Sprengstoff Iran
Der Iran und sein Atomprogramm stellen nicht nur eine Gefahr für den Nahen Osten dar. Bruno Schirra schildert die problematische Entwicklung des Iran seit der Revolution Chomeinis im Jahr 1979. Von Christoph Rohde
Bruno Schirras Buch “Iran – Sprengstoff für Europa” stellt keine wissenschaftliche Abhandlung dar, sondern eine Reisereportage. Deshalb lebt sein Buch von einer kunstvollen Mischung aus persönlichen Erfahrungen, bei zahlreichen Reisen in den Iran erworben, ernsthaftem investigativem Journalismus sowie der Darstellung von nachprüfbaren Fakten, die allerdings nicht ausreichend referenziert werden.
Eine Steinigung…
Bruno Schirra, Journalist für den Nahen und Mittleren Osten und Redakteur unter anderem für die Welt, schildert zu Beginn seines Buches die Steinigung einer 17-jährigen Frau im Iran, der er vor 25 Jahren zufällig beiwohnte. Eingegraben bis über die Brust wird sie zum Ziel der Steinwürfe umherstehender Dorfbewohner. Nach mehr als zwei Stunden ist das Opfer tot. Ihr wurde Ehebruch vorgeworfen, doch tatsächlich war sie das Opfer einer Vergewaltigung. Das Recht im Iran ist so konzipiert, dass Frauen mit Hilfe von “Zeugen” leicht von Opfern zu Tätern gemacht werden können.
Traurig ist die Tatsache, dass sich die Maßstäbe im Iran wenig verändert haben. Denn als nächstes schildert Schirra die Hinrichtung eines 15-jährigen Mädchens im nordiranischen Neka. Atke Radschabi wurde erhängt, nachdem sie Sex mit verheirateten Männern gehabt haben soll. Im Iran des Reformpräsidenten Chatami sorgte dieser Fall für Empörung. An Hand dieser Fälle beschreibt Schirra die Werteskala im Reich der Mullahs. Es wird ein chauvinistisches Weltbild deutlich, in dem Frauen kaum Recht haben. Statt dessen werden maskuline Eigenschaften wie männliche Sexualität und Kriegstüchtigkeit als zentrale Werte der iranischen Version des Islam deutlich.
Herz der islamischen Finsternis
Für den Journalisten ist der Iran “für Kinderschänder ein wahres Paradies”, denn Sex mit 13-Jährigen ist nicht illegal. Mohammed, der Prophet, rühmte sich, seine neunjährige “Frau” entjungfert zu haben. Zeugenaussagen von Frauen, so die Scharia, zählen nur halb so viel wie die von Männern. Zwar ist die Prostitution im Iran offiziell verboten, sie wird aber mit Hilfe des Konstrukts von “Zeitehen” faktisch geduldet. Das heißt, ein Freier, der in ein Bordell geht, schließt mit der Prostituierten eine “Ehe auf Zeit”. Diese wird sogar von einem Mullah legal abgezeichnet. Schirra zeigt die Nöte vieler Frauen in der iranischen Gesellschaft, denen oftmals nichts anderes übrig bleibt als ihren Körper zu verkaufen.
Im Geiste Chomeinis
Der Autor zeigt die Entwicklung des Irans seit der Absetzung des Schahs auf. Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass auch der Schah eine Terrorherrschaft geübt habe, die von den Iranern zusätzlich als Fremdherrschaft empfunden wurde.
Am 1. Februar 1979 kam Ayatollah Ruhollah Chomeini aus dem französischen Exil. Dessen militantes Ideal einer islamischen Revolution hat bis heute Bestand. “Da wir davon überzeugt sind, dass der Islam der eine und wahre Glaube ist, haben wir die Pflicht, so lange zu kämpfen, bis die gesamte Menschheit entweder übertritt oder sich der islamischen Herrschaft beugt.”
Dazu vermochte es Chomeini, im iranischen Staatssystem einen Unfehlbarkeitsstatus zu erlangen, der den schiitischen Glaubensgrundsätzen eigentlich widerspricht. Schirra zeigt, dass der Angriff Saddam Husseins auf den Iran für die Macht Chomeinis zu einem Glücksfall wurde, indem er dem Revolutionsführer die Durchsetzung von Zwangsmaßnahmen erleichterte.
Ahmadinejads Vision vom goldenen Zeitalter
Der Dschihad wird auch vom neuen iranischen Präsidenten Ahmadinejad militaristisch interpretiert. Da seine Macht durch die Mullahs beschränkt ist, inszeniert er sich gern als Enkel des Imam Chomeini. So gewinnt er Zuspruch vor allem bei der Landbevölkerung. Popularität erreicht der selber als Terrorist tätig gewesene Präsident vor allem dann, wenn er in blumigen Worten die Vernichtung Israels fordert. Schirra kritisiert, dass der Westen diese Töne oft als folkloristisches Ritual abtäte. Für ihn ist die Bedrohung des Westens nicht nur real, sondern sie hat globale Dimensionen. Diese Bedrohung manifestiert sich durch die beiden Pfeiler des Atomprogramms einerseits und der Fähigkeit zu globalen Terrorkampagnen andererseits.
Bombe und Staatsterrorismus
Dass die Iraner die Atombombe anstreben, ist nach Schirras Recherchen keine Frage. Dass sie damit andere Länder, allen voran Israel, bedrohen werden, ist für ihn ebenfalls ausgemachte Sache. Der Autor zitiert den früheren spanischen Ministerpräsidenten José Mar
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