Über Gebühr
Die Rundfunkgebühren beschäftigten den Medientreffpunkt am zweiten Sitzungstag gleich auf zwei Podien. Neben der Diskussion innerhalb Deutschlands über die kürzlich beschlossene Gebührenerhöhung barg vor allem eine Runde zum Prüfverfahren der EU-Kommission reichlich Zündstoff. Die Zuhörer wurden hier nicht enttäuscht. Von Stephan Radomsky
Die Diskussion über die Rundfunkgebühren war in diesem Jahr die aktuellste und brisanteste, die auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland geführt wurde. "Ich möchte es mal mit der Sprache des Unterschichtenfernsehens ausdrücken: Das ist das geilste Thema des Medientreffpunkts", sagte auch der Kommunikationsberater Ralf Siepmann. Zwei unterschiedliche Podien beschäftigten sich deshalb am zweiten Sitzungstag mit den beiden Dimensionen des Problems.
Rundfunkgebühren: Diskussion auf zwei Ebenen
Zum einen die Debatte, die innerhalb Deutschlands entstanden ist, nachdem die Länder erstmals der Schätzung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (KEF) nicht gefolgt sind. Die Länderparlamente beschlossen eine kleinere Gebührenerhöhung als gefordert. Eine zweite Runde diskutierte den "blauen Brief", den Deutschland von der EU-Kommission erhalten hatte, weil Brüssel die deutschen Rundfunkgebühren vorläufig als unzulässige staatliche Beihilfen betrachtet. Das Verfahren auf Europa-Ebene war von deutschen Privatsendern ins Rollen gebracht worden.
| Stefaan Depypere |
Bis jetzt nur vorläufiges Verfahren bei der Kommission
Er machte klar, dass es sich momentan nur um ein vorläufiges Verfahren handele und sich die Kommission noch keineswegs festgelegt habe. Auch sei das Antwortschreiben, das die Bundesregierung am Vortag nach Brüssel geschickt hatte, noch nicht ausgewertet. Das Hauptproblem sah Depypere in der, nach Meinung der EU, mangelnden Transparenz der Verwendung der Mittel aus den Rundfunkgebühren. Es müsse zweifelsfrei geklärt werden, ob ARD und ZDF die Gelder nicht für kommerzielle Zwecke nutzten oder Tochterfirmen quersubventionierten.
| Prof. Dr. Carl-Eugen Eberle |
RTL-Mann Tobias Schmid widersprach der Unterstellung, ARD und ZDF sollten geschwächt werden. Er sehe viel mehr eine Existenz-Gefährdung der privaten Anbieter, wenn die Regeln zum Einsatz der öffentlichen Gelder aus der Rundfunkgebühr weiter unklar blieben. Die Privaten wollten diese nur in einem "ordnungsgemäßen Verfahren" festschreiben lassen.
Die "innerdeutsche" Debatte: KEF und Öffentlich-Rechtliche gegen Politik
Die "innerdeutsche" Debatte war gekennzeichnet durch den Gegensatz zwischen KEF und Öffentlich-Rechtlichen auf der einen und Landespolitikern auf der anderen Seite. Zunächst stand die Frage der Verfassungsmäßigkeit im Raum: Sei es überhaupt zulässig, dass die Länder sich vom Vorschlag der KEF entfernen? Dies konnte nicht endgültig geklärt werden, sodass die Runde beschloss die Entscheidung dem Verfassungsgericht zu überlassen.
| Rainer Conrad |
Auswüchse stutzten
Dem hielt Roland Wöller, medienpolitischer Sprecher der sächsischen CDU-Landtagsfraktion, entgegen, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen von ihrem Grundversorgungsauftrag entfernt hätten: Nachrichten, Kultur, Bildung. Nun sei es auch zum Teil Aufgabe der KEF, diese Auswüchse wieder etwas zu stutzten. Deshalb hätten sich die Länder auch für eine Stärkung der KEF eingesetzt.
Am Ende war man sich aber zumindest in dieser Rund doch zumindest wieder ein wenig einig: "Solange sich nichts an der Struktur ändert, werden die Gebühren weiter steigen", sagte Referatsleiter Medienpolitik des Landes Schleswig-Holstein, Matthias Knothe (SPD). Und alle stimmten ihm zu.
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Die Bildrechte liegen bei Stephan Radomsky.
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