Leipziger Buchmesse 2006 – Resümee

20. Mrz 2006 | von Petra Sorge | Kategorie: Politisches Buch

Messe-Glashalle.jpgBesucherrekord auf der Leipziger Buchmesse: Vom 16. bis 19. März zeigten 2.162 Aussteller, was der Frühling an Büchern zu bieten hat. Veranstalter und Aussteller ziehen eine positive Bilanz - doch der Buchstandort Leipzig bleibt weiterhin nur Nummer 2 nach der Frankfurter Konkurrenz. Von Petra Sorge.

Die Leipziger Buchmesse ging am 19. März mit einem Besucherzuwachs von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu Ende: Nach Veranstalterangaben besuchten 126.000 Gäste das Messegelände und rund 2.400 Journalisten berichteten von dem Ereignis. Wolfgang Marzin, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Leipziger Messe, zeigte sich über die “fantastische Besucherzahl” erfreut: “Mittlerweile besucht der Fachhandel aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland die Buchmesse. Damit steigt auch die wirtschaftliche Bedeutung der Leipziger Buchmesse für die Branche.” Die Besucher konnten bei den 2.162 Ausstellern, von denen laut offizieller Befragung 90 Prozent ihre Erwartungen erfüllt sahen, die Neuheiten auf dem Buchmarkt begutachten.

Vielfältige Inhalte

Besonders punkten konnte die diesjährige Leipziger Buchmesse mit ihrem bunten, viertägigen Potpourri aus Vorträgen, Lesungen und Podiumsdiskussionen auf dem Messegelände und in der ganzen Stadt. Im Rahmen des Lesefests “Leipzig liest” präsentierten mehr als 1.000 Mitwirkende an über 200 Orten ihre Werke. Darunter fanden sich prominente Autoren, Schauspieler und Politiker wie Bastian Sick, Bret Easton Ellis, Frank Schätzing, Ingrid Noll, Ulrich Wickert, Kurt Biedenkopf. Mit ihren sowohl aktuell politischen, literarischen und wissenschaftlichen Themen gelang es, neue Impulse für die Buchbranche zu geben. “Leipzig hat sich für die Buchhändler als Arbeitsmesse durchgesetzt”, sagte Philip Roeder, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Suhrkamp.

Ein Höhepunkt der Messe war die zweite Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse. In der Kategorie Belletristik wurde Ilija Trojanow für Der Weltensammler ausgezeichnet, in der Kategorie Sachbuch/Essayistik Franz Schuh für Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche. Der Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung ging an Ragni Maria Gschwend für die Übersetzung von Antonio Moresco, Aufbrüche.

Konkurrenz zur Frankfurter Buchmesse

Trotz des beachtlichen Bedeutungszuwachses in den letzten Jahren landet die Leipziger Buchmesse nur auf Platz zwei. Die Frankfurter Buchmesse hat sich mit ihren Besucherzahlen von rund 280.000 zur bedeutendsten Buchmesse Deutschlands entwickelt. Die jährlich im Oktober stattfindende Messe hat nicht zuletzt durch ihre Internetpräsenz auf der Seite www.buchmesse.de einen Vorteil gegenüber der Leipziger Konkurrenz.

Treppe.jpgDie sächsische Messestadt knüpft im Gegensatz zur hessischen Metropole an eine Jahrhunderte gewachsene Tradition der Buchkultur an: In Leipzig erschien 1650 die erste Tageszeitung der Welt, hier etablierte sich rund um eine Hochburg von Schriftstellern, Buchdruckern und Verlagen, die nicht zuletzt Goethe zu der Bezeichnung Leipzigs als “Klein-Paris” inspirierte. Zudem gilt die Leipziger Messe als älteste Messe der Welt. Diesen Status kann der Standort heute nicht mehr behaupten – nicht zuletzt die Schließung des Stammhauses des Reclam-Verlages bedeutete zumindest eine ideelle Niederlage im Ringen um die Vorreiterrolle.

Die Leipziger Buchmesse sollte in Zukunft auch noch stärker um internationale Aussteller bemüht sein. Das ist in diesem Jahr zwar mit 36 Ländern und den Schwerpunkten “Osteuropa” sowie “japanische Manga-Comics” gelungen. Mehr als ein Drittel der Aussteller kamen aber aus Deutschland. Ein Journalist des Radios “Deutsche Welle” in Indien bemerkte, dass die Buchmesse seit der Wende stark auf den westeuropäischen Mainstream-Markt und die Bestseller fixiert sei. Mit einem weiteren Öffnen Richtung Ost und Fernost könnte diesem Trend entgegengewirkt werden und die Leipziger Buchmesse sich langfristig wieder als Nummer 1 in Deutschland etablieren.


Lesen Sie dazu folgende Veranstaltungsberichte von der Leipziger Buchmesse 2006:

Leipziger Buchmesse 2006 – Der Auftakt
Schulden und Geburtenstreik
Die ukrainische Zerreißprobe
Psychoanalyse einer Nation

Weiterführende Links:

Internetseite der Leipziger Buchmesse: http://www.leipziger-buchmesse.de/


Die Bildrechte liegen bei der Leipziger Buchmesse.


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