Kein klarer Favorit für den Goldenen Bären in Sicht

19. Feb 2005 | von | Kategorie: Politischer Film

Die 55. Berliner Filmfestspiele biegen langsam auf die Zielgerade ein. Das Rennen um die Goldenen Bären ist aber noch völlig offen. Von Konrad Kögler

sometimesinapril.JPGNach den Glanzlichtern vom Wochenende droht der diesjährige Wettbewerb der Berlinale wieder im Mittelmaß zu versinken. In der zweiten Hälfte der Festspiele ragte noch am ehesten Sometimes in April (Bild links) von Raoul Peck aus der Magerkost hervor. Diese US-amerikanisch-ruandische Koproduktion besticht durch ihre eindringlichen Bilder, die eine Ahnung vom Grauen der Massaker zwischen Hutu und Tutsi im Frühjahr 1994 vermitteln. Dem Werk ist positiv anzurechnen, dass es den aufkeimenden Hass zwischen den Volksgruppen Ruandas sehr plastisch nachzeichnet und das Versagen der westlichen Regierungen, insbesondere der Clinton-Administration, bei diesem Genozid klar benennt. Die gut gewählte musikalische Untermalung trägt außerdem dazu bei, dass einige etwas dünne Passagen des Drehbuchs zu verschmerzen sind. Wegen dieser Schwächen fehlt dem Film allerdings das entscheidende Quäntchen, das ihn zu einem wirklich herausragenden Film und dem Topfavoriten auf den Goldenen Bären gemacht hätte.

Versponnener Beitrag aus Deutschland: Gespenster

gespenster.JPGGanz annehmbar war außerdem der dritte deutsche Wettbewerbsbeitrag, Gespenster (Bild links) von Christian Petzold, der aber den hochgesteckten Erwartungen nicht gerecht wurde. Von der suggestiven Kraft von Petzolds preisgekröntem Debütfilm Innere Sicherheit (2001) ist kaum noch etwas zu spüren. Die beiden Handlungsstränge sind zu lose verwoben, man merkt zu deutlich, dass Petzold parallel an zwei Stoffen schrieb, die er irgendwann zu einem Skript zusammenfügte. Die Story liegt sehr weit außerhalb des Mainstream-Kinos und spielt mit Anklängen an Mythen und schwer dechiffrierbaren Parkaufnahmen. Der Film wird vor allem durch die herausragende Leistung von Sabine Timoteo getragen, die eine explosive Außenseiterin spielt, während die eigentliche Hauptdarstellerin Julia Hummer ihr gegenüber abfällt.

Wes Anderson: Auch schon mal witziger

Was für Petzold gilt, muss in ähnlicher Form leider auch über Wes Andersons The Life Aquatic with Steve Zissou gesagt werden: Seine Parodie auf die Dokumentarfilme des Tiefseetauchers Jean-Jacques Cousteau weist zwar zwischendurch immer wieder skurrile Regieeinfälle auf und besticht durch ein sehr intelligentes Spiel mit verschiedenen Farbtönen. Letztlich bleibt er aber weit hinter The Royal Tenenbaums zurück, mit dem er 2002 auf der Berlinale den Durchbruch schaffte. Vor allem angesichts seines Staraufgebots von Cate Blanchett bis Anjelica Houston wäre mehr drin gewesen…

Sokurov schläfert ein

Das wärs dann aber auch schon an Wettbewerbsbeiträgen, denen man wenigstens einige positive Aspekte abgewinnen kann. Neben viel Belanglosem wie dem japanischen Samurai-Film Kakushi Ken – Oni NoTsume von Yoji Yamada oder De battre mon c


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