“Ich bin hoffnungsvoll”

06. Mrz 2008 | von Alexander Christoph | Kategorie: Politisches Feuilleton

Der isralisch-palästinensische Konflikt scheint kein Ende zu nehmen. Das zeigt sich in diesen Tagen wieder einmal nur zu deutlich. Der ehemalige israelische Botschafter und Buchautor Yissakhar Ben-Yaacov gibt die Hoffnung nicht auf und glaubt weiterhin an den Frieden. Auch wenn es bis dahin noch ein langer Weg ist. Ein Interview von Alexander Christoph

Portrait_Ben_yaacov.jpg/e-politik.de/: Herr Ben-Yaacov, in Ihrer Autobiographie blicken Sie auf eine sehr ereignisreiche Zeit zurück. Dabei schildern Sie immer wieder Situationen, in denen sich das schwierige Verhältnis der arabischen beziehungsweise muslimischen Staaten zu Israel aufzeigt. Ich erinnere hier nur an Ihre Botschafterzeit in Lagos. Glauben Sie, dass sich die Zeiten mittlerweile geändert haben und die arabischen Staaten und Israel unbefangener aufeinander zugehen?

Ben-Yaacov: Es ist eine lange Zeit verstrichen seit meiner Botschafterzeit Mitte der achtziger Jahre. Und es hat sich einiges zum Positiven verändert. Inzwischen haben wir eine Reihe von Friedensverträgen mit unseren Nachbarstaaten geschlossen, mit Ägypten und Jordanien. Und der Umgang miteinander ist viel offener als damals.

Ich bin überzeugt: Früher oder später wird es zu einer Normalisierung der Beziehungen führen. Was natürlich im Mittelpunkt des Geschehens steht, ist der palästinensisch-israelische Konflikt. Hier glaube ich sind wir auf dem richtigen Weg. Auf dem Weg der Verhandlungen, der gezeichnet werden muss von beiderseitiger Vernunft. Und da blicke ich optimistisch in die Zukunft.

/e-politik.de/: Sie haben sich im Laufe Ihres Lebens immer wieder für die Aus- und Versöhnung zwischen den Völkern stark gemacht. Wie bewerten Sie die derzeitigen Versuche, endlich einen tragfähigen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis auszuhandeln? Wie stehen die Chancen?

Ben-Yaacov: Wir müssen in diesem Zusammenhang im Prinzip eins verstehen: Die verschiedenen Konflikte auf der Welt – wir sind nicht die einzigen, die von so etwas betroffen sind – spielen sich vor dem Hintergrund der großen Weltpolitik ab. Deshalb glaube ich, für den Fall, dass heute Israelis und Palästinenser zu einer Einigung kommen würden, kann diese Einigung nur dauerhaft sein, wenn sie auf der großen Linie der internationalen Politik zustande kommt. Damit meine ich vor allen Dingen eine Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Russland, eventuell auch China – so schwierig das sein mag. Erst dann gibt es gute Aussichten, dass eine Verständigung zwischen den Israelis und Palästinensern von Bestand gesegnet sein wird.

/e-politik.de/: Wo sehen Sie demnach Handlungsbedarf? Was müsste die israelische und was die palästinensische Seite anders machen, um langfristig Frieden und Stabilität in der Region gewährleisten zu können?

Ben-Yaacov: Wir sehen ja bereits heute, dass auf gewissen Gebieten die Verständigung zwischen beiden Seiten immer größer wird. Wir haben den Gazastreifen verlassen, die israelischen Siedlungen abgebaut und das Militär abgezogen. Trotzdem hat eine radikale Minderheit für Unruhe gesorgt. Denn israelische Siedlungen werden vom Gazastreifen aus mit Raketen beschossen.

Die Mehrheit will aber Frieden. Sie will vor allen Dingen eine vernünftige wirtschaftliche Existenz. Und Israel ist entschlossen, das auch zu ermöglichen. Aber solange der Raketenbeschuss anhält, wird das schwierig werden. Das muss die Welt verstehen und wir haben den Eindruck, es wird auch verstanden.

/e-politik.de/: Nach Ihrem letzten Botschafterposten in Australien haben Sie sich nicht wie viele auf das Altenteil zurückgezogen, sondern beteiligen sich weiterhin am gesellschaftlichen und politischen Leben. Als Politischer Sonderberater der Jerusalem Foundation stehen Sie für das Modell einer offenen, modernen und pluralistischen Gesellschaft in der Hauptstadt Jerusalem. Wie trägt die Jerusalem Foundation zum israelisch-palästinensischen Dialog bei?

Ben-Yaacov: Durch eine Vielzahl an Projekten konnten und können wir tatsächlich beweisen, dass unsere Arbeit, die im Interesse und zum Wohl aller Bewohner Jerusalems ist, akzeptiert wird. Freilich muss man den Menschen, die in Jerusalem leben – sowohl Juden als auch Arabern – vernünftige Ideen vorstellen und diese anschließend umsichtig realisieren.

Was wir im relativ beschaulichen Jerusalem machen, kann ebenso in den Beziehungen zwischen dem Staat Israel und einem zukünftigen palästinensischen Staat entstehen. Dazu bedarf es jedoch beiderseitiger Vernunft.

/e-politik.de/:Welche Projekte der Jerusalem Foundation sind besonders erfolgreich?

Ben-Yaacov: Noch zu Zeiten von Teddy Kollek wurde beschlossen, in einem dicht bewohnten arabischen Stadtteil eine Tagesklinik zu eröffnen, weil dort überhaupt kein vernünftiges ärztliches Betreuungsangebot existierte. Diese Klinik leistet tagtäglich hervorragende Arbeit und hilft nun bereits seit ungefähr 35 Jahren arabischen Männern, Frauen und Kindern. Und so etwas wird geschätzt. Das hat Wirkung. Und sogar Juden, die von der Qualität der Einrichtung überzeugt sind, lassen sich dort behandeln.

Ein anderes Beispiel: Wir haben kürzlich in einem jüdischen Stadtteil Jerusalems eine jüdisch-arabische Schule eröffnet. Dort lernen jüdische und arabische Kinder gemeinsam die Sprache des jeweils anderen. Auf diese Art und Weise kommt man sich näher. Das sind kleine Dinge, die aber das Schicksal, das Zusammenleben der Menschen stark beeinflussen können.

/e-politik.de/: Und wie sieht es mit der Akzeptanz in der Bevölkerung aus?

Ben-Yaacov: Die Schule genießt heute das Vertrauen von ungefähr 600 Familien, die ihre Kinder dort hinschicken. Jedoch gibt es auch Teile in der Bevölkerung, die nicht so begeistert von der Sache sind. Das muss man akzeptieren. Aber die Mehrheit heißt dieses Projekt willkommen und unterstützt es. Und nebenbei bemerkt, die Schule genießt die Unterstützung nicht nur seitens der Stadt und des Staates, sondern auch unserer Freunde im Ausland, in Deutschland, in Österreich und anderen Ländern. Das muss geschätzt und anerkannt werden.

/e-politik.de/: Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis Israelis und Palästinenser zu einer toleranten, konstruktiven Koexistenz finden?

Ben-Yaacov: Ein jüdisches Sprichwort besagt, dass die Prophetie den Dummen gegeben ist. Ein solcher möchte ich natürlich nicht sein. Ich glaube nichtsdestotrotz an die Möglichkeit des Friedens. Warum? Weil die Menschen leben wollen. Und wie gesagt: Die Vernunft muss bei allen daran beteiligten Seiten zum Zuge kommen. Nicht nur in unserer Region, sondern vor allen Dingen auf internationaler Ebene. Ich bin hoffnungsvoll, dass wir eines Tages in Frieden miteinander leben.

/e-politik.de/: Herr Ben-Yaacov, wir bedanken uns für dieses Gespräch.


Die Bildrechte liegen beim Verlag Hoffman + Campe. Der Verlag im Internet


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