Gute Nazis?
Nach dem Boom von deutschen Kino-Filmen über das Dritte Reich, ist etwas Ruhe eingekehrt. Dietrich Kuhlbrodts streitbares Buch Deutsches Filmwunder – Nazis immer besser verkürzt so lange die Zeit bis zum nächsten Blockbuster. Von Thomas Bertz
Es wäre so leicht das Buch von Kuhlbrodt in der Luft zu zerreißen: Denn wer nach Buchtitel und Klappentext („Dabei bietet er den Lesern ebenso informativ wie unterhaltsam einen Querschnitt durch die deutsche Filmgeschichte“) eine sachliche Auseinandersetzung mit der Rolle des Nationalsozialismus im deutschen Film erwartet, wird auf den knapp 200 Seiten enttäuscht. Sachlich und distanziert, das ist Kuhlbrodt nicht. Aber – und das ist Stärke und Schwäche zugleich – er untersucht subjektiv. Und verschweigt das auch nicht.
Gleich zu Beginn mach Kuhlbrodt das in seinem Vorwort deutlich. Das „ich“ stehe durchaus auch im Vordergrund. Aus Eitelkeit. Und auch aus Bequemlichkeit. Das macht die gut 200 Seiten natürlich angreifbar, weil die Wissenschaftlichkeit, die Sachlichkeit und die Fußnoten fehlen. Und doch nimmt der Autor so auch jedem Kritiker den Wind aus den Segeln, der eben eine Nachprüfbarkeit der Aussagen einfordert.
Kleine Stopps auf einer Zeitreise
Auch ansonsten hat es sich Kuhlbrodt recht einfach gemacht und hangelt sich wie an einem Zeitstrahl durch die deutsche Filmgeschichte. Auf seiner Zeitreise macht er hier und da halt und wirft einen Blick auf die Kinoleinwände und Fernseher der Nation.
Das ist manchmal mehr als interessant, vor allem, wenn Kuhlbrodt sich an bekannteren Filmen auslässt. Das ist manchmal für den interessierten Laien schwer verständlich, weil er die Filme nicht kennt und daher auch die Andeutungen und Bemerkungen des Autors nicht versteht. Und manchmal ist Kuhlbrodts Ausführungen kaum zu folgen. Etwa, wenn er Muxmäuschenstill in seine Liste mit aufnimmt.
Verfangen in der Subjektivitätsfalle
Die Auswahl der besprochenen Titel erscheint mitunter zufällig. Was fehlt ist eine Gesamtbetrachtung, vielleicht ein Vergleich, welches Bild durch andere Filme gezeichnet wurde und wie sich die „Nazi-Filme“ davon abheben. Aber Kuhlbrodt hat sich mit seiner Subjektivitätsklausel selbst den Persil-Schein ausgestellt.
Schade, denn das Thema, dem sich Kuhlbrodt angenommen hat, hätte ein besseres Buch verdient. Eine Entwicklung des Nazi-Bildes im Film ist äußerst spannend, auch wenn der Hype momentan vorbei zu sein scheint und die öffentlichen Diskussionen sich eher um die jüngere deutsche Geschichte drehen. So bleibt das Deutsche Filmwunder nur ein Buch für eingefleischte Filmfans.
Kuhlbrodt, Dieter, Deutsches Filmwunder. Nazis immer besser,
(2006), Hamburg, Konkret Literatur Verlag,
199 Seiten, ISBN 3-89458-245-6, 15,00 Euro
Die Bildrechte liegen beim Konkret Literatur Verlag. Der Verlag im Internet.
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