Meteo-Kriege
Der Drei-Schluchten-Damm in China oder die Dürre an der Elfenbeinküste – es gibt immer mehr Beispiele für eine neue Problematik, die die Erde in Zukunft verstärkt beschäftigen wird: die sogenannten umweltinduzierten Konflikte. Teil 5 unserer Serie Vergessene Konflikte. Von Dominik Schottner
Das Foto zeigt in Beton gegossene Allmachtsphantasien. Naturbeherrschung. Weltmachtgehabe. Ein paar Touristen stehen an einer Balustrade und fotografieren das Betonmonster, das später einmal Schiffe transportieren soll: ein Schiffschleusensystem. Doch was wie ein Monster aussieht, ist in Wahrheit nur ein kleiner Teil eines noch viel größeren Plans, den die chinesische Führung vor einigen Jahren ausgeheckt hat und der bis heute nicht fertig gestellt ist: der Drei-Schluchten-Damm in der Provinz Hubei.
Neue Kategorie von Konflikten
Das Prestigeprojekt ist mitnichten frei von Makeln. Umweltschützer fürchten, dass den Bauern, die wegen der Flutung des Stausees umgesiedelt werden müssen, das Ackerland verloren geht. Außerdem sei noch nicht klar, wo und wie man die Sedimente des Flusses unterbringen möchte. Die massiven Eingriffe des Projekts in die Umwelt in den drei Schluchten steht indes stellvertretend für eine Kategorie von Konflikten, die die Erde in Zukunft verstärkt beschäftigen wird: die sogenannten umweltinduzierten Konflikte.
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Geographische Lage von Burkina Faso |
Verdeckte Risiken
UN-Soldaten werden in China vorerst sicherlich nicht einmarschieren – selbst wenn der Unmut der Bevölkerung, den der Bau des Drei-Schluchten-Damms erzeugt hat und weiter wird, gewaltsam werden sollte. Und trotzdem sind Konflikte wie in Elfenbeinküste auch in China vorprogrammiert. Allein: Hören wird man von ihnen kaum. So ist der ursprüngliche Grund des Dammbaus – Kontrolle des Flutwassers zur Verhinderung von Überschwemmungen unterhalb der drei Schluchten – mittlerweile einem Konglomerat verschiedener Zwecke gewichen. Die chinesische Regierung gibt an, mittels des Drei-Schluchten-Damms die Schifffahrt auf dem drittgrößten Fluss der Erde, dem Jangtsekiang, intensivieren und so die Häfen für den Handel attraktiver gestalten zu wollen. Zudem wolle man die Wasserenergie des Flusses verstärkt ausnutzen, um dem rapide steigenden Energiebedarf in der Region Herr zu werden. Beteiligt an dem Projekt sind auch ausländische Firmen, so etwa die Investmentbank Morgan Stanley oder Siemens. Die Bundesregierung übernahm sogar die Bürgschaft für das milliardenschwere Engagement von Siemens.
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Überschwemmung am Jangtsekiang, China |
Nur ein Schritt von der Ökologie zum Krieg
Weltweit wird in den kommenden Jahren mit bis zu 50 Millionen Umweltflüchtlingen gerechnet. Nicht immer überqueren diese Menschen, wie im Fall Burkina Faso, internationale Grenzen. In den meisten Fällen ist es sogar so wie im Fall China, wo die Betroffenen in die umliegenden Gebiete umsiedeln oder umgesiedelt werden. Dort stellen sie aber wiederum für die etablierte Bevölkerung eine Last dar, da sie auf den ohnehin strapazierten Märkten der Entwicklungsländer die Lage verschärfen. Wie der Fall Elfenbeinküste demonstriert, kann sich aus diesen ökonomischen Konflikten, deren Ursache in der Veränderung der Umwelt lag, schnell ein bewaffneter Konflikt ergeben. Die Geringschätzung nachhaltiger Umweltpolitik in der internationalen Politik wird vor diesem Hintergrund besonders deutlich.
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Folgen des Seebebens in Banda Aceh |
Ohndefinitionsmacht
Problematisch ist in diesem Zusammenhang das Fehlen einer Definition für Umweltflüchtlinge. Von der Genfer Flüchtlingskonvention werden sie nicht erfasst und auch die Bundesrepublik Deutschland verweigert Umweltflüchtlingen explizit das Asyl. Und die vielen Binnenflüchtlinge, sogenannte "internally displaced persons (DIP)", also jene, die gar nicht erst in ein anderes Land migrieren, tauchen in den Statistiken ohnehin nicht auf.
Die Bildrechte liegen bei Backstage BBC.
Hier geht es zum Dossier Vergessene Konflikte.
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