Machtvoll

10. Mai 2005 | von admin | Kategorie: Politisches Buch

Cover_US-Praesidenten.jpgDer Präsident der Vereinigten Staaten gilt als mächtigster Mann der Welt. Ein Sammelband stellt die bisher 42 Amtsinhaber in ebenso
kurzen wie informativen Portraits vor. Von Gabi Förster

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika verkörpert für viele die
größtmögliche Machtfülle, die eine einzelne Person in einer Demokratie erringen
kann. Dies liegt zum einen daran, dass in keiner anderen demokratischen Verfassung
so viele Kompetenzen und Funktionen in einer politischen Institution gebündelt
sind wie im Amt des Präsidenten der USA. Zum anderen, weil keine andere politische
Institution den Gang der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts so sehr beeinflusst
hat wie die amerikanische Präsidentschaft.

Die Amtsperioden im Weißen Haus

Dieses Buch über Amerikas Präsidenten, das jetzt in vierter fortgeführter
und aktualisierter Auflage erschienen ist, stellt sämtliche Präsidenten der
USA, von George Washington bis zu George W. Bush, in biographischen Portraits vor. Im Gegensatz zu den zahlreichen ähnlichen
Veröffentlichungen – Biographien und Memoiren gibt es zuhauf – liegt der Schwerpunkt
hier nicht in anekdotischen Ausflügen oder Kurzbiographien, sondern fokussiert
die Amtsperioden im Weißen Haus. So steht im Mittelpunkt der jeweils fünf bis
15 Seiten umfassenden Beiträge die kritische Deutung der Leistungen, Versäumnisse
und Fehlentscheidungen der US-Präsidenten, die die Autoren, allesamt Spezialisten
für die jeweilige Ära, mit der Denkweise und den charakterlichen Stärken und
Schwächen der Amtsinhaber verknüpfen. Dies jeweils vor dem Hintergrund der
wichtigsten historischen Ereignisse.

Panorama der amerikanischen Geschichte

In neun Epochen und Kapiteln haben die Herausgeber die Präsidenten eingeteilt:
Nach den Gründervätern (George Washington bis John
Quincy Adams
) folgt die Phase der beginnenden Parteiendemokratie (Präsidentschaften
von 1829 bis 1845). Abraham
Lincoln
(1861-1865) ist die herausragende historische Figur in der Zeit
von Bürgerkrieg und Wiedereingliederung des amerikanischen Südens. Der nach
Mark Twain benannten Phase des “vergoldeten Zeitalters”, in der die beginnende
Industrialisierung mit ihrem äußeren Glanz das soziale Elend überdeckte, folgte
schließlich Ende des 19. Jahrhunderts Amerikas Einstieg in die Weltpolitik.

20. Jahrhundert – der Aufstieg Amerikas zur Weltmacht

Als einer der populärsten Präsidenten der USA steht der gemäßigt konservative Theodore
Roosevelt
für den Aufstieg Amerikas zur Weltmacht und gilt als erster “moderner” amerikanischer
Präsident. Dieser Zeit von Imperialismus und Erstem Weltkrieg folgten die
drei republikanischen Präsidenten Warren
G. Harding
, Calvin
Coolidge
und Herbert
C. Hoover
in der Epoche von Weltwirtschaftskrise und Großer Depression
(ab Oktober 1929). Doch erst unter dem Demokraten Franklin
Delano Roosevelt
(1933-1945) wurde mit der New-Deal-Gesetzgebung erstmals
Sozialpolitik betrieben, um der extremen Armut und dem enormen sozialen Elend
zu begegnen.

Die größten Krisen

Die Präsidenten der so genannten “liberalen Ära” von 1933 bis 1969 aber hatten
die größten Krisen des 20. Jahrhunderts zu bestreiten: Zweiter Weltkrieg, Beginn
des Kalten Krieges, Einsatz in Vietnam, Rassen- und Studentenunruhen. Mit Franklin
D. Roosevelt, dem bedeutendsten und wirkungsmächtigsten aller amerikanischen
Präsidenten, Harry
S. Truman
, Dwight
D. Eisenhower
, John
F. Kennedy
und Lyndon
B. Johnson
ist es die Reihe der großen und tragischen Präsidentenfiguren.

Die konservative Wende

“Konservative Wende” heißt das letzte Kapitel des Buches, dass mit einer ebenfalls
tragischen Präsidentschaft beginnt: Im August 1974 verzichtete mit Richard
M. Nixon
erstmals in der Geschichte ein Präsident der Vereinigten Staaten
vorzeitig auf sein Amt. Der “paranoide, rachsüchtige Machtmensch” Nixon stürzte über
die Watergate-Affäre und
bescherte damit Amerika durch seinen planmäßigen Machtmissbrauch die schwerste
Verfassungskrise seit dem Bürgerkrieg.

Neuester Stand der Forschung

Mit diesem Band ist es den Autoren gelungen, ein Panorama der amerikanischen
Geschichte zu geben und eingefahrene Bilder zu revidieren: Lyndon B. Johnson
etwa bleibt nicht nur der verschlagene machtbesessene Kriegstreiber, der die
USA in den Vietnam-Krieg führte. Als Sozialreformer zählt die Geschichtsschreibung
ihn inzwischen neben Abraham Lincoln und Franklin D. Roosevelt zu den großen
Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ronald Reagan war nicht nur der Schauspieler,
und die mit ihm verbundene konservative Revolution fand praktisch nicht statt.

Je weniger weit zurück die Präsidentschaften liegen, desto analytischer, aufschlussreicher
und lesenswerter sind die Beiträge. Manch ein Kapitel über frühere Präsidenten
bleibt leider historisch-deskriptiv. Schwerer aber wiegt die gleichzeitig oft
ausbleibende Erläuterung wichtiger Ereignisse und Sachverhalte, so dass ein
sehr gutes Hintergrundwissen von Nöten ist, um die teils detaillierten Ausführungen
wirklich zu verstehen.

Heideking, Jürgen/Mauch, Christof (Hrsg.): “Die amerikanischen Präsidenten.
42 historische Portraits von George Washington bis George W. Bush”
C.H. Beck, München, 2005, 4. akt. Auflage, 494 Seiten
19,90 Euro, ISBN 3-406-53147-4


Die Bildrechte liegen bei C.H.
Beck
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