Freie Netze und der Dalai Lama
Vom 22. Oktober bis zum 3. November treffen sich Netzwerkaktivisten aus der ganzen Welt in Indien auf dem “Airjaldi Summit”. Der diesjährige Höhepunkt der “World Summits on Free Information Infrastructures” bietet den Aktivisten aus aller Welt die Gelegenheit, gemeinsame Strategien zum Aufbau freier Kommunikationsinfrastrukturen zu entwickeln. Von Juergen Neumann und Christian Heise
Freiheit, Kommunikation und Bildung, so sind die groben Ziele der Freenetworks-Initiativen weltweit. Dafür benötigt man unter anderem Computer-Netzwerke, die sich dadurch auszeichnen, dass sie den freien Transit von Informationen auf der Grundlage einer gemeinsamen Vereinbarung gewähren, so genannte freie Netze.
Zusammenarbeit braucht Zusammensein
Doch nicht alles ist nur durch elektronische Kommunikation umsetzbar. Hin und wieder muss man sich auch treffen. Denn erst in der persönlichen Begegnung erlebt man die Gemeinsamkeiten tatsächlich, welche die Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt miteinander verbinden.
So kam es, dass während eines Treffens der Freenetworks-Initiativen im Jahr 2004, der freifunk.net summer convention im dänischen Djursland, bei den Teilnehmern der Gedanke für eine ähnliche Veranstaltung auch außerhalb der reichen Länder Europas und Nordamerikas entstand. Ziel der Veranstaltung sollte die Entwicklung einer Strategie sein, um der digitalen Spaltung in der gesamten Welt entgegenzuwirken. Die Motivation hierzu resultierte vor allem aus der Tatsache, dass gerade in Entwicklungsländern das Interesse und die Notwendigkeit für kostengünstige IT-Infrastruktur für den freien Informationsaustausch besonders groß sind.
Die Welt zu Gast in Djursland
Allein nach Djursland kamen über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 30 Nationen und fünf Kontinenten. Dies unterstrich das große Interesse der Menschen aus allen Teilen der Welt, am lokalen und globalen Wissens- und Informationsaustausch zu partizipieren.
Hält man sich vor Augen wie vergleichsweise preiswert man mit Wireless LAN (WLAN) flächendeckende Kommunikationsnetze aufbauen kann, wird schnell klar, warum gerade diese Technologie weltweit so viel Hoffnung und Motivation schafft. Die Installation von freien Netzen ist günstig und kann mit entsprechendem Know-how auch ohne die Beteiligung von großen Firmen oder Organisationen durchgeführt werden.
Einig waren sich die Teilnehmer in Djursland darin, dass egal wie unterschiedlich die Kulturen dieser Welt und die konkreten lokalen Bedürfnisse vor Ort auch sein mögen, die Anforderungen an eine Informationsinfrastruktur und die damit verbundenen Probleme doch recht ähnlich sind.
Eine Konsequenz aus der Summer Convention 2004 in Dänemark war deshalb auch die Gründung des Djurslands International Institute of Rural Wireless Broadband (DIIRWB). Dort lernen Menschen aus allen Teilen der Welt, wie sie gemeinschaftlich ihre eigenen Funknetze aufbauen, und sich die daraus resultierenden Vorteile zu nutzen machen können.
London 2005
Schon seit der BerLon und den darauf folgenden internationalen Veranstaltungen CopenhagenInterpolation und der ersten freifunk.net summer convention im Jahr 2003 in Berlin wurde an dieser Thematik gearbeitet. So entstand die Idee der World Summits on Free Information Infrastructures (WSFII – sprich: “wissfi”), einer weltumspannenden Veranstaltungsreihe rund um “Freie Kommunikations-Infrastrukturen”.
Diese Veranstaltung sollte einen Fokus auf die “Graswurzel”-Strategie und das “do-it-yourself”-Prinzip sowie auf den konsequenten Einsatz von Open-Source-Systemen und die offene und praxisnahe Weitergabe von Wissen bis hin zur gegenseitigen Unterstützung bei der Installation neuer Systeme richten. Infolgedessen fand im September 2005 in London die erste offizielle WSFII-Vorbereitungskonferenz statt.
Auf dem einwöchigem Workshop begann eine Gruppe mit der Erstellung eines kostenfreien Lehrbuchs zum Aufbau von Funknetzen, dem so genannten “Book-Sprint-Project”, während eine andere, die “WSFII Organizers Group”, sich mit den Vorbereitung eines ersten World Summits außerhalb der hiesigen Sphären beschäftigte.
Output
Es brauchte noch einige Zeit und Kraft bis sowohl das Buch unter dem Titel Wireless Networking in the Developing World fertig gestellt, als auch der Veranstaltungsort für WSFII 2006 festgelegt werden konnten. Beide Projekte waren ein großer Erfolg. Das Buch kann heute bereits in englischer und spanischer Sprache kostenlos aus dem Internet herunter geladen werden und die Veranstaltung steht bereits in den Startlöchern.
Der Höhepunkt in diesem Jahr wird das Treffen der Freifunker dieser Welt zum Airjaldi Summit. Die darauf folgenden zehn Tage voller Workshops im indischen Dharamsa, zum World Summit of Free Information Infrastructures finden an einem ganz besonderen Ort statt: die Exilheimat des Dalai Lamas, der alle Teilnehmenden herzlich empfangen wird.
Die lokale Netzwerk-Infrastruktur in Dharamsala ist dabei auch ein gutes Beispiel dafür, wie Technologietransfer
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