Chance Energiekrise?
Photovoltaik, Solarenergie und Offshore-Windparks – kurz erneuerbare Energien – sind heute aus der (Welt-)Wirtschaft nicht mehr wegzudenken. Doch sie beleben nicht nur die Konjunktur, sondern sie leisten zugleich einen essentiellen Beitrag im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung und können schon heute zu großen Teilen fossile Energieträger ablösen. Von Beatrice Kolp
In Chance Energiekrise von Hans-Josef Fell und Carsten Pfeiffer zeigen 13 Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer, dass es durchaus realistische Möglichkeiten gibt, die Energiekrise noch vor Ende des Ölzeitalters zu lösen. Ein Mann aus der Praxis gewissermaßen, hat den Grundstein für diesen Band gelegt. Hans-Josef Fell ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages und Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion für Energie und Technologie. Seit Ende der 80er Jahre beschäftigt sich der Politiker mit dem Thema erneuerbare Energien. Sein oberstes Ziel ist es, fossile Energieträger Schritt für Schritt durch regenerative Energien abzulösen. Dass es funktioniert, zeigt Fell dabei eindrucksvoll an seinem eigenen Haus. Dort wird seit vielen Jahren die gesamte Energie für Strom, Wärme und Kraftstoff aus erneuerbaren Energien hergestellt.
Schneller als gedacht
Seitdem die Preise für Öl und Gas Schwindel erregende Preise erreicht haben, boomt der Markt für erneuerbare Energien. In den letzten Jahren wurden in diesem Bereich enorme Erfolge erzielt. Hans-Josef-Fell (l.) zeigt sehr richtig, dass Unternehmen der erneuerbaren Energien dem allgemeinen Trend entgegen, sehr gute Gewinne erwirtschaften. Dieser Bereich ist derzeit in doppelter Hinsicht interessant, denn hier lassen sich Umweltschutz und Wirtschaft miteinander verbinden. Fell betont diesen Zusammenhang nicht ohne Grund. So ist es noch gar nicht lange her, dass es schlichtweg für die Industrie nicht rentabel war, Forschungs- und Entwicklungsgelder in diesen Bereich zu investieren. Erst seitdem die Preise in den letzten Jahren stetig steigen, sah die Wirtschaft hier Handlungsbedarf. Aus umweltpolitischer Sicht ist diese Denkweise eine absolute Katastrophe.
Allein 2004 erhielt beispielsweise die Solarindustrie 25 Millionen Euro an staatlichen Forschungsmitteln. Etwa 50 Millionen Euro brachte die Industrie selber mit ein. Ähnliches gilt für die Windkraftbranche. Die klassische Energiewirtschaft stellt noch heute die Wachstumspotentiale der erneuerbaren Energien in Frage. Fell widerlegt jedoch anhand von detaillierten Zahlen und Grafiken die Behauptungen von Konzernen wie beispielsweise E.on und Vattenfall. So stehen wir heute auf dem Höhepunkt der physisch möglichen weltweiten Ölförderung – dem Peak Oil. Danach wird die Förderung jedes Jahr sinken. Die Nachfrage schnellt jedoch nicht zuletzt aufgrund des enormen Wachstums in China, Indien, Indonesien und den USA nach oben.
Kein gutes Klima
Dass die Erderwärmung durch anthropogene Spurengase voranschreitet, ist hinlänglich bekannt. Und die Auswirkungen sind beinahe täglich sichtbar: Hurrikane, Überflutungen, extreme Hitzperioden aber auch Langzeitauswirkungen wie das Abschmelzen der Gletscher sowie das Verschwinden von Permafrostgebieten sind keine Geheimnisse. Da stellt sich die Frage, warum bisher so wenig getan wurde, diesen Problemen entgegen zu wirken. Möglichkeiten gibt es genug.
Carsten Pfeiffer greift dazu das Beispiel des Verkehrssektors auf. Dieser ist der größte „Ölfresser“, in dem zugleich andere Energieträger am schwersten zu finden sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass neue alternative Antriebsarten immer mehr Einzug halten werden. Sollte die Industrie hier nicht schnellstens umdenken, wird Mobilität in den kommenden Jahren immer mehr zum Luxus werden. Fast am Rande wird die Frage aufgeworfen, wie sich der steigende Ölpreis auf alltägliche Dinge des Lebens auswirkt: Kleidung, Nahrungsmittel, etc. Dieser Aspekt wird bisher im Alltag meist ausgeblendet.
Die Krise zwingt zum Handeln
Zurückgehende Fördermengen bei Öl und Gas werden die Welt stark verändern. Und der Zeitpunkt des „Peak Oil“ wird in alle Lebensbereiche eingreifen. Dass die Welt jedes Jahr mit weniger Öl auskommen muss, wird sich zunächst in den Preisen widerspiegeln. Viele Beobachtungen gehen jedoch davon aus, dass der Markt eine Versorgungskrise verhindern wird, da die steigenden Preise Veränderungen einleiten.
So werden beispielsweise neue Wärmekonzepte und Techniken für Gebäude entwickelt: bessere Dämmung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, solare Architektur, optimierte Heizungsanlagen. Die Möglichkeiten scheinen gerade hier so einfach und nahezu unbegrenzt. Millionen Häuser müssten allein in Deutschland modernisiert werden. Hier lassen sich durch verbesserten Wärmeschutz Millionen Tonnen CO2 einsparen.
Im Land der aufgehenden Sonne
Die in Japan veröffentlichte Studie Energy Rich Japan sollte zeigen, dass das hoch entwickelte Land in der Lage ist, seinen kompletten Energiebedarf mit erneuerbaren Energien zu decken. Als eine der führenden Wirtschaftsnationen mit 127 Millionen Einwohnern jedoch geringen einheimischen Vorräten an Erdöl, Gas und Kohle war Japan stets zu sparsamem Energieverbrauch gezwungen. Fell und Pfeiffer zeigen auf, welche Optionen es heute gibt, auf diese Energieträger vollständig zu verzichten. Wenn auch Japan aufgrund seiner geografischen Lage über reichlich Windressourcen, Erdwärme und Sonnenlicht verfügt, lassen sich diese Ergebnisse dennoch auf andere Nationen übertragen (beispielsweise auf die USA – neben China eines der energiehungrigsten Länder der Erde).
Der Druck zur Energiewende steigt
Führt man sich die Auswirkungen des Verbrauchs atomarer und fossiler Energieträger einmal schonungslos vor Augen, so wie es dieser Band darstellt, gibt es keinerlei Argumente für ihren weiteren Einsatz. Noch weiter gestärkt wird die Position durch die unendlichen Möglichkeiten, die die erneuerbaren Energien heute schon liefern. Entgegen vieler Publikationen, geben die Autoren dieses Buches ein recht optimistisches Bild für die Zukunft.
Hans-Josef Fell, Carsten Pfeiffer (Hrsg.): Chance Energiekrise.
Der solare Ausweg aus der fossilatomaren Sackgasse
(2006), Solarpraxis AG, 1. Aufl., 176 S., ISBN-10: 3-934595-64-2, 19,00 Euro
Die Bildrechte liegen bei Verlag (Cover) und dem Deutschen Bundestag (Portrait Fell). Der Verlag im Internet.
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