Französische Affären

24. Feb 2006 | von | Kategorie: Politischer Film

Chabrol04.jpgDer Altmeister des französischen Kinos, Claude Chabrol, präsentierte Geheime Staatsaffären. Die Geschichte ist nur auf den ersten Blick frei erfunden. Von Konrad Kögler

Frankreich wurde vor einigen Jahren von der Elf-Affäre erschüttert, die eng mit der Schwarzgeldaffäre der CDU verknüpft ist. Hochrangige Manager dieses Konzerns landeten trotz bester Kontakte in höchste politische Kreise vor Gericht. Dies ist vor allem dem unermüdlichen Fleiß einer Frau zu verdanken. Die Staatsanwältin Eva Joly wühlte sich durch Berge von Akten und bereitete Klageschriften gegen die gesamte Konzernspitze wegen verschiedener Korruptions- und Betrugsdelikte vor. 2002 wurde sie zur Europäerin des Jahres gekürt.

Authentischer Fall wird verfremdet

Chabrol01.jpgDiesen authentischen Fall, der die französische Justiz seit Jahren beschäftigt, nahm der Altmeister des raffinierten Polit-Thrillers, Claude Chabrol, als Grundlage für seinen neuesten Film, der in deutscher Fassung den Titel Geheime Staatsaffären trägt. Treffender ist jedoch der Originaltitel L´ivresse du pouvoir, was so viel wie "Trunkenheit der Macht" bedeutet.

Isabelle Huppert kämpft mit Fallstricken

Die phantastische Isabelle Huppert, die dem Publikum aus vielen Hauptrolllen in Chabrol-Filmen oder aus der Klavierspielerin von Michael Haneke bekannt ist, kämpft in L´ivresse du pouvoir mit den Fallstricken, die ihr von Konkurrenten im Justizapparat gelegt werden. Die Spitze des Justizapparats versucht, ihre Ermittlungen auszubremsen: Eine ehrgeizige Kollegin wird ihrem Büro zugeteilt, da man hofft, dass sich die beiden Frauen dann in einem Kleinkrieg verzetteln. Die Staatsanwältin wird auf einen höheren Posten weggelobt.

Scherbenhaufen am Ende

Chabrol05.jpgAm Ende steht die Staatsanwältin Jeanne Charmant-Killman (Isabelle Huppert) vor einem privaten Scherbenhaufen, da sie sich in ihrer Arbeitswut völlig von ihrem Mann entfremdet hat. Auch beruflich fällt das Fazit sehr ambivalent aus: Trotz aller Erfolgserlebnisse bleiben die Erfolge ihrer Mühen zwiespältig.

Chabrol versichert zwar augenzwinkernd, dass jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Ereignissen rein zufällig sei. Aber die dargestellten Figuren ähneln in ihren Charakterzügen und äußeren Merkmalen den Akteuren der Elf-Affäre sehr, so dass der Film dem französischen Publikum ein besonderes Vergnügen bereiten wird.

Auch wenn es nicht Chabrols brillantester Film ist und auch Isabelle Huppert in anderen Rollen, die ihr auf den Leib geschrieben waren, mehr Eindruck machte, lohnt sich dieser neue Thriller aus der Feder Chabrols auf jeden Fall.

 

“L´ivresse pouvoir” (Frankreich/ Deutschland 2006)
108 Minuten
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Odile Barski/ Claude Chabrol
Produktion: Alicéleo
Mit: Isabelle Huppert, Fran


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