Christlicher Märtyrer
Warum ist Dietrich Bonhoeffer zum Symbol des Christlichen Widerstandes geworden? Was macht ihn zum Märtyrer? Eine neue Biographie, des Mannes, der am 4. Februar 100 Jahre alt geworden wäre, gibt erste Auskünfte, bleibt aber oberflächlich. Von Fabian Engelmann
Über dem Portal der Westminster Abbey in London stehen mehrere in Stein gehauene Statuen von Märtyrern des 20. Jahrhunderts. Eine davon stellt den deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer dar, der am 4. Februar 1906 in Breslau geboren und im April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet wurde. Warum nimmt ein deutscher Theologe einen Ehrenplatz auf dem Nationalheiligtum der Engländer ein? Ferdinand Schlingensiepen zeichnet in einer neuen Biographie den Lebensweg des deutschen Widerstandskämpfers Bonhoeffer nach. Dabei versucht er auch zu ergründen, warum Bonhoeffer eine derart große internationale Annerkennung genießt.
Schlingensiepen legt mit seinem Buch erstmalig seit 1967 eine umfangreiche Lebensbeschreibung Bonhoeffers vor. Sein Wissen über Bonhoeffer geht auf die große Biographie Eberhard Bethges, eines Weggefährten Bonhoeffers, zurück. Schlingensiepen geht in seinem Werk streng chronologisch vor. Dietrich, Sohn des bekannten Psychiaters Karl Bonhoeffer, wächst in behüteten bürgerlichen Verhältnissen auf. Der Enthusiasmus für Soldatentum und Weltkrieg vergeht ihm früh – spätestens als einer seiner Brüder im ersten Weltkrieg fällt. Gleichzeitig wächst seine Begeisterung für religiöse Fragestellungen. Nach dem Abitur entschließt er sich, Theologie zu studieren.
Theologie und Widerstand
Als Student und Pfarrer sammelt er Erfahrungen in den USA, England und Spanien. Er knüpft Kontakte zu den Kirchen, die ihm in der Zeit des Widerstandes helfen werden. Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 beginnt die Gleichschaltung der deutschen Kirchen. Bonhoeffer kämpft fortan für die Bekennende Kirche, die sich der Gleichschaltung entzieht. Er setzt sich für die Verständigung der Kirchen ein, will die Ökumene in Deutschland stärken.
Seine theologischen Schriften als auch sein Engagement im Widerstand kreisen immer wieder um die zentrale Frage: Was geben die Bibeltexte den Menschen für das Leben im Hier und Jetzt mit? Welche Konsequenzen ergeben sich für das tägliche Leben? Welche moralische und nicht zuletzt auch physische Kraft geben die Bibeltexte? Beantwortet werden diese Fragen mitunter in einzelnen Texten. Ein in sich geschlossenes, kohärentes Werk hat Bonhoeffer aber nicht hinterlassen. Mehr noch als in den Schriften kommen Verständnis und Auslegung der Bibel in seinem Kampf gegen das nationalsozialistische Regime zum tragen.
Widerstand ist für Bonhoeffer, so Schlingensiepen, kein religiöser oder
| Der Autor: Ferdinand Schlingensiepen |
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