. Oder mich wegen meiner Körpergröße mit dem Kinderbuch-Lausbub „Le petit Nicolas“ vergleichen. Dabei sind doch die wirklich wahren Staatsmänner immer klein gewesen: Napoléon, mein lieber Wladimir Putin, ja selbst Gerhard Schröder hat sich bei Reden auf ein Podest gestellt. Na, denen werd ich’s zeigen: Richtig entrümpeln will ich die Medien in Frankreich, die ja außer Promi-Jagd und rotem Gequatsche nicht viel hermachen. „Paris Match“ ging da mit der Retuschierung meiner Bauchspeckrolle letzten Sommer schon in die richtige Richtung… muss mir mal Rat bei meinem Freund Silvio holen.

A propos rotes Gequatsche: Toll, wie sich die Sozialisten gerade zerfleischen. Ségolène Royal und Martine Aubry im Zickenkrieg! Ich hab so schön versucht, die Banken zu verstaatlichen – das hätte kein Sozialist besser geschafft. Und jetzt schwenken sie mit der 35-Stunden-Kämpferin Aubry an der Spitze noch weiter nach links. Ach, leg doch dem Olivier Besancenot was unter den Weihnachtsbaum, dieser Briefträger wird mit seinen Trotzkisten die Parti Socialiste bestimmt so richtig aufmischen – und dann stehen die so da wie die SPD in Deutschland. Hehe. Die nächste Wahl hab ich mit meiner UMP schon in Sack und Tüten. Natürlich würde ich dir deinen Sack nicht streitig machen, lieber Weihnachtsmann!

Wusstest du, dass eine Voodoo-Puppe von mir im Umlauf ist?

Leg doch den Herren Richter des Pariser Berufungsgerichts eine Rute mit ganz spitzen Tannennadeln auf ihre hohen Stühle. Dann werden sie mal sehen, wie das ist, gepiekst zu werden. Ich bin empört, wie sie den Verkauf meiner Voodoo-Puppe als „Meinungsfreiheit“ und „Humor“ durchgehen lassen. Jetzt soll der Hersteller einen Hinweis auf die Packung drucken, dass ein Nadelstich in mein Ebenbild „ein Angriff auf die persönliche Würde“ wäre. Als ob das weniger beleidigend wäre, pah! Vielleicht klopf ich mal in Luxemburg an – der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte war ja auch zu Caroline von Monaco so freundlich.

Bei der Gelegenheit kannst du auch noch dieser Angela eine Rute schicken – warum sie einen deiner Engel („Ange“) in ihrem Namen hat, ist mir völlig unklar. Handküsse, Gänseleber und Bordeaux: Alles hab ich versucht, um sie auf dem deutsch-französischen Gipfel auf mein EU-Rettungspaket einzustimmen. Aber nein. Keinen Cent will sie für die europäische Wirtschaft ausgeben. Typisch deutscher Geizhals. Dafür hab ich sie jetzt auch nicht gefragt, ob sie bei dem Konjunktur-Treffen mit meinem Kollegen Gordon Brown und dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso in London dabei sein will. Ätsch!

Der Bankencrash raubt mir den letzten Schlaf

Er soll es für Sarkozy richten: Der Weihnachtsmann

Dabei ist die Finanzkrise für mich wirklich ein Segen – endlich kann sich der Staatsmann, der in mir schlummert, entfalten: ICH habe die Banken so richtig am Schlafittchen gegriffen, ICH habe als EU-Ratspräsident das Krisentreffen einberufen, und ICH habe die Finanztölpel in Brüssel mit ihren blauen Briefen ausgetrickst. Mit einem Haushaltsdefizit von vier Prozent des Bruttoinlandproduktes breche ich den EU-Stabilitätspakt und werde trotzdem überall wie ein Held gefeiert: Denn ICH mache 26 fette Millionen für die Autoindustrie und die Bauwirtschaft locker. Bitte, lieber Weihnachtsmann, mach, dass die Finanzspritze wirkt und die Leute wieder kaufen und bauen und arbeiten und Kinder kriegen!

Du wirst sehen, ich werde in die Fußstapfen des größten aller Franzosen, Charles de Gaulle, treten. Damals, als die USA sich wegen des Vietnam-Kriegs verschuldeten, als sie die Geldpresse anschmissen, um Dollars, Dollars, Dollars zu drucken, und die Geldscheine wie ein Krebsgeschwür in aller Welt verstreuten, da ging de Gaulle zu Fort Knox und wollte alle Dollar-Reserven der französischen Staatsbank in Gold umtauschen. Konnten sie natürlich nicht. Und RUMS! Das Bretton-Woods-System krachte zusammen. Wie sich die Geschichte wiederholt: Gelernt haben die Américains nix – dafür wird die Grande Nation ihrer historischen Verantwortung folgen, der Welt die Augen zu öffnen. Und ICH bin der Einäugige unter den Blinden. Ganz im Gegensatz zu diesem roten François Mitterrand: Er verachtete Wirtschafts-Angelegenheiten, ernannte einen intellektuellen Kulturliebhaber zum Wirtschaftsminister und sauste glatt in eine Rezession.

Und dann dieser neue Obama

Wie soll ich mit dem nur umgehen? Hoffentlich verzeiht der mir den „Barak“-Schreibfehler in meinem Glückwunschbrief. Da will man einmal handschriftlich gratulieren… Aber diese Palin war ja noch dusseliger: Hat sie nicht tatsächlich geglaubt, ich rufe sie persönlich an und lade sie zu einer Seehundjagd ein! Dabei war es nur ein kanadischer Radiomoderator. Diese Québecois sind echt französischer als wir Franzosen!

Ich wünsche mir, lieber Weihnachtsmann, dass Obama nicht wieder französische Truppen in Afghanistan verlangt, der macht da so Anstalten… Besser wäre es, wenn er die Finger von diesem Raketenschild in Osteuropa lässt. Schließlich haben wir schon genug Polen und Tschechen im Land. Und mit Putin will ich’s mir auch nicht verderben. Wär doch toll, wenn der sich erkenntlich zeigt, weil ich Obama das Abwehrsystem ausgeredet habe. Dank meiner Atomwaffen kann ich mich ja auf Augenhöhe mit denen unterhalten. Und mein letzter Wunsch: Hilf den Deutschen, alle Atomkraftwerke auszuschalten. Dann können wir noch mehr Geld mit dem Export von sauberem französischen Strom aus sicheren französischen AKW verdienen.

Dein Nicolas


Die Bildrechte liegen bei Franck Prevel/flickr.com (Sarkozy) bzw. Rusher2k/flickr.com (Weihnachtsmann) und sind als Creative Commons lizenziert.


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