Deutsche Preisträger für Besten Hauptdarsteller
Moritz Bleibtreu und Sandra Hüller wurden als beste Hauptdarsteller ausgezeichnet. Diese Entscheidungen waren nur zum Teil verdient. Von Konrad Kögler
Die Silbernen Bären für die besten männlichen und weiblichen Hauptdarsteller gingen dieses Jahr beide an deutsche Schauspieler. Sandra Hüller erhielt den Preis für ihren furiosen Auftritt in Requiem völlig zu recht. Bei Moritz Bleibtreus Rolle in Elementarteilchen ist die Entscheidung eher strittig.
Untergang im frömmlerischen Milieu
Hans-Christian Schmids Requiem ist einer der besten deutschen Filme der vergangenen Jahre. Der Regisseur von Nach fünf im Urwald und 23 porträtiert darin das authentische Schicksal eines jungen Mädchens aus der tiefsten schwäbischen Provinz, das in den 1970er Jahren Opfer eines Exorzismus wurde. Michaela Klingler leidet seit Jahren an epileptischen Anfällen, die unter dem beengenden Gefühl ihrer frömmelnden Mutter immer schlimmer werden.
Nach einer kurzen Phase des Glücks, als sie zum Studium von zu Hause weggeht, verschlechtert sich ihr Zustand. Schließlich wendet sie sich in ihrer Not an ihren inkompetenten Dorfpfarrers, der sie zusammen mit einem äußerst zwielichtigen Kollegen den grausamen Qualen einer Teufelsaustreibung unterzieht.
Glänzender Auftritt
Wie Sandra Hüller in der Rolle der Michaela Klingler aufgeht, ist schlicht brillant. Nachdem sie bisher nur als Schauspielerin am Theater Basel aufgefallen war, gelang ihr nun der große Durchbruch auf der Leinwand. Aber auch Burghart Klaußner als ihr Vater und die weiteren Ensemblemitglieder tragen zu einem glänzenden Film bei.
Solide Leistung von Moritz Bleibtreu
Demgegenüber fällt die Leistung von Moritz Bleibtreu in Oskar Röhlers Elementarteilchen doch etwas ab. Es handelt sich zwar um einen soliden Auftritt in einem interessanten Film, aber Heath Ledger als Junkie in Candy oder August Diehl als Schnösel in Slumming hätten den Preis mindestens ebenso verdient. Der Makel an Bleibtreus Leistung ist vor allem, dass er praktisch einen Aufguss derselben Rolle vorlegt, die er bereits als gehemmter, sexuell frustrierter Mann in Röhlers letztem Film Agnes und seine Brüder ablieferte.
Der Regisseur verfilmte einmal mehr sein persönliches Trauma und rechnet mit seinen 68er-Eltern ab, die mit ihren Laissez-faire-Vorstellungen jegliche Wertvorstellungen ruiniert und die Bindungsfähigkeit in unserer Gesellschaft zerstört hätten. Eine These, die man mit Fug und Recht bezweifeln kann, die aber ähnlich auch vom französischen Skandal-Autor Michel Houellebecq in seinem Buch Elementarteilchen vertreten wird. Trotz dieser Schwächen entstand dennoch eine recht vergnügliche Literaturverfilmung mit einem guten Schauspieler – Ensemble, aus dem vor allem Martina Gedeck und Tom Schilling herausragen.
Requiem
Deutschland 2006
93 Minuten
Regie: Hans-Christian Schmid
Buch: Bernd Lange
Mit: Sandra Hüller, Burghart Klaußner, Imogen Kogge, Anna Blomeier u.a.
23/5 Filmproduktion GmbH
Elementarteilchen
Deutschland 2006
105 Minuten
Regie und Buch: Oskar Roehler, nach dem Roman "Les Particules élémentaires" von Michel Houellebecq
Mit: Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Martina Gedeck, Franka Potente, Nina Hoss, Tom Schilling, Uwe Ochsenknecht, Corinna Harfouch
Constantin Film Produktion Gmbh
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