Im Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten
Zahlreiche Initiativen und internationale Vereinbarungen versuchen die Rekrutierung von Kindern für bewaffnete Auseinandersetzungen zu verbieten. Der Einsatz von Kindersoldaten ist ein Kriegsverbrechen. Dies wurde jüngst auf der UNICEF-Konferenz in Paris zum Schutz von Kindern in Kriegen wieder mehrfach betont – mit Erfolg? Von Julia Kreutziger
UNICEF schätzt, dass sich derzeit 250.000 bis 300.000 Kindersoldaten in Ländern wie Burma, Somalia, Afghanistan, Nepal, Sri Lanka, auf den Philippinen, aber auch in Palästina und Tschetschenien im Einsatz befinden. Ishmael Beah war einer von ihnen. Er kämpfte vier Jahre im blutigen Bürgerkrieg von Sierra Leone. Im Februar 2007 sprach er auf der UNICEF-Konferenz zum Schutz von Kindern in Kriegen und wies eindrucksvoll auf das Schicksal von Kindersoldaten hin.
58 Staaten einigten sich dort auf die sogenannten Pariser Prinzipien und unterzeichneten eine Konvention, die Minderjährigen das Tragen von Waffen verbietet. Darüber hinaus verpflichteten sich die Staaten, im Falle des Krieges nach Kindersoldaten zu suchen, diese zu entwaffnen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Dies wurde erstmals im Jahr 2002 im Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu Kindersoldaten vereinbart. Ein Meilenstein, da Kindersoldaten lange Zeit kein Thema in der Öffentlichkeit waren. Überwiegend Nichtregierungsorganisationen machten jahrelang darauf aufmerksam, dass bereits Kinder – manchmal schon im Alter von sechs Jahren – für Kampfhandlungen rekrutiert werden.
2002 verpflichteten sich erstmals Staaten, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht einzuziehen. Wer Kinder unter 15 Jahren rekrutiert und in den Kampf schickt, kann vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) als Kriegsverbrecher verurteilt werden.
Premiere für den Internationalen Strafgerichtshof
So steht jetzt erstmals ein mutmaßlicher Täter vor Gericht. Am 29. Januar 2007 hat der IStGH in Den Haag entschieden, den ehemaligen kongolesischen Rebellenführer Thomas Lubanga auf Grundlage des Zusatzprotokolls der UN-Kinderrechtskonvention anzuklagen. Ihm wird zur Last gelegt, im kongolesischen Bürgerkrieg von 1998 bis 2003 in der Provinz Ituri Kinder unter 15 Jahren genötigt zu haben, der Union der Kongolesischen Patrioten (UPC) als Soldaten zu dienen.
Lubanga, der diesen Vorwurf abstreitet, ist der erste und bisher einzige Angeklagte in der Geschichte des fünf Jahre jungen Gerichts, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu ahnden. Wann Lubangas Prozess beginnt, ist derzeit noch offen.
Schlupflöcher der Konvention
Somit setzt der IStGH ein klares Zeichen, dass jeglicher Missbrauch von Kindern zum Zwecke des Krieges international geächtet wird und strafbar ist. Inwiefern dieses als Abschreckung dient, ist fraglich. Denn die Bilanz, die seit der Verabschiedung des Zusatzprotokolls der UN-Kinderrechtskonvention zu Kindersoldaten gezogen werden kann, fällt schwach aus. Zwar haben 122 Staaten das Abkommen unterzeichnet und 111 ratifiziert, doch viele nichtstaatliche und auch staatliche Kriegsakteure fühlen sich weder an das Abkommen gebunden noch dadurch abgeschreckt. Besonders betroffene Staaten wie Burma und die Philippinen haben nicht an der UNICEF-Konferenz in Paris teilgenommen.
Das Zusatzprotokoll hat auch Tücken, denn der freiwillige Dienst in Armeen ist erlaubt. Seine Unterzeichner selbst entsenden Minderjährige in den Krieg. Großbritannien räumte jüngst ein, Jugendliche ab 16 Jahren seit 2003 im Irak einzusetzen. Kann eine Konvention nutzen und Akzente setzen, wenn sich ihre eigenen Unterzeichner nicht an sie halten? UNICEF hat es sich jetzt zum Ziel gesetzt, eine Heraufsetzung des Mindestalters für den Soldatendienst auf 18 Jahre weltweit durchzusetzen.
Zwischen Schutzgefühl und Schlachtfeld
Kinder, die im Krieg nicht verschleppt und zwangsrekrutiert werden, treten häufig freiwillig in Kämpfergruppen ein, da sie Überlebenschancen und Schutz suchen. Denn das Risiko, als potentiell ziviles Opfer überfallen und getötet zu werden, ist ohne Waffe, auf der Straße oder auf der Flucht lebend, größer. Einige von ihnen sind bereits ideologisch indoktriniert oder auf der Jagd nach Geld, Konsumgütern und Statussymbolen wie Sonnenbrillen, Turnschuhen oder Waffen. Insbesondere der Waffenbesitz vermittelt ein Gefühl von Potenz und eröffnet den Kindersoldaten soziales Prestige.
Ihre Biografien verlaufen ähnlich: Zu den Truppen gekommen, erledigen die Jungen und Mädchen zunächst kleinere Aufgaben wie Botengänge, Lockvogeltätigkeiten und Plünderungen. Sobald sie groß genug sind, ein Gewehr zu tragen – besonders stark müssen sie dabei nicht sein; eine Kalaschnikow wiegt gerade mal drei Kilogramm und ist schon von einem Sechsjährigen ohne weiteres zu bedienen – werden sie in den offenen Kampf geschickt, meist in die vordersten Linien als menschliche Schutzschilde oder Minenräumer.
Mit grausamen Mitteln gefügig gemacht
Sind die Kinder nicht bereit zu kämpfen, werden sie gedrillt, gefoltert, erniedrigt, aufgehetzt und sogar mit dem Tod bedroht. Um die Tötungshemmung gänzlich zu überwinden, wird der Psychoterror grausam auf die Spitze getrieben: Viele Kinder werden gezwungen, eigene Familienmitglieder umzubringen.
Die Wirkungen von Gruppenzwang und Mutproben dürfen nicht unterschätzt werden. Die Truppe bildet eine Ersatzfamilie, in der die Kinder aufgenommen und anerkannt werden wollen. Mit der Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit entwickeln sie einen enormen Geltungsdrang und sind bereit und fähig, über Leichen zu gehen. Je stärker verstümmelt diese sind, desto größer sind Anerkennung und Ehrfurcht, die ihnen entgegengebracht werden. Ethnische Gegensätze dienen als vermeintliche Legitimation dieser Gewaltexzesse. Niemand fühlt sich schuldig, da alle das Gleiche tun. Das macht Kindersoldaten zu gefährlichen und skrupellosen Kämpfern.
Marionetten der Kriegsherren
Doch nicht nur der Einsatz von Gewalt und die Wirkung von Gruppendynamiken machen die Kinder derart gefügig. Sie werden oft alkoholisiert und unter Drogen gesetzt. So werden sie endgültig kontrollierbar und gefühllos. Ihre ohnehin ausgeprägte Sorglosigkeit im Umgang mit Gefahr wird dadurch noch forciert, was sie für Kriegseinsätze attraktiv macht. Obendrein stellen sie im Kriegsbudget den wohl geringsten Kostenfaktor dar.
Kindersoldaten bleiben Marionetten ihrer Kriegsherren. Sie werden geopfert, denn sie sind leicht ersetzbar. Die Verfügbarkeit von Kindersoldaten macht Kriege nicht nur billig, sondern auch lange führbar. Je länger diese Kriege dauern, desto mehr Generationen gehen verloren. Viele Kinder kennen nichts als Krieg. Ihr Weltbild ist durch Krieg geprägt und damit auch ihre Lebenseinstellungen, Selbstbilder und Vorstellungen von zwischenmenschlichen Beziehungen. Diese Kriegserfahrungen werden an die nachfolgende Generation weitergegeben.
Wirksamkeit der Maßnahmen?
Offen bleibt, inwieweit die bestehenden Maßnahmen gegen den beschriebenen Einsatz von minderjährigen Rekruten Früchte tragen. Weder das Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention zu Kindersoldaten noch die Pariser Prinzipien sind juristisch bindend, folglich sind die Zahlen der beroffenen Kinder in den letzten Jahren nicht gesunken.
Die Bilder sind gemeinfrei.
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Weiterführende Links:
Globaler Bericht von terre des hommes über die Situation von Kindersoldaten 2004
Kindersoldaten – Berichte, Programme und Vorhaben
Initiativen und Internationale Vereinbarungen gegen die Rekrutierung von Kindern
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Hallo Julia
Mein Name ist Thomas Kreutziger und irgendwie bin ich auf den Trichter gekommen einen Familien-Stammbau ueber die KREUTZIGER’s zusammen zu tragen (irgendeiner muss damit ja mal anfangen ;-)( und bin bei der WEB Suche so auf Dich gestossen. Die meisten Kreutziger ‘s die ich pers. kenne leben in Hamburg, einen verstreuten hab ich noch in Tansania bei Moshi gefunden, den ich im Okt. diesen Jahres dort versuchen werde zu treffen. Es währe spannend zu erfahren wo Deine Wurzeln liegen. Wenn Dich das interessiert und Dir evtl. weitere Kreutziger’s einfallen wuerde ich mich ueber eine positive Antwort freuen.
Mit herzlichen (unbekannten) Gruessen – Thomas
Ps.: wir sind seit 8 Jahren auf Weltreise.., davon auch sehr viel in Afrika unterwegs, es ist witzig von Dir nun Abhandlungen ueber Afrika zu lesen…, warst Du schon mal irgendwo dort vor Ort ? Afrika ist teils recht anstrengend.., aber durch nichts zu ersetzen!
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