„Problemkind“ Afrika

05. Jul 2007 | von Stephanie Torge | Kategorie: Internationale Politik

Merkel_Outreach.jpgBeim diesjährigen G8-Gipfeltreffen stand ein Thema hoch im Kurs, welches auch vor allem nach dem Medienspektakel nicht in Vergessenheit geraten sollte: die „dritte Welt“. Dabei wurden neben der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des Kontinents vor allem der Kampf gegen Aids und die Stärkung des Gesundheitssystems thematisiert. Die G8 zeigen sich spendabel und sagen 60 Milliarden Dollar Hilfe zu. Ein Strohhalm für Afrika? Von Stephanie Torge

Bereits seit dem ersten Treffen 1975 in Rambouillet in Frankreich besteht die Tradition, internationale Politik einmal jährlich gemeinsam zu diskutieren, ursprünglich gedacht als gemütliches Kamingespräch.

Konzentrierte man sich zunächst noch auf Themen wie Währungskooperation, Ost-West-Beziehungen, Handel sowie Energie und Nord-Südbeziehungen, fokussiert man die Interessen seit den letzten Jahren zunehmend auf Afrika.

Rekreation der menschlichen Ressourcen

Wirtschaftlicher Aufschwung braucht vor allem motivierte, gesunde Menschen, die in der Lage sind, sich an diesem zu beteiligen. In Afrika ist dies nicht der Fall. Laut Statistik leben 63 Prozent aller HIV-Infizierten in Afrika, 90 Prozent aller Todesfälle durch Malaria sind ebenfalls dort zu verzeichnen.

Eine Region, die sich nicht allein helfen kann, ist auf Hilfe stärkerer Nationen angewiesen. Die G8 und viele Organisationen haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese zu leisten. Bereits 2001 wurde in Genua der Grundstein für eine Offensive gegen Armut, Krankheit und Ungerechtigkeit gelegt. Diese folgte 2002 zumindest ansatzweise in Form eines Aktionsplans beim Gipfeltreffen in Kananaskis, in dem man die Probleme anerkannte und sich auf Hilfeleistungen einigte.

One-World-Village

one_world_village.jpgPünktlich zum G8-Gipfel in Heiligendamm ließen auch eigennützige Werbeveranstaltungen nicht lange auf sich warten. Getarnt als „One-World-Village“ fand vom 12.- 27. Mai in Berlin/ Alexanderplatz eine solche statt. Mit Workshops, Live-Bühnenprogramm und original afrikanischer Küche zog man scharenweise Zuschauer an. Eine durchaus gute Sache, organisiert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Bei der Veranstaltung machte man auf Probleme des Kontinents aufmerksam und würdigte typisch afrikanische Kultur, nutzte allerdings auch die Gelegenheit, um sich selbst gleich ins rechte Licht zu rücken und auf die eigene Rolle bei dem Erreichen der Milleniumsentwicklungsziele hinzuweisen. Dazu zählen unter anderem die Ermöglichung einer Grundschulbildung für jedes Kind, die Verringerung der Kindersterblichkeitsrate, die Verbesserung der Gesundheit der Mütter sowie die Bekämpfung von HIV/ Aids, Malaria und anderen übertragbaren Krankheiten.

„Eine andere Welt ist möglich“

Auch außerhalb der „Group 8“ engagiert man sich vollen Einsatzes mit allen zur Verfügung stehenden Kräften und Mitteln für die positive Entwicklung der „Dritten Welt“. Im Januar 2007 fand erstmals das Weltsozialforum (WSF) im afrikanischen Nairobi statt. Es sieht sich selbst als einen „Weltprozess“. Entgegen dem G8-Gipfel, bei dem es viel zu oft um medienwirksame Profilierung als „der großzügige Geber“ geht, steht es lediglich für eine Art Treffpunkt aller Organisationen der zivilen Gesellschaft, oppositional zu einer „Geld-regiert-die-Welt-Globalisierung“ – und vor allem – nicht institutionell. Solidarität und Menschenrechte werden in den Prinzipien des WSF ganz groß geschrieben. Soziale Bewegungen Afrikas und der ganzen Welt fanden dort zusammen, um sich eben auch vor allem der Krankheitsproblematik zu widmen.

Jene sehen auch die Mitschuld der afrikanischen Staatschefs. Mit der Initiative „15 Prozent jetzt“ fordern sie, diese für den Gesundheitssektor zur Verfügung zu stellen. Die Menschenrechtsorganisation CREDO Afrika kritisiert: „Den Menschen ihr Recht auf Gesundheit zu nehmen ist dasselbe, wie massenhaft die Todesstrafe zu verhängen.“

Den Worten Taten folgen lassen

Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen der Vielzahl von bestehenden Organisationen ist dabei wünschenswert. Im Bereich Gesundheit konnten die G8 in den letzten Jahren einige Erfolge verbuchen, so investiert Deutschland jährlich 300 Millionen Euro in die Kontrolle und Bekämpfung von tödlichen Viren und die Stärkung des Gesundheitssystems in Afrika. Das BMZ hat einige seiner Ziele erreicht und verzeichnet unter anderem eine Senkung der Kosten für die Behandlung von Aids-Kranken in Entwicklungsländern um 90 Prozent, eine Erhöhung der medizinisch versorgten Aids-Patienten auf 300 000, groß angelegte Aufklärungskampagnen und eine Verdopplung der Verteilung von Insektennetzen. Diese spielen vor allem bei der Bekämpfung von Malaria eine enorm wichtige Rolle. Mittlerweile verteilt UNICEF mehr als 5 Millionen im afrikanischen Raum.

Die Aufklärung nimmt einen besonders hohen Stellenwert ein. So erreichte Uganda durch effektive Präventionsmaßnahmen eine Verringerung der HIV-Infektionsrate um 25 Prozent seit 1990.

Merkel schaut in ihre Glaskugel

Merkel.jpgBundeskanzlerin Angela Merkel ist zuversichtlich, dass man alle gegebenen Versprechen erfüllen kann. Zukunftsweisend wird in einer Gipfelerklärung vom 8. Juni 2007 von weiteren Bemühungen und Verstärkungen der Hilfs- und Präventionsprogramme bis 2010 gesprochen. Die dringend benötigten finanziellen Mittel, die in einem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) liegen, sollen um zusätzliche 6 Milliarden US-Dollar aufgestockt werden, um eine langfristige Finanzplanung zu gewährleisten.

Besonders für Frauen und Kinder, welche im Speziellen infizierungsgefährdet sind, soll mehr Unterstützung ermöglicht werden. Bisher stehen dafür noch zu wenige Mittel, nämlich nur 11 % des GFATM, zur Verfügung. Hinsichtlich dessen muss sich vor allem für deren Menschenrechte und Schutz vor sexuellen Übergriffen eingesetzt werden.

Die G8 dürfen sich nicht auf den Lorbeeren bisheriger Erfolge ausruhen, die Stärkung des Gesundheitssystems muss höchste Priorität haben. Dies soll mit Hilfe einschlägiger Organisationen wie der World Health Organization (WHO) und der Welthandelsbank erreicht werden.

Doch es darf nicht beim Versprechen von konkreten Schritten bleiben, man muss sie auch tun. Bisher trägt das Vorhaben nur kleine Früchte. Bleibt zu hoffen, dass endlich Regen in die Steppe kommt.


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Die Bildrechte liegen bei der Bundesregierung / Plambeck (Merkel&Afrika-Outreachvertreter), bei Bundesregierung / Kühler (Merkel) und bei der Autorin (One-World-Village)


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