Schmidts Bilderbuch

14. Okt 2005 | von Florian Baumann | Kategorie: Politisches Buch

Der Bildband Helmut Schmidt – Ein Leben in Bildern des SPIEGEL-Archivs ist das Ergebnis einer Recherche für eine Fotoausstellung in den Hamburger Deichtorhallen. Von Florian Baumann

Das digitale Zeitalter ist nun auch in Hamburg endgültig angebrochen. Über drei Millionen Fotos, die sich im Archiv des Magazins DER SPIEGEL angesammelt haben wurden digitalisiert und die Originale dem Haus der Photographie verkauft. Etwa 15.000 dieser Fotos standen zur Auswahl, um eine Bild-Biographie von Helmut Schmidt zu erstellen. Relativ ungewöhnlich war die Entscheidung des Hamburger Nachrichtenmagazins, den Altkanzler zu bitten, einen Teil der Bilder selbst auszuwählen.

Kuck mal …

HSchmidt.jpgZusammen mit SPIEGEL-Mitarbeitern hat Helmut Schmidt 147 Fotos ausgewählt, und diese auch jeweils kommentiert. Daraus entstand eine interessante Sammlung, die nicht nur das Leben des ehemaligen Kanzlers bebildert, sondern auch die Geschichte der Bundesrepublik. Private Schnappschüsse finden darin ebenso einen Platz, wie Fotos von Staatsempfängen und anderen offiziellen Anlässen. Heitere Stunden mischen sich mit traurigen und auch die tragischen Momente von Schmidts Amtszeit werden gezeigt.

Die heiteren Fotos zeigen den Altkanzler meistens im Kreise alter Freunde oder seiner Familie. Aber auch bei der Arbeit wirkt der Kettenraucher Schmidt in der Regel gut gelaunt. Gerade in seine Amtszeit fielen aber auch die dunklen Zeiten der Republik: Während seiner Kanzlerschaft erlebte der RAF-Terror seine Hochzeit. Innerhalb eines Jahres wurde der Arbeitgeberpräsident Hans Martin Schleyer getötet und die Lufthansa-Maschine Landshut entführt. International erregte die Ermordung des ägyptischen Staatspräsidenten Anwar al-Sadat Aufsehen.

Der Text zum Bild: ein seichtes Gespräch

Neben den Fotos enthält der Bildband auch einen Essay, der aus einem Gespräch zwischen Helmut Schmidt und dem SPIEGEL-Autor Hans-Joachim Noack entstand. Viele der Bilder riefen in Schmidt Erinnerungen wach und brachten die eine oder andere Anekdote ans Tageslicht. Die wenigen Stellen, wo Schmidt aus dem Nähkästchen plaudert sind amüsant zu lesen. Ansonsten ergab sich bei der Durchsicht der Fotos ein seichtes Gespräch – mehr aber nicht.

Doppelte Schmeichelei

Wie so oft handelt es sich auch hier um eine Selbstbeweihräucherung des SPIEGELs. Ohne Frage, die Hamburger haben viel für die deutsche Presselandschaft und die Bildung ihrer Leser getan. Die dauernde Lobhudelei in eigener Sache rechtfertigt das jedoch keinesfalls. Zumal der Essay nur an der Oberfläche kratzt und kritische Fragen gegenüber dem Ex-Kanzler und Journalistenkollegen Schmidt nicht vorkommen. Dafür entschädigen die Bilder umso mehr: Viele kennt man, andere sind neu und wurden jetzt zum ersten Mal veröffentlicht. Das Buch erweist sich und den Herausgebern Stephan Aust und Robert Fleck damit allerdings einen Bärendienst. Wer mehr Interesse an den Bildern hat, dem ist wohl eher die Ausstellung selbst ans Herz zu legen.


Stefan Aust und Robert Fleck (Hrsg.): HELMUT SCHMIDT – Ein Leben in Bildern des SPIEGEL-Archivs

München, Deutsche Verlags-Anstalt, ISBN 3-421-05888-1

208 Seiten, 147 s/w Fotos, 29,90 Euro


Die Bildrechte leigen bei der Deutschen Verlagsanstalt.

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