Eine Bank
Politikwissenschaftliche Bücher über den „Parlamentarismus“ sind sicherlich keine Mangelware. Der Markt ist voll und unübersichtlich. Doch dieses Lehrbuch ist eine Bank. Von Nadine Lindner
Die Reihe „Studienkurs Politikwissenschaft“ aus dem Nomos-Verlag will neue Wege gehen in der politikwissenschaftlichen Literatur. Der Hintergrund der Entwicklung: Die Inhalte der Politikwissenschaft werden immer häufiger als Bachelor oder als Teil von interdisziplinären Studiengängen vermittelt. Das heißt in der praktischen Anwendung, dass das Curriculum in kurzer Zeit und standardisierter Form vermittelt werden muss – ein Unterschied zu den „klassischen“ Magister- und Diplomstudiengängen. Das Wissen soll also immer häufiger auf Klausurformate zugeschnitten sein. Daraus erwächst ein verstärktes Bedürfnis nach lehrbuchartiger Literatur.
Dienst am Leser
Leiden viele Lehrbücher älteren Datums in den Sozialwissenschaften an einer chronischen Unübersichtlichkeit, so ist bei Stefan Marschall davon nichts mehr zu spüren. In sieben Kapiteln und auf 320 Seiten wird der Stoff gegliedert. Der Autor schlägt einen Bogen über die Geschichte und die Theorie des Parlamentarismus, die Organisations- und Arbeitsweise von Parlamenten, ihre Funktionen sowie die Parlamentarismuskritik. Als Referenzfälle dienen die „klassischen“ Demokratien wie das britische und das französische Parlament, der deutsche Bundestag, der US-amerikanische Kongress sowie das Europäische Parlament. Im Anhang findet sich eine ausführliche Bibliographie zu diesen Themen, die das weitere Lesen und Recherchieren vereinfachen.
Selbsttest
Das Buch von Stefan Marschall erleichtert das schnelle, komprimierte Lernen vor Prüfungen vor allem durch einen Service-Teil am Ende jedes Kapitels. Hier fasst der Autor die wichtigsten Informationen knapp zusammen, ergänzt wird dies durch eine kleine Bibliographie mit Auswahlliteratur und Links zu Parlamenten, Forschungseinrichtungen und NGOs. Für den Selbsttest hat Marschall zu jedem Kapitel einige Prüfungsfragen vorbereitet – nicht nur spannend für Politikstudenten im Grundstudium.
Politik im Netz
Eine nette, aber leider nutzlose Spielerei, ist die Möglichkeit, sich über das Buch bei der Homepage www.politik-im-netz.com anzumelden. Jedem Buch liegt eine Postkarte bei, mit der ein Passwort angefordert werden kann. Interessenten müssen jedoch auf der Website feststellen, dass der Betrieb eingestellt wurde und deshalb keine Inhalte mehr verfügbar sind.
Über den Autor
Stefan Marschall ist in der Politikwissenschaft, genauer gesagt in der Parlamentarismusforschung kein Unbekannter. Der Dozent der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität veröffentlicht bereits seit Ende der 1990er Jahre zu diesem Thema. Seine Habilschrift verfasste er über „Volksvertretung jenseits des Nationalstaats“. Darüber hinaus hat sich der ehemalige Promotionsstudent der Friedrich-Ebert-Stiftung intensiv mit dem Thema „Politik im Internet“ auseinandergesetzt.
Nicht alles anders, sondern vieles besser
Nicht, dass der Nomos-Verlag das Lehrbuch neu erfindet, doch in der Reihe „Studienkurs Politikwissenschaft“ wird ein bekanntes Format weiter entwickelt – und das erfolgreich.
Marschall, Stefan,
Parlamentarismus. Eine Einführung,
Baden-Baden, Nomos,
350 Seiten, ISBN 3 – 8329 – 1062 – X, 21, 90 Euro
Die Bildrechte liegen beim Nomos Verlag (Cover). Der Verlag im Internet.
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