Weltmächte

18. Apr 2005 | von | Kategorie: Politisches Buch

Peter Bender hat mit seinem Buch Weltmacht Amerika – Das neue Rom den Versuch unternommen, die in letzter Zeit inflationär gebrauchte Floskel des "Neuen Imperium" USA im Vergleich zum Imperium Romanum zu überprüfen. Dazu wählt er einen rein historischen Ansatz – und scheitert. Von Hagen Pietzcker

Peter Bender legt mit seinem Buch Weltmacht Amerika – Das neue Rom einen Versuch vor, die Phänomene der beiden einzigartigen Weltmächte der Geschichte miteinander zu vergleichen. Der gelernte Historiker, der als Publizist und Journalist bekannt wurde, bedient sich dabei eines so einfachen wie Erfolg versprechenden Ansatzes: er vergleicht Aufstieg und Weltmachtposition von Rom und den USA in historischen Abschnitten. Das Buch ist so aufgebaut, dass die jeweiligen Phasen – Gründungssituation, erste Kriege, Umdenkprozesse aufgrund äußerer Bedrohungen, die Militarisierung der Politik etc. jeweils gegeneinander gestellt werden. In jedem Abschnitt des Buches wird zunächst die Geschichte Roms erzählt, dann die – aus Benders Sicht – entsprechende Phase der USA.

Das Problem des historischen Vergleichs

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Weltmacht Amerika – Das neue Rom.
Das ist durchaus interessant, insbesondere für den historisch interessierten Leser. Gleichwohl sind zwei Einschränkungen zu machen: erstens setzt Bender vor allem in seiner Schilderung der Geschichte und Entwicklung Roms auf ein gehöriges Maß an Vorkenntnissen, die wohl nur wenige Leser aufbringen. Zweitens funktionieren diese Gegenüberstellungen nicht – jedenfalls nicht, wenn man erklären möchte, warum beide Staaten/Reiche nicht nur eine so herausgehobene Stellung in ihrer Zeit hatten, sondern auch, warum dies historisch unter Aspekten, die über diese Machtfülle hinausgehen, vergleichbar sein sollte. Die Ähnlichkeiten sind einfach zu gering.

Bender scheint dies auf merkwürdige Weise bewusst zu sein: Fast jeder Abschnitt beginnt mit der Entschuldigung, dass der nun jeweils folgende Vergleich eigentlich nicht statthaft ist. Dementsprechend ergibt sich aus dem Text kaum, warum diese Vergleiche nun gezogen werden. Es liest sich wie die historischen Darstellungen zweier Imperien, die Abschnittsweise durcheinander gebracht wurden. Die Vergleiche werden an nur wenigen Kategorien festgemacht: die Insellagen der beiden Staaten, die Bedrohungen in den Frühphasen, bei den Römern durch die Punier, bei den Amerikanern vor allem durch die europäischen Mächte; der Versuch, isolationistische Politik zu betreiben, schließlich die Einsicht in die Notwendigkeit, militärisch aufzurüsten und im Ausland aktiv zu werden und damit der tiefgreifende Mentalitätswechsel, dem Rest der Welt überlegen zu sein.

Eine ungewollte Weltmachtposition?

In dem letztgenannten Aspekt hat dieses Buch allerdings wirklich einen Erkenntniswert. Bender zeigt diese Entwicklungen gut auf, stellt dar, wie die einstige Bauernrepublik Rom, eine kleine, eigentlich unwichtige Stadt in Italien zunächst ungewollt zur Weltmacht wurde, deren einstmals friedlichen Bürger schließlich bereit waren, Kriege zu führen, bis sie in Maßlosigkeit und Größenwahn verfielen. An dieser Stelle funktioniert der Vergleich, wenn die Unterschiede auch klar auf der Hand liegen. Auch die USA wollten nicht in die Wirren der restlichen Welt gezogen werden, sondern auf ihrem Kontinent in Ruhe gelassen werden. So wie die Römer von den Puniern in den Krieg gedrängt wurden, so wurden es die ursprünglich völlig unkriegerischen USA durch die beiden Weltkriege.

Der Mentalitätswechsel kam nicht von innen, sondern er war durch äußere Faktoren maßgeblich beeinflusst. Im Falle der USA ist das Überlegenheitsgefühl dabei noch eher nachvollziehbar, hielten sie sich doch schon seit der Gründung für "God"s own country" – wer könnte es ihnen mit Blick auf das damalige Europa, dessen elende Bevölkerung durch skrupellosen Monarchen von einem unsinnigen Krieg in den nächsten getrieben wurde verdenken! Das Gefühl der USA von Überlegenheit und Unersetzbarkeit für die Welt wuchs durch die Weltkriege und ihre Rolle im Kalten Krieg, ebenso wie es in Rom erst durch die Punischen Kriege erwuchs.

Doch für ein Buch, das im Titel diese Erwartung – Erkläre, warum Rom und die USA vergleichbar sind – weckt, ist dies zu wenig. Es bleibt die Frage, ob ein solcher Vergleich zwischen Rom und den USA nicht nur statthaft, sondern auch möglich ist. Der Begriff des amerikanischen "Empire" ist schon fast zu sehr in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Vielleicht liefert Bender unbewusst, durch das was er schreibt genauso wie durch das, was er nicht schreibt, einen wichtigen Denkanstoss über die Betrachtung antiker und zeitgenössischer Herrschaftsformen. Eine gewisse Aktualität ist ihm nicht abzusprechen.


Bender, Peter: Weltmacht Amerika: Das neue Rom

5. Aufl., 2004, Stuttgart, Klett-Cotta

EUR 19,50, 289 S., ISBN: 3-608-96002-3


Die Bildrechte liegen beim Klett-Cotta Verlag


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