Hollywood goes Öko
Clooney und Diaz fahren Elektroautos, und auch viele Kollegen haben ihr grünes Herz entdeckt. Ist der Umweltschutzhype an der Westküste so kurz wie heftig? Oder wird aus Hollywood ein heiliger Wald? Von Iris Pufe
Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn du nach Hollywood gehst. Dieser Ringelreihe-Spruch gilt zur Zeit für die Kalifornier in Sachen Umweltschutz. Denn schaut man ins Mekka des Trendsettings, sieht man George Clooney und Cameron Diaz im Hybridauto durch die Hügel cruisen. Und Leonardo Di Caprio, wie er Schecks unterschreibt, um damit Solardächer zu sponsern. Die Liste der Neo-Hippies, Pseudo-Ökos und Naturfreunde verlängert sich derzeit so schnell, dass der Teufel seine Hände im Spiel hätte, wenn es Zufall wäre. Unter den Schönen und Reichen, Begehrten und Berühmten ist eine Öko-Manie ausgebrochen, das Filmbusiness ist in Aktion zum Schutz von Palme und Klima. Wenn ja, warum und wie lange hält diese Tendenz an?
Kalifornien: Umweltsünder und -engel zugleich 
Die Ironie dabei ist, dass der Trend zur Farbe der Hoffnung ausgerechnet in dem Bundesstaat mit den meisten Poolbesitzern und dem höchsten Wasserverbrauch des Landes angesagt ist. Kalifornien ist bekannter ist für Madonna, McDrives und Botox als für seine Askese zur Bewahrung natürlicher Ressourcen. Eine jüngst erschienene Studie der University of California in Los Angeles jedenfalls spricht von der Filmindustrie als der zweitgrößten Verursacherin von Umweltverschmutzung im Großraum Los Angeles. Durch künstliche Explosionen und Spezialeffekte stößt sie jährlich mehr rund 120.000 Tonnen Luftschadstoffe aus, und macht Hollywood damit zu einem größeren Umweltverschmutzer als etwa das Hotelgewerbe.
Umweltbewusstsein wird salonfähig
Zugegeben, George W. Bush und die Arbeit seiner Partei werden zunehmend kritisch betrachtet; und dies wird auch immer häufiger offen geäußert. Den Zweifeln am republikanischen Programm schließen sich im Moment zahlreiche Stars und Sternchen an – bevorzugt in einem Bereich, in dem für sie selbst grüne Punkte für Gutmenschentum abfallen. Diaz, Di Caprio und Konsorten haben, wie es scheint, im Eifer des politischen Gefechtes ihr grünes Herz entdeckt. “Ein Verstoß gegen die Luftschutz-Kriterien ist für mich und alle hier Versammelten nicht hinnehmbar,” meinte Daryl Hannah als sie jüngst mit Kollegen gegen den Bau einer Erdgas-Anlage vor der Ostküste demonstrierte.
Hollywood entdeckt, wofür sich Umweltschutzverbände in Europa mit betulichem und beständigem Erfolg seit langem einsetzen. Der deutsche Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) oder der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und ihre jeweils rund 400.00 Mitglieder kämpfen bereits seit drei Jahrzehnten für Autofreie Tage und Aktionen wie “Rettet die Wildkatze”. Vor allem aber unterscheidet Umweltschutz zwischen den Staaten und Europa, dass Umwelt als grundsätzliches Thema der Bevölkerung und nicht Trend von Prominenten begriffen wird.
Dass Umweltbewusstsein in den USA das Potential hat massentauglich zu werden belegt Al Gores aktueller Film. Mit seiner Dokumentation Eine unbequeme Wahrheit brachte er stattliche vier Millionen Besucher ins Kino. Und das in einem Land, das gehofft hatte, die Natur gäbe etwas auf seine militär- und wirtschaftspolitische Vormachtstellung; doch Wirbelstürme sind Gleichmacher.
Selbstinszenierung oder Sensibilisierung? 
“Mit hat der Film so sehr gefallen, dass ich ihn gleich zweimal gesehen habe”, sagt Camila Cambron aus Washington. Das Engagement der Stars dagegen kann sie nicht ernst nehmen. Dafür nimmt sich Hollywood selbst ernst. Und feiert die Aktivisten mit Auszeichnungen wie dem “Environmental Media Award”.
Bleibt die Frage, ob der Einsatz der Stars für den Umweltschutz selbstlos oder selbstgefällig ist. Sich zu inszenieren gehört in Hollywood nicht nur zum Tagesgeschäft, sondern ist es. Dass sie als glamouröse Botschafter einem bislang zu wenig beachteten Thema zu Popularität verhelfen ist so schlecht nicht. Denn 2007 werden die Weichen für die nächsten vier Jahre gestellt, und da kann die Umweltpolitik in den Staaten jede Unterstützung gebrauchen.
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