Ingenieure fahren Taxi
Deutschland vergreist, die Sozialkassen sind leer, die Wirtschaft schreit nach Fachkräften. Gleichzeitig sind viele gut ausgebildete Spätaussiedler arbeitslos. Warum behandeln wir diese Immigranten so schlecht? Ein Kommentar von Daniel Erlemeier
Deutschland wird alt. 2020 werden auf jeden Rentner nur noch zwei Arbeitnehmer kommen, die für seine Rente arbeiten. Und wenn Deutschlands Wirtschaft mal brummt, fehlt es an Fachkräften, weil immer mehr junge Menschen „das Falsche“ studieren. Germanistik, Politik- oder Theaterwissenschaft. Am Arbeitsmarkt vorbei, so nennt man das.
Nicht am Arbeitsmarkt vorbei studiert haben viele Spätaussiedler. Ingenieur, Mechaniker und andere technische Berufe haben sie gelernt. Genau daran mangelt es der deutschen Wirtschaft. Und doch: Viele dieser gut ausgebildeten Spätaussiedler sind arbeitslos. Sie quälen sich von einer Qualifikationsmaßnahme zur nächsten. Überfordert mit der deutschen Bürokratie hilft man sich schnell gegenseitig. Parallelgesellschaften bilden sich. Die Wohnungszuweisungspolitik und mangelnde Sprachkenntnisse tun ihr Übriges. Integration? Fehlanzeige. Gut ausgebildete Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen als wieder zu arbeiten, leben von staatlicher Unterstützung.
Deutschland, Land der Greise
Währenddessen vergreist Deutschland. Nicht nur vormittags im Einkaufszentrum wird deutlich: Der Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung steigt. Adenauer hat sich geirrt. „Kinder kriegen die Leute immer“, meinte der. Falsch! Zwar stieg die Geburtenzahl in den letzten Jahren leicht an. Von durchschnittlich zwei Kindern pro Frau bleibt Deutschland aber weit entfernt. So viele wären nötig, um die aktuellen Bevölkerungszahlen zu erhalten. Doch selbst, wenn die Deutschen ab sofort wieder mehr Kinder bekämen: Die niedrigen Geburtenraten der letzten 30 Jahre machen sich bald bemerkbar. Verlassen die geburtenstarken Jahrgänge den Arbeitsmarkt, gibt es nicht genug Nachwuchs diese zu ersetzen.
Kurzfristig lässt sich dieser Engpass nur durch Zuwanderung lösen. Mindestens so wichtig wie Zuwanderung ist aber auch die Integration der Migranten. Bereits in Deutschland lebende Ausländer sind überdurchschnittlich hoch von Arbeitslosigkeit betroffen. Ein arbeitsloser Zuwanderer kann Deutschlands Probleme nicht lösen – mag er noch so jung und kinderreich sein.
“Russensiedlung” statt Rettung der Sozialkassen
Doch Integration von Ausländern funktioniert in Deutschland nicht. Ein Beispiel sind die Spätaussiedler. Sie sind nicht einmal Ausländer, sondern offiziell Deutsche. Nach dem Ende der Sowjetunion kehrten sie zu den Wurzeln ihrer Väter zurück. Im Durchschnitt jung und gut ausgebildet, kinderreich. Deutschland sollte sich innig über sie freuen, über diejenigen, die bereit sind in ein marodes Sozialsystem einzuzahlen und unsere Sozialkassen zu füllen. Sie könnten in den Generationenvertrag eintreten, der für junge Menschen so nachteilig ist. Stattdessen sitzen sie in „Russensiedlungen“, werden von ihren Nachbarn skeptisch beäugt und fühlen sich ausgegrenzt. Gut ausgebildete Fachkräfte arbeiten unterqualifiziert oder sind gar arbeitslos. Angeblich so dringend benötigte Ingenieure fahren Taxi, Ärztinnen schreiben dutzende Bewerbungen, gut ausgebildete Pädagogen leben auch nach Jahren noch von staatlicher Unterstützung.
Es gelingt also nicht einmal Familien zu reintegrieren, die nur einige Generationen im Ausland lebten. Wie sollen dann erst „echte“ Ausländer integriert werden, die diesen Bezug zu Deutschland nicht haben? So wird Deutschland sein Demografieproblem nicht lösen.
Die Bildrechte sind gemeinfrei.
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Sehr geehrte damen und herren,
das im Artikel angesprochene Klientel kann sich sofort bei uns melden, da Abhilfe in Aussicht ” Vom Taxifahrer zum qualifizierten Ansprechpartner
ich danke dem Autor für die klare Stellung seines Atrikels. Es ist eine bittere Wahrheit, leben ohne Job und von der Stadt abhängig sein. Wie lange sollte es noch dauern? Meine anerkannte Fachhoschulreife, abgeschlossene Berufsausbildung (IHK), berufliche Erfahrung bringt nicht weiter, d.h. Warten ohne Zukunftserwarterung. Fürth