Polentheaterdeutschland

01. Jun 2005 | von Samuel Müller | Kategorie: Politisches Theater

Vom 28. Mai bis zum 5. Juni 2005 findet in Berlin zum siebten Mal das Theaterfestival “Neuropolis” statt. Polnische und deutsche Künstlerinnen und Künstler bieten auf dem “Festival für junges europäisches Theater” ein spannendes Programm und fördern so den internationalen Dialog. /e-politik.de/ sprach mit einer der Hauptorganisatorinnen. Ein Interview mit Nona Schulte-Römer von Samuel Müller

/e-politik.de/: Am Samstag war der “Markt der Möglichkeiten” Auftakt von Neuropolis. Wie war die Stimmung?

Nona Schulte-Römer: Die Stimmung war hervorragend, ein relaxter Sommertag mit Live-Musik, Akrobatik und einem Hörspielzelt.

/e-politik.de/: Wie viele Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich an dem Festival?

Gruppe Happy Lucky - Lucky Happy.JPG
Theatergruppe
Happy Lucky-Lucky Happy

Schulte-Römer: Wir haben 19 Theatergruppen aus Warschau, Stettin, Danzig, Torun, Gießen, Essen und Berlin eingeladen. Mit den Bands, DJs und Ausstellungen des Rahmenprogramms sind über 50 Künstlerinnen und Künstler beteiligt. Außerdem sind junge Leute aus ganz Polen und Deutschland zu unseren Workshops, wie Vocal Workshop und Unsichtbares Theater sowie zu einem Tanzworkshop angereist. Die Teilnehmer sind dann die ganze Zeit beim Festival dabei und tagsüber betätigen sie sich selbst künstlerisch.

/e-politik.de/: Seit wann findet das Festival statt und in welchem Rahmen findet es statt?

Schulte-Römer: Neuropolis entstand 1999 aus einer studentischen Initiative am Seminar für Theaterwissenschaft / Kulturelle Kommunikation an der Humboldt-Universität in Berlin Mitte. Dabei ging es den Organisatoren ursprünglich darum, die Studio-Bühne des Seminars zu beleben und die Vielfalt des Berliner Studenten-Theaters zu zeigen. Damals noch “Theaterfestival der Berliner Hochschulen” war Neuropolis zunächst auf studentische Produktionen in Berlin beschränkt. Allerdings mussten wir feststellen, dass es ein “Studententheater”, das sich mit gesellschaftspolitischem Anliegen wie vor 40 Jahren auch als solches versteht, nicht mehr wirklich zu geben scheint. Deshalb richten wir uns heute an alle jungen Theaterschaffenden, und versuchen dabei möglichst eine Auswahl zu treffen, die das breite Spektrum der verschiedenen Genres reflektiert – von Objekttheater, über Performance bis hin zur Drag Show. Außerdem wird das Festival inzwischen von Studierenden aller Fachrichtungen organisiert. Anders wäre es schon längst nicht mehr realisierbar, da die Theaterwissenschaft an der HU schon lange abgewickelt wurde. Neuropolis war damit gezwungen, sich von der Uni zu lösen, wobei sich neue Möglichkeiten eröffnet haben, also zum Beispiel unser Austausch mit dem polnischen Okno Festival am Teatr Kana in Stettin oder die Kooperation mit dem Theaterhaus Mitte.

/e-politik.de/: Was verbirgt sich hinter dem Namen Neuropolis?

Schulte-Römer: Der Name ist wohl eine Mischung aus “neu”, “neurotisch”, “neuronal”, “polis”, wobei “polis” natürlich auch für das Gemeinschaftliche steht – gemeinsam ein Festival auf die Beine stellen, planen, diskutieren und natürlich feiern. Neuropolis, ein Festival im “kreativen Chaos” der Stadt. Ohne die Beschränkung auf Berlin wird dann der EU- und auch der Euro-Teil im Wort relevant.

/e-politik.de/: Was ist das besondere an Neuropolis?

Schulte-Römer: Neuropolis ist ein “freies Festival”. Das bringt leider mit sich, dass es keine Planungssicherheit gibt, weder finanziell noch personell. Aber auf der positiven Seite wird dadurch natürlich eine Menge kreatives Potential frei und es gibt Platz für eine Menge neuer Ideen. Jenseits jeder institutionellen Beschränkungen erfindet sich Neuropolis jedes Jahr neu und ist quasi “basisdemokratisch” organisiert. Jeder kann seine Ideen im Festival einbringen, wenn er auch bereit ist, für die Umsetzung zu sorgen. So entstand in diesem Jahr beispielsweise die Ausstellung “Zwischen-Räume[n]” im Theaterhaus Mitte. Im wörtlichen Sinn haben hier Künstler aus Berlin, Frankreich und Spanien die Gänge zwischen Räumen mit Fotos, Installationen und Dia-Shows in Szene gesetzt. Als Theaterfestival soll Neuropolis Künstlerinnen und Künstlern an der Schwelle zur Professionalität ein Forum bieten. Besonders freut es uns, wenn polnische Gruppen durch Neuropolis zu anderen Festivals in Deutschland eingeladen werden. Und dann ist uns natürlich wichtig, “Theater” im weitesten Sinne zu verstehen, nämlich als Kommunikationsmittel.

/e-politik.de/: Im Vordergrund des Programms stehen deutsche und polnische Theatergruppen


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