Hotel Rwanda
Schonungslos offenbart Terry Georges Film Hotel Rwanda die Grausamkeiten, welche der radikale Stamm der Hutu an den Tutsi im Jahre 1994 verübt hat. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina. Dieser rettete über tausenden Menschen das Leben, denn der Rest der Welt hat das Massaker in Afrika weitgehend ignoriert. Von Daniela Recht
Ein eiskalter Schauer läuft einem über den Rücken, über das was Paul Rusesabagina (Don Cheadle) gleich zu sehen bekommen wird. Es ist nachts, Nebel hat ihm und seinem Begleiter die Sicht versperrt. Beiden ist klar, dass sie von der Straße abgekommen sind. Nun halten sie an. Paul steigt aus dem Lastwagen. Er plumpst auf etwas Weiches. Ein blutüberströmtes Gesicht sieht ihn an, das Mädchen ist tot. Der Nebel löst sich auf und langsam begreift der Hotelbesitzer, an welch schrecklichem Ort sie sich befinden: Ein Toter nach dem anderen liegt auf dem Boden. Er hält sich Nase und Mund zu.
Der Geruch der Leichen ist für den Zuschauer förmlich zu riechen. Diese Art von Bildern kennt er aus den Filmen über den Holocaust, in denen nackte Leichen in den Gräbern aufeinander gestapelt liegen. Neu dürfte allerdings die Brutalität der Bilder aus Ruanda sein. Einem Land, in dem 1994 innerhalb von 100 Tagen fast eine Million Afrikaner hingemetzelt wurden.
Ein Held wider Willen
Terry George hat keinen Dokumentarfilm über den Genozid in Ruanda drehen wollen. Für ihn war es wichtig, den Ereignissen von damals eine gewisse Emotion zu verleihen, und den Zuschauern die Greueltaten anhand bestimmter Figuren aufzuzeigen. "Für mich steht die Geschichte dieses Mannes im Vordergrund: wie er sich entwickelt, welche Kräfte er in sich mobilisiert", sagt der Filmemacher. Es ist durchaus als eine Hommage an Paul Rusesabagina zu verstehen.
Dieser legte es dabei nicht darauf an, in die Rolle eines Helden zu schlüpfen und tausende Menschenleben zu retten. Es sind schlicht die Ereignisse, die Paul dazu veranlassen. Als Besitzer des Hotels Mille des Collines, in Kigali, hat er die finanziellen Mittel und den Platz Flüchtlinge aufzunehmen, die vor der Brutalität der Hutu fliehen. Er selbst gehört dem Stamm der Hutu an. War ihm zunächst nur die Sicherheit seiner Frau Tatiana (Sophie Okonedo), einer Tutsi, und seinen Kindern von Bedeutung, versucht er nun alle in seinem Hotel Aufgenommenen zu retten, und riskiert dabei sein eigenes Leben. Hartnäckig harrt er mit den Flüchtlingen während der gesamten Dauer des Völkermords in seinem Hotel aus und kann dabei nur wenig Hilfe von außen erwarten.
Die UNAMIR-Truppen der Vereinten Nationen ziehen aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des UN-Sicherheitsrats ab. Später kommen zwar französische Truppen zum Einsatz, diese können aber die Massaker an den Tutsi nicht aufhalten. Eindrucksvoll verkörpert Nick Nolte die Nebenrolle des Colonel Oliver, der begreift, dass seine Möglichkeiten Hilfe zu leisten, aufgrund der Bürokratie der UN schnell an die Grenzen stoßen. Erst die Tutsi-Rebellen der "Ruandischen Patriotischen Front" (RPF) beenden im Juli 1994 den Völkermord.
Viele Fragen danach
Terry Georges Film ist wichtig. Denn er macht ein Ereignis zum Thema, das der Westen damals schon wie auch heute nur am Rande wahrgenommen hat. Wie konnte es passieren, dass die Politik weltweit keinerlei Maßnahmen ergriffen und tatenlos zugesehen hat? Hotel Rwanda gibt zwar nicht explizit eine Antwort darauf. Aber er liefert Denkanstöße und zeigt die Mechanismen, die hinter dem Völkermord steckten. Die Propaganda und die Aufhetzung nämlich, wie sie die extremistische Hutu-Regierung praktizierte.
Das Radio wurde das entscheidende Machtinstrument, mit der sie den Hass gegen die Tutsi immer wieder predigte und somit die eigenen Anhänger wie auch die normale Bevölkerung zu jener Bluttat aufstacheln konnte. Außerdem offenbart der Film, wie sehr die Menschheit sich als vollkommen handlungsunfähig erwiesen hat. So hat Paul Rusesabagina allein gekämpft. In seinem Überlebenskampf haben ihn Hutu-Milizen zwar immer wieder eingeholt, aber seine Souveränität und blitzschnelle Entscheidungen konnten vielen Menschen das Leben retten. Seine Familie wie auch er entkamen dabei nur knapp dem Tod.
Spannend wie ein Polit-Thriller kommt George Terrys Film daher. Nur dass die 120 Minuten nicht reine fiktive Unterhaltung darstellen, sondern es sich um die nackte Wahrheit handelt. Die Hauptrolle im Kriegsdrama Hotel Rwanda hat Don Cheadle – bekannt aus diversen Rollen in Traffic, Out of Sight, Ocean`s Twelve
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