Comeback der Diplomatie

06. Apr 2008 | von Andreas Morgenstern | Kategorie: Politisches Buch

Cover_Albright.jpgWer auch immer als nächster US-Präsident gewählt werden wird, er oder sie wird vom ersten Tag an vor großen außenpolitischen Herausforderungen stehen. Madeleine Albright zeigt nun Mittel und Wege auf, wie die Vereinigten Staaten wieder zu einer verlässlichen Diplomatie zurückkehren können. Von Andreas Morgenstern

Noch wissen wir nicht, wer im nächsten Januar als 44. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus einziehen wird. Aber die vormalige US-Außenministerin Madeleine Albright hält sich bereits jetzt mit Hinweisen nicht zurück, wie sich der zukünftig mächtigste Mann, oder die mächtigste Frau, auf dem internationalen Parkett verhalten sollte. Dass Albright dabei nicht mit Kritik an der Bush-Administration spart, davon zeugt bereits der deutsche Titel Amerika, du kannst es besser. So habe Albright der Unmut über die gegenwärtige Präsidentschaft, die „Lügen als Wahrheiten präsentierte“, zum Verfassen des Buchs geführt. Dennoch erscheint der amerikanische Originaltitel Memo to the President-Elect passender, offenbart Albright doch in Form von Denkschriften ihre außenpolitischen Forderungen.

Zunächst stellt Albright die einem Präsidenten zur Verfügung stehenden Instrumente vor, bevor sie auf die notwendigen Entscheidungen der künftigen Administration eingeht. Die ehemalige Chefdiplomatin spart dabei nicht an klaren Worten und pflegt einen lockeren und verständlichen Schreibstil. Dabei möchte Albright über die grundlegenden Bedingungen außenpolitischen Handelns der Weltmacht USA aufklären, weshalb der über die Strukturen der US-Außenpolitik informierte Leser manche Stellen überspringen kann. Zugleich unterhält ihn aber die Autorin mit ihrem reichen Anekdotenschatz aus der Geschichte vergangener US-Präsidenten und zieht daraus praktische Verhaltensregeln. Dabei vertritt sie die schon für die Präsidentschaft Bill Clintons prägende Mischung aus Pragmatismus und Idealismus, die sie in den Vergleich mit einem Heißluftballon kleidet, der ohne das „leichte Gas der Prinzipien“ keinen Antrieb hätte, während der Ballon ohne den „Ballast der nationalen Interessen“ nie wieder auf die Erde zurückkehren könnte.

Die „Architektur des Friedens“

Portrait_Albright.jpgAlbright (Foto links) zeichnet kein gutes Bild der gegenwärtigen internationalen Lage der Vereinigten Staaten. Die größte Verantwortung hierfür schreibt sie – wen wundert’s – dem amtierenden Präsidenten zu, den sie sogar explizit aus der Reihe der großen Amtsinhaber herausnimmt. So habe sich die US-Administration in der Vergangenheit mit den wichtigsten internationalen Herausforderungen Amerikas Terrorismus und Antiamerikanismus in der arabischen Welt, Erosion der Nonproliferation von Nuklearwaffen, weltweit wachsende Zweifel an der Demokratie oder der Antiglobalisierungsbewegung nicht erfolgreich auseinandergesetzt. Albright wehrt sich auch gegen die Präventivschlagsdoktrin des gegenwärtigen Präsidenten, da sie nicht allein eine Missachtung der Diplomatie fördere, sondern die allgemeine Aufrüstung und eine globale Anarchie hervorrufen könne. Dieser Vorwurf aus der Feder einer ehemaligen Außenministerin kann nicht verwundern.

Dennoch charakterisiert Albrights Text ein grundoptimistischer Ton. Gefragt sei statt einer angstvollen „Haltung eines Kreuzritters“ eine Abwägung jeder einzelnen politischen Frage, denn nur als „Architekt des Friedens“, der die Bewahrung der einst von Franklin D. Roosevelt hervorgehobenen vier Freiheiten – Redefreiheit, Religionsfreiheit, Freiheit von Mangel und Freiheit von Angst – in den Mittelpunkt stelle, werde die Weltmacht USA ihre internationale Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.

Deutschland als wichtiger Partner

In ihren Handlungsempfehlungen wendet Albright in einer Tour d’Horizon ihren Blick auf die Beziehungen einzelner Länder zu den Vereinigten Staaten. Und hier wird ihre Wertschätzung Europas deutlich. Gerade für Deutschland spart sie nicht mit Komplimenten. So befürwortet sie für das „wichtigste europäische Land“ einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, plädiert dafür, die diplomatischen Auseinandersetzungen wegen des Irakkriegs zu „vergessen“ und sieht Angela Merkel als kritische Vermittlerin zwischen Amerika und Russland, für das sie übrigens keine großen Erwartungen einer demokratischen Entwicklung hegt, da das Spannungsverhältnis zwischen Modernisierung bei zeitgleicher innerer Härte traditionell das Verhalten der Verantwortlichen im Kreml präge.

Albright spricht sich an vielen Stellen für eine vorsichtigere Vermittlerposition der Amerikaner aus, die sich zwischen Indien und Pakistan nicht einseitig positionieren, Nordkorea zu Sicherheitsverhandlungen drängen, aber nicht zwingen, aber auch endlich kreative Sozialprogramme in Lateinamerika unterstützen sollen. Ihr Standpunkt gegenüber China knüpft ebenfalls an ihre frühere Außenpolitik an, wenn sie vor einer konfrontativen Linie warnt. So werde das sino-amerikanische Verhältnis auch in Zukunft auf Interessen und kaum auf Vertrauen fußen.

Die USA brauchen wieder Glaubwürdigkeit

UStanks_baghdad.JPGEinen Großteil ihrer Gedanken widmet Albright allerdings den Krisenherden im Nahen und Mittleren Osten und spart dabei nicht an unangenehmen Wahrheiten. Kaum einem Leser dürfte gefallen, wenn sie die Dauer des noch bevorstehenden militärischen Engagements der USA in Afghanistan auf bis zu zehn Jahre schätzt. Noch schlimmer sieht ihre Bilanz für den Nahen Osten aus, wo die von der Bush-Administration angestrebte Sicherheitsstruktur fundamental gescheitert sei. So bezeichnet sie den Irak-Krieg (Foto rechts) schlicht als „Fehler“ und lehnt einen Militärkonflikt mit dem Iran ab. Im Irak sei nun Schadensbegrenzung angesagt, wofür die USA als „ehrlicher Makler“ die Konfliktparteien zu einem Ausgleich bewegen sollen. Glaubwürdigkeit ist überhaupt das Stichwort für Albright, weshalb sie auch im Kampf gegen Al Quaida die Präsentation der gegensätzlichen Ideen in den Mittelpunkt stellt, statt allein auf einen in letzter Konsequenz nicht zu gewinnenden militärischen Konflikt zu setzen.

„Strebt nach Frieden, als ob es keinen Terror gäbe, und bekämpft den Terror, als gäbe es keine Verhandlungen.“ Mit den Worten des früheren israelischen Premiers Itzhak Rabin fasst die ehemalige US-Chefdiplomatin ihre zentrale Botschaft an den nächsten Präsidenten zusammen, woran sich dieser wird messen lassen müssen. Aber, schlösse dieser dann noch das Gefangenenlager von Guantánamo, regte einen allgemeinen Stopp von Nuklearwaffentests an, hätte keine Angst und würde das Recht nach innen und außen achten, dann, so verspricht Albright, werde es schließlich auch mit der Wiederwahl klappen.

Lesenswerte Handlungsempfehlungen

Albright zeigt sich als brillante Erzählerin. Gespickt mit einer Vielzahl an Anekdoten, zeigt sie die außenpolitischen Herausforderungen für die zukünftige US-Administration auf und rechnet dabei mit der Außenpolitik von George W. Bush gnadenlos ab. Egal, wer neuer Präsident wird, dieses Buch sei ihm ebenso wie jedem anderen an der US-Außenpolitik Interessierten dringend empfohlen.

Albright, Madeleine,

Amerika, du kannst es besser. Was ein guter Präsident tun und was er lassen sollte,

aus dem Amerikanischen von Reinhard Kreissl,

(2008), München, Droemer-Verlag,

368 Seiten, ISBN 978-3-426-27457-6, EUR 19,95


Die Bildrechte liegen beim Droemer-Verlag (Cover) bzw. sind gemeinfrei (Porträt und Irakkrieg).


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Ein Kommentar
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  1. Kann mich nur wundern, warum diese Spezie USA immer wieder zum Einlenken angebettelt wird.
    Die USA greift wie ein Kind aus momentanen Beweggründen und ohne überhaupt Entwicklungszusammenhänge zu versthehen ein,
    was bereits in der Realität zur Instabilität und Bürgerkriegen – weite Bereiche von globalem Ausmaß – geführt hat, weil Eingriffe immer komplexe Systeme bedrohen.
    2008 übergibt Justitia dieser Spezie das Web, ein Verstoß gegen
    den gleichen Rechtsanspruch der gesamten Menschenheit.
    Soll ichmich jetzt von dem deutschen Regime gesetzlich etwa in einem nur fiktiven Bereich regieren lassen.
    Warum sind die Manger und Marketing mit ihrer Belästigung jeden User als Kunde oder Communitie Member zu binden.
    So, abschließend irritiert mich doch etwas, dass für Microsoft, Yahoo, Google etc. die Anerkennung im Web genauso viel bedeutet, wie jedem anden Nutzer meist ein real Versagender.
    mfg

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