Verbrechen der Wehrmacht

06. Jul 2006 | von | Kategorie: Politisches Buch

Cover_Boehler.jpgJochen Böhler führt den Nachweis, dass es Völkermord und Kriegsverbrechen der Wehrmacht nicht erst beim Überfall auf die UdSSR, sondern schon im September 1939 gab – beim so genannten “Polen-Feldzug”. Von Wolfgang Mehlhausen

Jochen
Böhler
erhielt im Jahr 2000 für seine Magisterarbeit Verbrechen der
Wehrmacht in Polen im September 1939
den Fakultätspreis der Philosophischen
Fakultät der Universität zu Köln. Er forscht seit 2000 als wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Deutschen
Historischen Institut in Warschau
. Jetzt liegt mit seiner Dissertation Auftakt
zum Vernichtungskrieg, Die Wehrmacht in Polen 1939
eine umfassende Untersuchung
der Kriegsverbrechen während des so genannten Polen-Feldzugs vor.

Westliche und östliche Forschungslandschaften

In der Einleitung widmet der Autor der Frage nach gründlichen Quellenstudien
breiten Raum. Im Westen wurden viele Dokumente aus polnischen Archiven nicht
berücksichtigt, weil sie bis 1990 nicht oder nur schwer zugänglich waren oder
man sie übersah bzw. polnischsprachige Dokumente und Quellen nicht berücksichtigte.
Es bleibt die unausgesprochene Frage, ob westliche, sprich westdeutsche Historiker
in früheren Jahrzehnten kein überragendes Interesse daran hatten, die Verbrechen
der Wehrmacht zu untersuchen und zu publizieren?

Diese Anmerkung sei gestattet. Vor nicht allzu langer Zeit gab es in der deutschen Öffentlichkeit
heftige Debatten wegen der Ausstellung Verbrechen
der Wehrmacht
. Neben den beschämenden Protesten von Neonazis und Ewiggestrigen
sei aber auch daran erinnert, dass ernstzunehmende Historiker, die in Bild-
und Textdokumenten Fehler fanden und zur Korrektur von Exponaten führten, die
Diskussion prägten. Aus diesem Grund füllt dieses kleine wissenschaftliche
Buch eine wichtige Lücke in der Betrachtung der Geschichte des Zweiten Weltkriegs
und des Nationalsozialismus.

Blitzkrieger und ängstliche Soldaten

Portrait_bohler_klein.jpgBöhler
(links) untersucht mit Akribie verschiedene Aspekte der Kriegsführung in den
ersten Tagen und Wochen des Zweiten Weltkriegs. Dabei erforscht er beispielsweise
die Motivation der deutschen Soldaten, Traditionen und persönliche Erfahrungen
der “Landser”. Viele Leser werden beim 1.
September 1939
an die Filmausschnitte, die aus Wehrmachtsberichten stammen,
denken, in denen deutsche Soldaten mit Motorrädern durch Polen brausen, so
wie man sich eben einen Blitzkrieg vorstellt.
Dass viele junge Männer, die erstmals im “Feindeinsatz” waren, nachts kaum
schlafen konnten und verängstigend auf alles schossen, was sich bewegte, passt
nicht in dieses Bild.

Sehr anschaulich wird diese Seite der Kriegsführung beleuchtet und belegt,
auch was die so genannten Freischärler angeht.
Anhand vieler gut recherchierter Berichte und Dokumente weist Böhler nach,
dass es kurz nach dem Überfall noch keine organisierte polnische Partisanenbewegung
gab. Häufig wurden deutsche Soldaten oder völlig Unbeteiligte Opfer überängstlicher
Schützen – teils nicht nur aus niederträchtigen Gründen, sondern aus Angst
oder aus Versehen.

Wehrmachtsverbrechen in Hülle und Fülle

Dass die deutsche Wehrmacht in Kriegsverbrechen verstrickt war, ist unter
Historikern unstrittig und vielfach belegt. Diese werden von Böhler unter verschiedenen
Gesichtspunkten untersucht und bewiesen. Dabei geht es um Repressalien und
Morde gegenüber Zivilisten, ebenso wie um die Ermordung von Juden und vermeintlichen Freischärlern oder
Verbrechen gegenüber Kriegsgefangenen. Der Verfasser untersucht dafür die Operationsgebiete
von unterschiedlichen Wehrmachtseinheiten und behauptet nicht, sondern belegt.

Dass es gelegentlich auch ein Eingreifen von beherzten Offizieren gab, die
Verbrechen verhinderten, wird nicht verschwiegen. Gegen den Verfall der
Manneszucht
wurde seitens der Generalität vorgegangen, doch nicht, um
die leidgeprüfte Bevölkerung zu schonen, sondern Plünderungen und Disziplinlosigkeiten
zu begegnen. Einen Kommissarbefehl und
einen Freibrief, wonach jegliche Verbrechen straffrei bleiben sollen, gab es
bekanntlich 1939 noch nicht.

Dennoch wurden nur wenige Soldaten und Offiziere für Vergehen und Verbrechen,
die im krassen Widerspruch zu internationalem Kriegsrecht standen, zur Verantwortung
gezogen, dies spricht dafür, dass die Wehrmachtsführung sich schon beim Polen-Feldzug nicht
dem Vernichtungskrieg entgegenstellte. Die Kooperation mit SS- und Polizeieinheiten
funktionierte in der Regel, von gelegentlichem Kompetenzgerangel abgesehen,
reibungslos. Böhler stellt aber auch heraus, dass es immer wieder mutige Soldaten
und Offiziere gab, die diese Kriegsführung aus soldatischem Ehrgefühl ablehnten.

Vernichtungskrieg und Völkermord vom ersten Tage an

Jochen Böhler beweist schlüssig, dass der Vernichtungskrieg nicht erst mit
dem Überfall
auf die UdSSR am 22. Juni 1941
begann, wo es zweifelsfrei noch einmal
einen “Gewaltschub” gab. Er zeigt, dass der Krieg gegen Polen von Anfang an
ein Vernichtungskrieg war, der Völkermord “billigend in Kauf” nahm, weil hier
nicht “ritterlich” ein militärischer Gegner besiegt, sondern “Lebensraum” geschaffen
werden sollte.

Den noch lebenden Kriegsteilnehmern und Nachfahren von Militäreliten wird
es nicht gefallen, wie überzeugend belegt wird, dass die in Polen von 1939
bis 1945 begangenen, unglaublichen Verbrechen keineswegs nur der “Zivilverwaltung” des Generalgouverneurs
Hans Frank
und der SS anzulasten sind, sondern auch schon von der
sogenannten “kämpfenden Truppe” in den ersten Kriegswochen begangen wurden.

Dieses Buch ist keine leichte Lektüre, das sich wie eine Geschichte liest,
sondern ein wissenschaftliches Werk, das alle verfügbaren und zum Beweis von
Behauptungen notwendigen Fakten sehr ausführlich darlegt. Es ist dennoch so
geschrieben, dass grundlegende Kenntnisse der Geschichte des Zweiten Weltkriegs
ausreichen, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Jochen Böhlers Darstellung
kann aus diesem Grund nicht nur Militär- und Geschichtsspezialisten, sondern
allen historisch Interessierten sehr empfohlen werden.

Jochen Böhler
Auftakt zum Vernichtungskrieg, Die Wehrmacht in Polen 1939,
2006, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main,
279 S., ISBN 3-696-16307-2, 12,95 Euro


Die Bildrechte liegen beim Fischer Verlag (Cover) und dem Deutschen Historischen
Institut Warschau (Portrait). Der Verlag im Internet.


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3 Kommentare
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  1. Im Gegensatz zu dem Konglomerat aus indoktrinierten neudeutschen Gutmenschen und den widerwärtigen, paranoiden Nationalmasochisten und Nestbeschmutzern, die im Verbund mit der BRD-Einheitspresse, ihr Seelenheil in der lügenhaften Verunglimpfung des Deutschen Volkes und ihrer Wehrmacht sehen, kommen führende Persönlichkeiten, im Besonderen ehemalige Kriegsgegner zu ganz anderen Resultaten.

    Alexander Cadogan, britischer Unterstaatssekretär im Zweiten Weltkrieg”
    Die Deutschen sind prächtige Kämpfer und ihr Generalstab besteht aus wahren Meistern der Kriegskunst.”

    Charles de Gaulle, General und französischer Staatspräsident”
    Den Charakter eines Volkes erkennt man daran, wie es nach einem verlorenen Krieg mit seinen Soldaten umgeht.”

    Dr. Otto Graf Lambsdorff, Rede vom 13. März 1997 im deutschen Bundestag
    “Ebenso wahr ist aber auch, daß sich der größte Teil der deutschen Soldaten nicht schuldig gemacht hat. Sie haben ihre Pflicht getan. Viele haben in dem Konflikt gelebt, ihrer Eidespflicht genügen zu wollen oder zu müssen, obwohl sie die Natur der verbrecherischen Staatsführung erkannten oder erahnten.”

    Dr. van Creveld, Professor für Geschichte an der Hebrew Universität in Jerusalem (in seinem Buch – Kampfkraft)

    “Der durchschnittliche deutsche Soldat im Zweiten Weltkrieg … kämpfte normalerweise nicht im Glauben an die nationalsozialistische Ideologie – tatsächlich kam in vielen Fällen wohl eher das Gegenteil der Wahrheit näher.” (Dazu Fußnote: “In den dreißiger Jahren ‘emigrierten’ viele Leute ins Heer, gerade weil man es als nicht nationalsozialistisch oder sogar antinationalsozialistisch ansah.”)

    Drew Middleton, US-Militärpublizist
    “Der Sieg ging an die Alliierten, der soldatische Ruhm an die Deutschen.”

    Dwight Eisenhower, Oberkommandierender im II. Weltkrieg und Ex-Präsident der USA
    “Inzwischen habe ich eingesehen, daß meine damalige Beurteilung der Haltung des deutschen Offizierkorps und der Wehrmacht nicht den Tatsachen entspricht, und ich stehe daher nicht an, mich wegen meiner damaligen Auffassungen zu entschuldigen. Der deutsche Soldat hat für seine Heimat tapfer und anständig gekämpft. Ich für meinen Teil glaube nicht, daß der deutsche Soldat, als solcher seine Ehre verloren hat. Die Tatsache, daß gewisse Individuen im Kriege unehrenhafte und verächtliche Handlungen begangen haben, fällt auf die betreffenden Individuen selbst zurück und nicht auf die große Mehrheit der deutschen Soldaten und Offiziere.”

    George Patton, US-Panzergeneral im Zweiten Weltkrieg
    “Ich habe große Achtung vor den deutschen Soldaten. Die Deutschen besitzen eine stolze militärische Tradition. Sie haben sich als geschickt in der Kriegskunst erwiesen.”

    Helmut Schmidt, Ehemaliger Bundeskanzler

    Welt am Sonntag am 21.12.1997: “Wir haben in den vergangenen Jahren anhand einer Wanderausstellung erlebt, wie einige die Millionen deutscher Soldaten des zweiten Weltkrieges in braunen, schwarzen und feldgrauen Uniformen in einen Topf geworfen haben. Dergleichen linksextremistische Meinungen sind nicht verboten, sie sind gleichwohl gefährlich.”

    Süddeutsche Zeitung am 23.12.1998 auf die Frage – Finden Sie Ihre Erlebnisse als Soldat in der Wehrmachtsausstellung wieder?

    “Mir hat der Katalog gereicht. Schon der ist allzu einseitig. Es gibt Leute, die einen gewissen autosuggestiven Masochismus gegenüber dem eigenen Land für ihre Aufgabe halten. Dazu gehört Hannes Heer …, dazu gehört Jan Philipp Reemtsma. Das gibt es in jedem Land …”

    Spiegel Interview “DIE SCHIZOPHRENIE DES GANZEN”: “Was mich beschäftigte, war die Schizophrenie des Ganzen: Man wusste, dass man einem absurden Regime dient – verbrecherisch war es für mich immer noch nicht, obwohl mir der Freisler klarmachte, dass da zum Teil Verbrecher am Werk waren -, aber gleichzeitig wollte man gegenüber dem Land seine Pflicht als Soldat erfüllen.”

    Humberto Benedetti Miranda, Generalstabschef der peruanischen Armee im Zweiten Weltkrieg
    “Die Leistungen des deutschen Soldaten – vaterlandsliebend, tüchtig, selbstaufopfernd – nötigen mir Bewunderung ab.”

    Konrad Adenauer, Ehrenerklärung des ehemaligen Bundeskanzler am 3. Dezember 1952 vor dem Deutschen Bundestag

    “Wir möchten heute und vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierung erklären, daß wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferung ehrenhaft zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen.”

    Martin van Creveld, US-Militärhistoriker
    “Die Wehrmacht war ein großartiger Kampfverband, der hinsichtlich Moral, Elan und innerem Zusammenhalt unter den Armeen des Zwanzigsten Jahrhunderts nicht seinesgleichen fand.”

    Michael Carver, britischer Feldmarschall im Zweiten Weltkrieg
    “Kein Zweifel, daß die Deutschen aller Dienstgrade ihr Kriegshandwerk besser als die Briten verstanden haben. Ihre Kenntnis der Waffen, die ihnen zur Verfügung standen, und deren Anwendung war in fast allen Fällen überlegen. Sie waren zähe, geschickte, entschlußkräftige und wohldisziplinierte Soldaten. Ihr Standard wurde nur hin und wieder durch einige der britischen Truppen übertroffen.”

    Mitterand, Französischer Staatspräsident (8. Mai 1995 in Berlin)
    “Ich habe erfahren, welche Tugenden, welchen Mut das deutsche Volk besitzt. Bei den deutschen Soldaten, die in großer Zahl starben, kommt es mir kaum auf die Uniform an und noch nicht einmal auf die Idee, die ihren Geist bestimmte. Sie hatten Mut. Sie waren in diesen Sturm losmarschiert unter Einsatz ihres Lebens, sie haben seinen Verlust für eine schlechte Sache hingenommen, aber wie sie es taten, hat mit der Sache nichts zu tun. Es waren Menschen, die ihr Vaterland liebten – und dessen muß man sich gewahr werden.”

    Reginald T. Paget, britischer Jurist”
    Ob wir in Afrika, in Italien oder in Frankreich auf die deutsche Wehrmacht stießen, immer fanden wir in ihr einen anständigen Gegner. Der deutsche Soldat hat unter Verhältnissen von unvorstellbarer Grausamkeit seiner Gegner ein großes Maß an Zurückhaltung und Disziplin an den Tag gelegt. Was mich betrifft, so bin ich froh darüber. Wenn Europa überhaupt zu verteidigen sein soll, so müssen diese anständigen Soldaten unsere Kameraden werden.”

    Richard von Weizäcker, Ehemaliger Bundespräsident in seinen Memoiren – Vier Zeitenerinnerung – über die Verunglimpfung des deutschen Wehrmachtssoldaten

    “Wir waren damals keine besseren oder schlechteren Menschen als unsere Väter, die 25 Jahre zuvor in den Krieg gezogen waren, oder unsere Nachkommen, die heute über uns urteilen.”

    Russel F. Weigley, US-Militärhistoriker
    “Die deutsche Armee durfte 1944 immer noch den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, qualitativ die beste der Welt zu sein. Ihre Eigenart lag in der Feuerkraft, verstärkt durch überlegenes professionelles Können unter den Offizieren, überragende tüchtige Kampfführung und unübertroffenen Mut unter den Mannschaften.”

    Sir Hacket Oberbefehlshaber der NATO-Heeresgruppe Nord (NORTHAG), der sich im Krieg beim Kampf um die Brücke von Arnheim einen Namen gemacht hat

    “Die Deutschen waren im Krieg zwischen Norwegen und Sizilien, zwischen Frankreich und Stalingrad, von der Normandie bis Nordafrika sehr gute Soldaten. Wo sie kämpften, waren sie allgemein gut geführt, sehr diszipliniert und benahmen sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gut.”

    T. G. W. Settle, Vizeadmiral der US-Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg

    “Als Soldat der US-Kriegsmarine habe ich in den Kampfgebieten des Ersten und Zweiten Weltkrieges gedient. Die deutschen Marinestreitkräfte waren leistungsfähige, ehrenvolle und ritterliche Gegner, vor denen wir hohen Respekt hatten.”

    Vernon Walters, Der ehemalige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik vom 24.04.1989 bis 18.08.1991″

    Vor den deutschen Soldaten ziehe ich den Hut. Ich habe bei Anzio (Italien) und in der Normandie gegen euch gekämpft und kann nur sagen: Eure Soldaten waren erstklassig. Ihr habt in der Wehrmacht eine Armee gehabt, welche die Welt bewundert.”

  2. Bitte koennen Sie mir helfen? Ich habe gehoert, dass Mitglieder der deutschem Kriegsmarine im zweiten Weltkrieg, ihre juedishen Besatzungsmitglieder verteidigten gegen das Endloesungsgreuel. Gibt es irgendwie eine Wahrheit darin? Wo ich dies zuerst gehoert habe war in dem Buch “Finding the Bismark von Robert Ballard, der das Titanic gefunden hatte. Eine Nachricht ist mir etwas wichtig, denn ich habe eine wachsende Interesse in U-47 und sein Fuehrer Guenther Prien. Einen Rat , wuerde fuer mich, einen grossen Gefallen sein. Bitte, entschuldigen Sie mir mein schlectes Deutsch, leider American ist meine Muttersprache. Michael Patterson.

  3. Die Zietierungen von Lutz Huth sind teilweise frei gefunden. Abgesehen davon, die widerlegen nicht, dass die Wehrmacht eine sauebere Organization war

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