Klimawandel in Karten und Fakten

20. Okt 2008 | von Daniel Hönow | Kategorie: Politisches Buch

Die Jahre, in denen die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Problem des Klimawandels entweder durch alarmierende Katastrophenwarnungen von Umweltaktivisten oder aber durch ignorante Äußerungen interessengeleiteter Skeptiker bestimmt wurde, sind vorbei. Der Weltatlas des Klimawandels bietet Interessierten eine aktuelle und seriöse Quelle zur unideologischen Auseinandersetzung mit der Thematik. Von Daniel Hönow

Spätestens seit dem G8-Gipfel in Heiligendamm scheinen die Gefahren, die sich aus der Veränderung des globalen Klimas ergeben, allen relevanten Akteuren unmissverständlich klar zu sein. Es bestehen nicht zu widerlegende Wirkungszusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und den bereits heute beobachtbaren klimatischen Veränderungen.

Ein Beispiel dafür ist der Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und weltweitem Temperaturanstieg (siehe Grafik links unten). Der Mensch ist momentan dabei, seinen Lebensraum umfassend und dauerhaft zu verändern, indem er mit noch nie dagewesenen technischen Kapazitäten das globale, natürliche System massiv beeinflusst. Das daraus resultierende Problem der Klimaveränderung ist ebenso vielschichtig wie kompliziert und in der Vielzahl seiner Auswirkungen schwer zu überblicken.

Unbequeme Wahrheiten: Klimawandel in der populären Wissenschaft

In den vergangenen Jahren bemühte man sich deshalb, auch angesichts der Dringlichkeit des Problems, um eine allgemeinverständliche Aufbereitung. Es entstanden preisgekrönte Dokumentationen wie Al Gores „Inconvenient Truth“ oder die „Planet Earth”-Reihe der BBC. Der Weltatlas des Klimawandels kann als Fortsetzung und Vertiefung dieser Publikationsserie betrachtet werden. Den Autoren Kristin Dow und Thomas E. Downing ist es gelungen, den komplexen wissenschaftlichen Sachverhalt sehr anschaulich und dabei ebenso allgemeinverständlich darzustellen, ohne dabei auch nur im Geringsten populärwissenschaftlich daherzukommen. Sie beschäftigen sich seit Jahren mit den Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Menschen und ihre Lebensgrundlagen. Der Atlas ist ebenso Ausdruck ihres umfassenden Fachwissens wie Beleg ihrer Erfahrung im Umgang mit der Vermittlung des Problems.

Übersichtliche Argumentation mit neuesten Forschungsergebnissen

Der Aufbau des Atlas ist schlüssig, seine Gestaltung bemerkenswert. Die verschiedenen Problemkomplexe der Klimaveränderung werden unabhängig voneinander erklärt und dargestellt. Trotzdem geht der Gesamtzusammenhang des Problems nie verloren. Die segmentierte Betrachtung der verschiedenen Problemfelder trägt zur Übersichtlichkeit des Atlas bei. Der Klimawandel, wie er sich der heutigen Generation darstellt, erklärt sich in der systematischen Abfolge der erläuterten Probleme gewissermaßen von selbst. Ausgehend von den beobachtbaren Warnzeichen der Natur wie polaren Veränderungen, Gletscherrückgang und Temperaturextremen werden die Ursachen des Klimawandels (Emissionsentwicklungen, Treibhauseffekt) und schließlich deren Auswirkungen dargestellt.

Karten, Fakten und Schlussfolgerungen basieren auf den neuesten, verbesserten Forschungsmodellen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change o.a. Weltklimarates). Diese neuen Ansätze brachten in den vergangenen Monaten einen immensen Zuwachs an Forschungsergebnissen, die es den Wissenschaftlern ermöglichten, erstmalig sehr konkrete regionale Auswirkungen des Klimawandels zu prognostizieren. Auch diese Ergebnisse mit sehr regionalem Bezug finden sich in den Karten wieder.

Regionale Horrorszenarien

Scheinbar radikal wirkende Darstellungen der Auswirkungen des Klimawandels wurden in der Vergangenheit nicht selten mit dem Vorwurf des Populismus und der Panikmache konfrontiert. Doch gerade mit Blick auf die regionalen Folgen der Klimaveränderung scheinen diese Horrorszenarien bittere Realität werden zu können. Die Vorhersagen der Forscher bewahrheiten sich. Das Schmelzen der polaren Eiskappen, das Auftauen der nördlichen Permafrostböden und der Rückgang von Gletschern passen zu den erwarteten – besonders starken – Auswirkungen auf die Polarregionen.

Die Bewohner Alaskas sind in den vergangenen Jahren Zeugen einer Erwärmung um bis zu 4 °C geworden. Gebäude versinken, da der Boden, auf dem sie stehen, zum ersten Mal seit Menschengedenken im Tauen begriffen ist. Das häufige Auftreten von Dürren und Hitzewellen deckt sich mit der Voraussage einer Veränderung der durchschnittlichen Temperaturvariabilität. Extremere Wetterlagen scheinen mehr und mehr zur Regel zu werden, während überall auf der Welt Vögel, Schmetterlinge und andere Spezies ihre Aktionsradien in Reaktion auf die klimatischen Signale verändern. Die Anzeichen für den Klimawandel sind weltweit nur allzu deutlich und der Zusammenhang zwischen ungewöhnlichem Wetter und Klimawandel wird mehr als offensichtlich.

Klimaschutz braucht mutiges Handeln

Die Autoren vertreten den Standpunkt, dass man in der Politik lange genug wisse, dass entschlossenes Handeln notwendig sei und dass weitere Verzögerungen zu immer schwerwiegenderen Folgen führen würden. Eine wirkungsvolle Klimapolitik sei zwingenderweise mit spürbaren Veränderungen im Lebensalltag der Menschen verbunden. Klimaschutz sei die dezidierte Aufgabe der Umweltpolitik. Es gehöre jedoch ebenso dazu, wirtschaftlichen Aufschwung gerecht zu gestalten und faire Rahmenbedingungen für den Welthandel zu vereinbaren. Denn letztlich könne man nur durch die wirksame Bekämpfung der Armut, verbunden mit der Umsetzung der sogenannten Millenniumsziele bis 2015, wirksame Klimaschutzpolitik betreiben.

Der Weltatlas des Klimawandels beschreibt in überaus anschaulicher und verständlicher Weise eines der dringlichsten Probleme unserer Zeit. Der Atlas bietet wichtige Hintergrundinformationen, um zu einer unabhängigen Einschätzung der Probleme zu gelangen und um das Handeln von Regierungen und internationalen Organisationen realistisch bewerten zu können. Nur mit der Unterstützung einer gut informierten Öffentlichkeit, die die Notwendigkeit mutiger politischer Entscheidungen versteht und akzeptiert, ist es möglich, die erforderlichen Kurskorrekturen in der politischen Agenda durchzuführen. Das bessere Verständnis des Problems in seiner ganzen Vielschichtigkeit wird unserer Gesellschaft dabei helfen, den Gefahren des Klimawandels energisch zu begegnen.

Kirsten Dow, Thomas E. Downing,
Weltatlas des Klimawandels. Karten und Fakten zur globalen Erwärmung,
(2007), Europäische Verlagsanstalt Dr. Götze Land und Karte, Hamburg
112 Seiten, ISBN: 978-3-434-50606-5, 19,90 Euro


Die Bildrechte liegen bei der Europäischen Verlagsanstalt/Myriad Editions Ltd.


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3 Kommentare
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  1. Folgende Bemerkungen zu den Berichten waren sogar schon in deutschen Medien zu lesen (Auswahl):

    Es werden häufig Wetterextreme wie starke Stürme auf den Klimawandel zurückgefürt. Ein österreichisches Forschungsinstitut hat bei der Untersuchung von Stürmen in Europa in den letzten 130 Jahren herausgefunden, dass der Klimawandel keinerlei Einfluss hat. Vielmehr sind die Stürme gleich geblieben. Die unterschiedlichen Sturmstärken unterliegen einer natürlichen Varianz. (Quelle: 3sat)

    Es werden häufig Wetterextreme wie starke Stürme auf den Klimawandel zurückgefürt. Ein amerikanisches Forschungsinstitut hat herausgefunden, dass Tornados und Hurricanes zwar in der Intensität zugenommen haben, aber dass dies auch früher schon der Fall war. Tornados und Hurricanes folgen in ihrer Intensität einer Sinuskurve mit einer länge von 20 Jahren. (Quelle: n-tv)

    Das vom Menschen verursachte CO2 wird als ursächlich für den Klimawandel angesehen. Weltweite Eiskernbohrungen haben jedoch ergeben, dass die CO2-Konzentration in der Luft der Durchschnittstemperatur folgt – in einem Abstand von 800 Jahren. (Quelle: N24)

    In Deutschland wird der Film von Al Gore “Eine unbequeme Wahrheit” in Schulen als Lehrmaterial verwendet. In Großbritannien wurden diesem Film neun Fehler nachgewiesen. Eine Klage vor dem High Court in London hat dazu geführt, dass der Film in Schulklassen nicht mehr vorgeführt werden darf bzw. auf alle Fehler in diesem Film hingewiesen werden muss. (Quelle: ARD)

    Es wird im IPCC-Bericht behauptet, es hätte noch nie eine so hohe CO2-Konzentration in der Luft gegeben wie heute. Ein Forscherteam – mit u.a. einem Nobelpreisträger – hat jedoch ermittelt, dass es bereits vier Mal eine höhere CO2-Konzentration gab als heute. Vor der Industrialisierung. (Quelle: ARD)

    Der IPCC-Bericht basiert angeblich auf den Forschungsergebnissen von 2500 Klimaforschern. 60% sind allerdings Bürokraten, weitere 30% sind sich in den Ergebnissen nicht einig. Einige Klimaforscher werden sogar aufgeführt, obwohl sie nie mitgearbeitet haben. Die Selektion und Zusammenführung der Ergebnisse liegt jedoch nur in einer Hand voll Personen. Anschließend wird der Bericht als Konsens zwischen allen Klimaforschern dargestellt. (Quelle: ARD)

    Der IPCC-Bericht beschreibt die Erwärmung der Polkappe am Nordpol. In einer Fußnote – die in den Medien kaum diskutiert wird – wird jedoch auch beschrieben, dass sich das Klima in der Antarktis, wo 90% der weltweiten Eismassen liegen, nicht erwärmt. (Quelle: N24)

    Klimaforscher, welche den Ergebnissen des IPCC-Berichtes widersprechen, erhalten vor dem Weltklimarat kein Rederecht. Sie werden von ihren universitären Lehrstühlen enthoben und erhalten sogar Morddrohungen – sie werden also mundtot gemacht. Folglich wird der IPCC-Bericht so dargestellt, als wären sich alle Klimaforscher einig. (Quelle: N24)

    Das Abschmelzen der Gletscher legt Fundamente von Gebäuden und Bergwerke frei, die ca. 700 Jahre alt sind. Es muss also der Gletscher schon vorher kleiner gewesen sein. Ebenso wurde im Mittelalter in England Wein angebaut. Grönland war zu Zeiten der Wikinger auch eisfrei. Der Name “Grönland” stammt vom “grünen Land”. (Institut für Geschichte, Universität Würzburg)

  2. Die Leugnung des Zusammenhangs zwischen dem Klimawandel und Industrialisierung bzw. der Einwirkung des Menschen hat nach wie vor viele Anhänger. Es gibt mit Blick auf das Thema eine ganze Reihe von Wirkungszusammenhängen, die wissenschaftlich nicht abschließend bewiesen werden können. Du solidarisierst Dich in Deinem Beitrag mit denjenigen, die diese Argumentationsschwachstellen nutzen, um letztlich klimaschädliches Handeln zu legitimieren.

  3. Hallo,

    es soll eine unideologische Auseinandersetzung sein, aber gleich sind die Skeptiker interessengeleitet. Das fängt also schon mit einem Widerspruch an.
    Die Grafik zeigt, dass CO2 dem Temperaturanstieg folgt und nicht die Ursache für den Temperaturanstieg sein kann. So ist das auch physikalisch richtig, erzählt wird aber genau das Gegenteil.
    Den CO2 Gläubigen möchte ich folgenden Vortrag ans Herz legen:
    http://download.dimagb.de/docs/gerlich/Gerlich%20Prag%20Vortrag%20071115.pdf

    Der ganze Schwindel droht aufzufliegen, weil das Klima seit 1998 nicht wärmer wird, obwohl dauernd von einer beschleunigten Erwärmung gesprochen wird.

    Die Mehrzahl der Wissenschaftler lehnt die These vom menschengemachten Klimawandel übrigens ab. Diese und andere Tatsachen werden in dem weder aktuellen noch seriösen Werk verschwiegen.

    Karl Nall

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