Islamisierung, Nacktsport und ein toter Lennon

27. Mrz 2007 | von freier Autor | Kategorie: Politisches Buch

Messebesucher.jpgVom 22. bis 25. März fand die diesjährige Leipziger Buchmesse, der “wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche”, statt. Vom 3. Tag der Leipziger Buchmesse berichtet Maik Henschke

Nichts lieben Messeveranstalter mehr, als Rekorde zu vermelden. Auch 2007 kommen die Organisatoren der Leipziger Buchmesse in diesen Genuss. Mit 2348 Ausstellern aus 36 Ländern konnte nach eigenen Angaben in diesem Jahr erneut eine Bestmarke geknackt werden. Zusätzlich lockt zum 16. Mal die Reihe „Leipzig liest” mit 1900 Veranstaltungen in der ganzen Stadt interessierte Leseratten an. Schwerpunktland der diesjährigen Messe ist Slowenien.

Das Erste ist prominent vertreten. Am Stand der Sendung Titel, Thesen, Temperamente besprechen Ex- Mr. Tagesthemen Ulrich Wickert und ARD- Buchexperte Denis Scheck täglich die besten Neuerscheinungen. Von William Boyds spannendem Titel Ruhelos über Dummer August von Günter Grass bis hin zum Erzählungsband Handy des frischgebackenen Preisträgers Ingo Schulze legten die beiden ARD-Bücherwürmer den Besuchern ihre ganz persönlichen Favoriten ans Herz.

Henryk_M_Broder.jpgIslam-Diskussion mit Henryk M. Broder

Politisch wurde es am Stand des Spiegel in Messehalle 3. Henryk M. Broder war zu Gast und diskutierte zum Thema Islamisierung. Broder sorgte jüngst mit seinem provozierenden Buch „Hurra, wir kapitulieren!” für Aufregung. Er warnt darin, vor dem Islam einzuknicken. „Bei Pöbeleien brechen wir ab”, flüsterte Spiegel-Redakteur Per Hinrichs dem Autor noch schnell zu, ehe es auf die Bühne zu den zahlreichen Zuschauer ging.

Ohne falsche Zurückhaltung machte Broder seinem Unmut Luft: Regelmäßig werde in Deutschland bei so genannten „Ehrenmorden” den Tätern ihre kulturelle Herkunft als mildernder Umstand angerechnet, klagte Broder. „Absolut skandalös” nannte der Journalist und Schriftsteller auch ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichtes. Dieses hatte erst kürzlich Demonstrationen unter dem Bild von Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah erlaubt. Generell beobachtet der Autor, dass Deutschland nur noch in „Vorleistungen” gegenüber dem Islam trete, „ohne Gegenleistungen zu erhalten”.

Auch Deutschland gefährdet?

Hartnäckig verteidigte er die umstrittenen Thesen seines Buches: Islam und Islamismus streng zu trennen sei „nur eine Gefälligkeit uns selbst gegenüber”, meinte Broder: „Wir wollen Gute und Schlechte haben, damit wir die Schlechten bekämpfen können.” Von radikalen Islamisten sei auch Deutschland gefährdet, sagte Broder. Die Kofferbomber hätten das gezeigt: „Der Glaube, dass uns nichts passieren kann, zeugt von unglaublicher Naivität.”

Auch zur möglichen Schlichtung im Nahost-Koflikts äußerte sich der Bestseller-Autor: „Wenn Israel die Waffen niederlegt, gibt es kein Israel mehr. Wenn die arabischen Staaten die Waffen niederlegen, gibt es keinen Krieg mehr. Deswegen bevorzuge ich die zweite Lösung.” Und auf die Frage eines Zuschauers, ob er sich aufgrund seiner provozierenden Thesen zum Thema Islam selbst noch sicher fühle, antwortete Broder kurz und knapp: „Meine größte Gefahr sind Konditoreien und Delikatessengeschäfte.”

Nackte Tatsachen auf „Blauem Sofa”

Alexander_Osang.jpgAn vielen Ständen haben die zahlreichen Messebesucher die Chance, Lesungen zu lauschen, Fotos zu schießen und ein Autogramm ihres Lieblingsautors zu ergattern. SPIEGEL-Redakteur Alexander Osang plauderte am Nachmittag am Stand vom Leipziger Uni-Radio Mephisto über seinen Roman Lennon ist Tod. Auf dem „Blauen Sofa” in der Glashalle verriet TV-Moderator und Comedian Wigald Boning, warum er bevorzugt nackt Sport treibe. Warum er über diese sehr persönliche Neigung gleich mal ein Buch schreiben musste (passender Titel: Bekenntnisse eines Nachtsportlers), erschloss sich nicht unbedingt jedem.

Und Legende Johannes Heesters lockte vor allem das ältere Publikum in die Arena der Leipziger Volkszeitung. Der 103-jährige Schauspieler und Sänger stellte mit Gattin Simone Rethel den Bildband Ein Mensch und ein Jahrhundert vor.

And the winner is…

Bereits am Mittwoch verkündete die Jury, welche Autoren den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse mit nach Hause nehmen dürfen. In der Kategorie Belletristik gewann Ingo Schulzes Buch Handy, Dreizehn Geschichten in alter Manier (Berlin Verlag). Swetlana Geier erhielt die Auszeichnung „beste Übersetzung” für Ein grüner Junge von Fjodor Dostojewskij (Ammann Verlag). Außerdem überzeugte Saul Friedländer die Experten in der Sparte Sachbuch/Essayistik mit dem Titel Die Jahre der Vernichtung. Das Dritte Reich und die Juden 1939-1945 (Verlag C.H. Beck).


Zum zweiten Teil des Berichts.


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Leipziger Buchmesse 2006

Leipziger Buchmesse 2006 – Resümee


Weiterführende Links:

Die offizielle Website der Leipziger Buchmesse.


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