Terrorismus – was tun?

08. Sep 2005 | von Christoph Rohde | Kategorie: Politisches Buch

countering terrorism.JPGTerrorismus ist eine unberechenbare und grausame Strategie von unterschiedlich motivierten Fanatikern zur Unterminierung fester Gesellschaftsordnungen. Gibt es wirksame Gegenmaßnahmen? Diese Fragen wurden auf einer Fachtragung diskutiert und in einem Sammelband festgehalten. Von Christoph Rohde

Spätestens seit den Anschlägen von Madrid und London ist eine ständig latent vorhandene Terrorgefahr auch für Europas Gesellschaften zu einem den Alltag prägenden Phänomen geworden. Zu jeder Zeit und an jedem Ort können Terroristen die verletzlichen Gesellschaften des Westens angreifen. Was ist dagegen zu tun? Darüber diskutierten Experten verschiedener Institutionen anlässlich der von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf veranstalteten 2. internationalen Sicherheitskonferenz. Die Ergebnisse liegen jetzt in einem aktuellen Sammelband vor.

Grundsätzlich stellten die Teilnehmer übereinstimmend fest, dass sich der Terrorismus von einem eher lokalen zu einem globalen und hochprofessionell durchgeführten Unternehmen mit entsprechend gravierenden Auswirkungen entwickelt hat. Dazu hätten die Anschläge zu einer deutlich feststellbaren Renationalisierung der Außenpolitiken im europäischen Raum geführt.

Breites Analysespektrum

Der Komplexität des Terrorismus entsprechend vielschichtig ist das vorliegende Kompendium aufgebaut. Zu Beginn werden Motivationsstrukturen und Handlungsstrategien der Terroristen sorgfältig dargestellt. Darauf folgend fragen einige Autoren, welche präventiven Maßnahmen gegen den Terrorismus effektiv sein könnten – von der Ebene der Ideologie bis hin zur taktisch-technischen Gefahrenabwehr. In einem weiteren Teilabschnitt wird dargestellt, wie die hohe Politik konzeptionell auf die neuen Bedrohungsszenarien reagiert. Dies wird an den Beispielen EU und Russische Föderation exemplifiziert.

Weiter wird gefragt, wie die Geheimdienste im nationalen und internationalen Kontext auf die sich ständig wandelnden Strategien der Terroristen reagieren können. Im Kapitel Risiko-, Krisen- und Katastrophenmanagement werden potenzielle Bedrohungsszenarien durchgespielt und deren Eintrittswahrscheinlichkeiten bewertet. Abschließend wird die Bedeutung des Terrorismus für die Mikropolitik dargestellt. Es wird gefragt, wie sich Wirtschaftsunternehmen gegen die Risiken absichern können und wie lokale Gebietskörperschaften in konkreten Krisenfällen mit erprobten Einsatzplänen auf konkrete Anschläge reagieren können.

Das terroristische Rekrutierungspotenzial

Marc Sageman zeigt, dass die sowjetische Intervention in Afghanistan zu einer Internationalisierung der militanten islamistischen Bewegung führte. In diesem Befreiungskampf entstand ein neuer Sinn für das Mögliche im Widerstandskampf gegen die Feinde des Islam. Mit der Personalisierung der Bewegung durch Osama Bin Laden erfolgte die Koordinierung von einst lokalen Bemühungen der Terroristen.

Nur selten sind es die verarmten, ungebildeten Islamisten, die das Rekrutierungspotenzial der mit Al Qaeda eng oder lose verbundenen Terroreinheiten ausmachen. Die terroristischen Kampfzellen bilden meist Hochschulabsolventen, die trotz ihrer Qualifikationen nicht in die westliche Gesellschaft integriert werden. Die Zellen operieren bottom up. Spätestens seit dem 11. September 2001 und den Anti-Terrormaßnahmen der USA setzen Terroristen auf dezentrale Handlungsstrukturen.

Internet als Instruktionsquelle

Dabei hilft den Terroristen der dezentrale Aufbau des Internets, welche den Strukturen der Terrorzellen sehr entgegen kommt. Während Al Qaeda von ideologischen Führern wie Bin Laden oder al-Zawahiri lebt, die ihre Botschaften ebenfalls über das Netz verbreiten, so benötigen die einzelnen Terrorzellen keine Trainingscamps mehr, da sie Baupläne für Bomben und Angriffsziele und -strategien im Internet herunterladen können. Sie agieren dezentral und unabhängig. Durch das Internet entsteht eine virtuelle Gemeinschaft die eine Radikalisierung ihrer Mitglieder bewirkt. Besonders wichtig ist die Möglichkeit effektiven Lernens durch das Internet. Erfolgreiche Terrorstrategien werden verbreitet – vor Abwehrmaßnahmen seitens der Behörden wird gewarnt.

Katherina von Knop, Heinrich Neisser, Martin van Creveld (Hg.): “Countering Modern Terrorism – History, Current Issues and Future Threats” (2. internationale Sicherheitskonferenz). Kongressband 2004 W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2005, 504 SeitenISBN 3-7639-3309-3, 39,90 Euro.


Weiterführende Links:

Der Autor im Internet: www.christoph-rohde.de

National Security Strategy for Combating Terrorism: http://www.whitehouse.gov/news/releases/2003/02/counter_terrorism/counter_terrorism_strategy.pdf

Transformation Planning Guidance: http://www.defenselink.mil/brac/docs/transformationplanningapr03.pdf


Die Bildrechte liegen beim Bertelsmann Verlag.


Lesen Sie im zweiten Teil darüber, warum immer mehr islamistische Frauen Terroranschläge durchführen und was der Staat leisten müsste, um sich besser gegen die diffuse Gefahr des internationalen Terrorismus wehren zu können. Mehr

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