Zwischen Skepsis und Vertrauen

06. Jun 2006 | von Christian Heise | Kategorie: Europa

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Begrüßung: Thomas Mehlhausen (IPA),

Kamila Mazurek, Marzena Karch (GFPS)

Kurz nach dem ersten Besuch des deutschen Papstes Benedikt XVI in Polen und wenige Tage vor dem deutsch-polnischen Gruppenspiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft machten sich Deutsche und Polen Gedanken über die künftigen deutsch-polnischen Beziehungen. Auf dem Szenario-Workshop “Zwischen Skepsis und Vertrauen” entwickelten sie facettenreiche und kontroverse Zukunftsbilder einer gemeinsamen Nachbarschaft. Teil 1. Von Christian Heise

Der Anlass könnte kaum besser sein: Wenige Tage vor Beginn des Workshops lauschten die gläubigen polnischen Katholiken noch aufmerksam den Worten des deutschen Papstes Benedikt XVI (/e-politik.de/ war dabei: Ein deutscher Papst in Polen). Wenige Tage später werden die Emotionen beim deutsch-polnischen Duell bei der Fußball-WM aufwallen. Aber auch auf politischer Ebene schlugen die Wellen hoch: Die polnische Regierungsumbildung unter der Beteiligung der radikalen Parteien Samoobrona (Selbstverteidigung) und Liga Polskich Rodzin (Liga der Polnischen Familien) (/e-politik.de/ berichtete: Hoher Wellengang an der Oder) sorgte europaweit für Diskussionsstoff, ebenso wie die Verhandlungen über eine Europäische Verfassung. Während Bundeskanzlerin Merkel eher eine rasche Ratifizierung des unveränderten Vertragswerks anstrebt, betrachtet Warschau den Europäischen Verfassungsvertrag in der vorliegenden Form als tot.

Doch abgesehen von tagespolitischen Meinungsunterschieden: Wird das künftige deutsch-polnische Nachbarschaftsverhältnis generell eher von gegenseitige Skepsis oder doch von Vertrauen geprägt sein? Immerhin stellt diese Frage den größeren Kontext für tagespolitische Entscheidungen dar.

Mögliche “Zukünfte” der deutsch-polnischen Nachbarschaft

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Kamila Mazurek: Gemeinsame Zukunft

durch konstruktiven Dialog

Vom 1. bis 5. Juni veranstaltete das Institut für prospektive Analysen e.V. (IPA) gemeinsam mit der Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS – Polska) in Krakau einen Szenario-Workshop vom 1. bis 5. Juni zum Thema “Zwischen Skepsis und Vertrauen. Die künftigen deutsch-polnischen Beziehungen“. Im Institut für Strategische Studien entwickelten deutsche und polnische Studenten mittels der Szenario-Methode Zukunftsbilder einer gemeinsamen Nachbarschaft für das Jahr 2020. Die entworfenen Zukunftsgeschichten wurden abschließend im Krakauer Goethe-Institut mit der Politikwissenschaftlerin Dr. Ewa Bojenko-Izdebska auf ihre Plausibilität und Bedeutung für das Handeln von heute kritisch hinterfragt.

“Future favours the prepared mind” (Louis Pasteur)

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Thomas Mehlhausen (IPA): Szenarien sind

hypothetische Narrative möglicher Zukünfte.

Die Szenario-Methode wurde ursprünglich von der US-Army in den 50-er Jahren entwickelt. Sie fand spektakuläre Anwendung in der Unternehmensplanung, als der Energiekonzern Shell Anfang der 70er Jahre Zukunftsforscher die hypothetische Annahme durchspielen ließ, dass die Erdölpreise sprunghaft ansteigen und damit die Zukunft des Konzerns bedrohen könnten. Als sich die Energieressource infolge des Jom-Kippur-Kriegs 1973 tatsächlich drastisch verteuerte, hatte Shell Reaktionspläne bereits parat und avancierte vom weltweit acht- zum zweitgrößten Ölkonzern. Seit einigen Jahren findet die Szenario-Methode auch in Politikberatung und Politischer Bildung zunehmend Resonanz, wie z.B. anhand des Geschichten-Wettbewerbs Ein Tag im Leben oder Radio Europa 2020 sichtbar wird.

Die Szenario-Methode: der Zukunft eine Struktur abringen

Im Unterschied zur Zukunftswerkstatt, wo wünschbare künftige Entwicklungen konstruiert und Wege dorthin gesucht werden, wollen Szenarien keine Wunschvorstellung abbilden. Ebenso wenig sollen abschreckende Zukunftsgeschichten - ähnlich der Science-fiction-Geschichten Brave New World (Aldous Huxley) oder 1984 (George Orwell) – verfasst werden, die die Leser vor den Konsequenzen gefährlicher Tendenzen der Gegenwart warnen. Vielmehr gilt es, kontrastreiche Zukunftsbilder mit Licht und Schatten zu schaffen. Die Gegenwart ist nicht für alle nur nachteilig oder nur vorteilhaft. Warum sollte die Zukunft es sein?

“We know only one thing about the future. Or, rather, the futures: It will not look like the present” zitiert Thomas Mehlhausen (IPA) den argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borge. Die Zukunft sei nicht lediglich die lineare Verlängerung der Gegenwart. Daher müsse ein gutes Szenario nicht nur plausibel, sondern auch neuartig sein. Die meisten Politstrategen hätten Anfang der 80er Jahre internationale Krisen im Jahr 1995 vermutlich weiterhin im bipolaren Paradigma des Kalten Krieges erwartet. Die damals verbreitete Konvergenztheorie unterstellte eine Annäherung der sozialistischen und kapitalistischen Gesellschaftssysteme. Doch der Fall des Eisernen Vorhangs änderte die Handlungslogik auf internationaler Ebene komplett. Man muss dabei nicht unbedingt von solch starken Einschnitten im politischen Weltgefüge ausgehen, jedoch sollten Szenarien nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Veränderungen enthalten.

Lesen Sie im Teil 2 mehr zu den entwickelten Szenarien zu den deutsch-polnischen Beziehungen.

Titel: “Zwischen Skepsis und Vertrauen. Die künftigen deutsch-polnischen Beziehungen”

Veranstalter: Institut für prospektive Analysen e.V. (IPA) und Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS – Polska)

Ort: Institut für Strategische Studien, Krakau

Zeitraum: 1.-5. Juni 2006



Weiterführende Links:

Ankündigung der Veranstaltung

Programm

Abschlussdokumentation mit den Szenarien


Die Bildrechte liegen bei Thomas Mehlhausen.


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