Alles billig?
Halb Europa wird aldisiert oder lidlisiert. Zwischen den Lebensmittelkonzernen herrscht ein offener Preiskampf. Jetzt liegt ein Porträt über die Discount-Pioniere ALDI vor. Von Nadine Lindner
Man fragt sich bei der Lektüre, wer die Autoren dieses Buches eigentlich bezahlt hat, der Verlag oder ALDI selbst. 91 Seiten voller Lobpreisungen auf die Discount-Kette der Albrecht-Brüder machen skeptisch. Doch, erst die Fakten, dann der Verriss.
Der schmale Band Verkaufsmaschine ALDI – der Triumph des Schlichten ist Teil einer Serie der Europäischen Verlagsanstalt zum Thema „Global Players - Die großen Unternehmen der Welt“. In dieser sind bereits mehrere Unternehmensportraits erschienen, sie stellen die Deutsche Bank, Gasprom, Siemens und Coca Cola vor. Auch hier lassen die jeweiligen Untertitel nichts Gutes erahnen.
Alles toll?
Die Autoren Reiner Mihr (Foto links) und Markus Oess sind Redakteure der Zeitschrift LEBENSMITTEL PRAXIS. Laut eigenen Angaben ein „modernes Fachmagazin für Entscheider“, das vor allem „marktnahe und serviceorientierte Informationen“ verbreiten will. Doch den Autoren ist der Schritt vom Branchenmagazin zum umfassenden Firmenporträt gründlich misslungen. Mihr und Oess (Foto rechts) geben sich jede Mühe, den Handelskonzern ins rechte Licht zu rücken. Die Autoren wollen überzeugen, nicht objektiv beschreiben. Das ist als kostenloses Marketing für den Discounter erste Qualität, als unabhängiges und kritisches Firmenporträt allerdings nicht zu gebrauchen. Eine Kostprobe:
„ALDI hat das beste Personal! Sie sind schnell und (meistens) freundlich.“
„ALDI ist mulitkulti: Hier treffen sich der gehetzte Student, der sparsame Rentner und der Türke von nebenan! Aldis Kundschaft gleicht einem Querschnitt durch die Bevölkerung Deutschlands. Nur eine Gruppe bleibt draußen: Die durch Vorurteile glänzen – und auf die können wir verzichten – und sparen.“
Alles bei ALDI, Frau Stoiber?
Diese Beispiele (S. 11/12) lassen sich mühelos auf die restlichen 89 Seiten übertragen. Auch wahre Einkaufsexpertinnen werden zitiert, um die Markenmacht ALDIS zweifelsfrei zu belegen: „Hohe Qualität und das preiswert – Herr Albrecht beweist seit Jahren, dass er ein Herz für Verbraucher hat“, so die Lobpreisung von Karin Stoiber, Ehefrau des bayerischen Noch-Ministerpräsidenten, über den Discounter.
Allein die zahlreichen Infokästen mit Wissenswertem rund um den Aldi-Konzern sind ansatzweise neutral und lesenswert. Der Leser erfährt allerlei rund um den Unterschied zwischen „Hard-Discount“ und „Soft-Discount“ oder die Anfänge der Kette auf 100 Quadratmetern in der Nachkriegszeit.
Eigentlich wäre es leserfreundlicher gewesen, den Text zwischen den Infokästen einfach wegzulassen.
Alles billig!
Das kleine Büchlein hinterlässt den Eindruck, als wäre es eine Erfüllung, „beim ALDI“ einzukaufen. Die Autoren erklären kurzerhand, der Discounter wäre „Kult“. Ob aus Geiz oder Geldmangel, der Laden hinterlässt immer den schalen Nachgeschmack des Billigen – genau wie dieses Buch….
Mihr, Reiner; Oess, Markus,
ALDI: Verkaufsmaschine ALDI – der Triumph des Schlichten
Reihe: Global Players. Die großen Unternehmen der Welt.
(2006), Hamburg, Europäische Verlagsanstalt,
91 S., ISBN 3-434-46812-9, 9,90 Euro
Die Bildrechte liegen bei der LEBENSMITTEL PRAXIS (Portraits) und der Europäischen Verlagsanstalt (Cover). Der Verlag im Internet
Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:
Warum Aldi & Co. so billig sind
weiterführende Literatur:
Aldi: Weniger ist schwer (Beitrag vom Wirtschafts-Magazin Brand Eins, umfassend und kritisch)
Von ALDI lernen: Das Prinzip Einfachheit (Dieter Brandes, Ex-ALDI Manager)
Dieter Schwarz – Aldis Erzfeind (Manager-Magazin)
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