Strom der Zukunft

27. Sep 2005 | von | Kategorie: Politisches Buch

Energie Zukunft.jpgDie Energieversorgung weltweit wird nach wie vor zu großen Teilen durch fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas sowie Braun- und Steinkohle gedeckt. Der ständig wachsende Bedarf an Energie bei gleichzeitiger Endlichkeit fossiler Energieträger hat weltweit einen Kampf entbrannt, der vor Kriegen nicht Halt macht. Zugleich wird aber auch nach Alternativen gesucht, wie langfristig sicher und zugleich ökologisch nachhaltig Energie erzeugt werden kann. Von Beatrice Kolp

Energie für die Zukunft von Olaf Preuß zeigt in neun Kapiteln aus der Perspektive deutscher und internationaler Energieunternehmen, welche Anreize und Bedingungen notwendig sind, um den Strukturwandel von fossilen zu regenerativen Energien zu beschleunigen. Ausgehend vom Weg in die Krise mit weltweit ständig wachsendem Energiebedarf und dessen ökologischen Folgen beschreibt der Autor Perspektiven regenerativer Energien und die Pionierrolle Deutschlands. Bereits heute leben ca. sechs Milliarden Menschen auf der Erde. Für das Jahr 2030 gehen Prognosen der UNO von bis zu acht Milliarden aus. Öl, Kohle und Gas bieten dann längst keine Perspektive mehr für eine sichere Versorgung.

Die Internationale Energieagentur sieht das größte Problem in der globalen Erwärmung. Eine verstärkte Nutzung der Atomkraft ist keine Alternative – zumal neben wachsenden Mengen radioaktiven Mülls die Risiken des atomaren Missbrauchs durch Diktatoren und Terroristen nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Als die Energie der Zukunft sieht Preuß die Sonne – oder vielmehr eine intelligente Kombination aus Windkraft, Sonnenlicht, Sonnen- bzw. Erdwärme, Wasserkraft und nachwachsenden Rohstoffen.

Hunger nach Energie

Immer noch steigt weltweit die Nachfrage nach Erdöl und -gas ungebremst. Der Autor zeigt, wie die großen Energiekonzerne z. B. Shell und BP in allen Winkeln der Erde nach neuen Vorkommen suchen. Bedeutende Reserven liegen im Kaspischen Meer und den Krisenregionen des Nahen Ostens. Für Russland bedeuten diese Vorkommen die wichtigste Einkommensquelle des Landes. Nicht verwunderlich ist es dabei, dass immer mehr Staaten versuchen, an diesen Reserven zu partizipieren, bedeuten diese doch auch zugleich strategischen Einfluss.

Besonders problematisch sieht Preuß den wachsenden Hunger nach Energie. Seitdem Länder wie China in die Riege der Industrieländer vorgedrungen sind, ist auch der Bedarf an Energie deutlich gestiegen. Dies verschärft jedoch nicht nur die Konkurrenz am Weltmarkt für Öl, Kohle und Gas, sondern lässt zugleich auch die Preise steigen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich allein der Energiebedarf Chinas bis 2030 verdoppeln wird.

Als dramatisch sieht Preuß nicht zu Unrecht die zusätzlichen Lasten für Umwelt und Klima. Die Zunahme von Wirbelstürmen, wie kürzlich in New Orleans zu sehen und das Abschmelzen der Gletscher an den Polen sind nur die ersten sichtbaren Folgen. Angesicht solch katastrophaler Folgen wirken Zugeständnisse wie im Kyoto-Protokoll beinahe lächerlich. Und doch wäre seine Umsetzung – wie der Autor richtig bemerkt – ein erster wichtiger Schritt, zu dem vor allem die USA nicht bereit waren.

Kampf gegen Windmühlenflügel

In Europa, speziell in Deutschland, gehen die Bemühungen für eine nachhaltige Energieproduktion wesentlich weiter. Preuß spricht von einem regelrechten Ringen um den Energiemix der Zukunft. Während die rot-grüne Bundesregierung vehement für eine Forcierung regenerativer Energien eintritt, bekunden die Stromkonzerne nur wenig Interesse. Für sie ist der Ausstieg aus der Atomkraft bis 2020 unvereinbar mit den Zielen des Klimaschutzes.

Am Ausbau der erneuerbaren Energien mit staatlichen Förderungen lassen die Konzerne kein gutes Haar. Für sie zählt nur eines: eine möglichst lange Sicherung ihrer Gewinnquellen. Viel zu groß ist die Angst der Stromriesen, ob sie damit auch in Zukunft genug Geld verdienen können. Der Widerstand der Energiekonzerne trägt deutlich ideologische Züge, wie am Beispiel von Eon zu sehen. Während hierzulande gegen Windkraft gekämpft wird, investiert der Konzern in Großbritannien in den Ausbau von Offshore-Windparks. Der Grund: Stromerzeugung aus regenerativen Quellen wird mit Steuernachlässen belohnt.

Perspektiven für eine nachhaltige Energieversorgung

Anhand der Politik der Energiekonzerne zeigt der Autor, dass Öl auch noch in den nächsten Jahren die wichtigste Energiequelle der Welt bleiben wird. Derzeit liefert “das schwarze Gold” rund 36 Prozent der Primärenergie. Damit wird auch künftig die Abhängigkeit wichtiger Wirtschaftsregionen von Erdöl und -gas steigen und gleichzeitig die Macht von “Energieregionen” wie Russland und dem Nahen Osten zunehmen. Preuß sieht hierin vor allem ein Risiko für die Importstaaten, da diese unweigerlich abhängiger und erpressbar werden.

Mögliche Folgen und Gefahren verdeutlicht er anhand der Kriege am Persischen Golf in den letzten beiden Jahrzehnten. Umso mehr sollte die Förderung regenerativer Energien weiter forciert werden. Wind und Sonne tragen einen immer größer werdenden Anteil an der Energieversorgung bei, wobei ihr Potenzial noch lange nicht erschöpft ist. Preuß geht davon aus, dass diese Energiequellen die derzeitigen Energieprobleme zwar nicht lösen, jedoch zur Lösung beitragen können.

Sachbuch für Jedermann

Olaf Preuß, von Beruf Journalist, stellt in seinem Buch umfassend und tiefgründig die verschiedenen Möglichkeiten der Energieversorgung in den nächsten Jahren vor. Auf 150 Seiten erläutert er systematisch die Möglichkeiten, aber auch die derzeitigen Grenzen regenerativer Energien. Deutlich wird, dass es bereits einen Strukturwandel gibt, wie der Autor anhand zahlreicher Beispiele zeigt. Zugleich zeigt der Band aber auch, welchen Handlungsspielraum dabei die Politik einnimmt, um diesen Prozess ökonomisch sinnvoll zu begleiten.

Er macht deutlich, dass es ohne staatliche Eingriffe bei der Erzeugung von Strom auf Basis regenerativer Energien keine signifikanten Fortschritte gäbe. So geht er zu Recht davon aus, dass in jeder Hinsicht vom Staat der Rahmen geschaffen werden muss, in dem sich die Energiewirtschaft entwickeln kann. Wohin zu wenig staatliche Einflüsse führen, zeigt nur allzu deutlich das Beispiel der USA. Seine lebendige und unkomplizierte Schreibweise stellt die komplexen Zusammenhänge zwischen Energieversorgern und der Politik auf anschauliche und leicht verständliche Weise dar und macht diesen Band zur idealen Einführungsliteratur in dieses Thema. Zugleich richtet sich das Buch aber auch an Fachleute, spiegelt es doch den aktuellen Forschungs- und  Erkenntnisstand wider.

Olaf Preuß: “Energie für die Zukunft”(2005),

Gabler Verlag, Wiesbaden, 173 S.

ISBN 3-406-03445-5, 29,90 Euro


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Die Wasserstoffwende: http://www.e-politik.de/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=618


Die Bildrechte liegen beim Gabler Verlag.


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