Happy Birthday, Grüne!
Mit 25 Jahren ist der Mensch längst erwachsen. Auch “die Grünen” feiern jetzt dieses Wiegenfest. Den Kinderschuhen und Pubertätskrisen ist die etwas andere Partei entwachsen und längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Von Thomas Bertz
Es lässt sich über
das wahre Alter der Grünen trefflich streiten: Am 17./18. März 1979
gründete sich die “Sonstige politische Vereinigung Die Grünen” -
am 13. Januar 1980 allerdings wurde die Partei die Grünen formal
gegründet – der offizielle Akt sozusagen. So oder so, bei der Gründung
der Grünen handelte es sich laut dem bayrischen Landtagspräsidenten
Alois Glück (CSU) um “die erste echte Neugründung einer Partei
in der Bundesrepublik, der dauerhaft Erfolg beschieden ist”.
Schmelztiegel vieler Bewegungen
Entstanden war diese Erfolgsgeschichte
aus einem breiten Spektrum verschiedener Gruppen: Umweltschützer, Pazifisten,
Kommunisten und Christen. Es war eine bunte Schar von außerparlamentarisch
organisierten Gruppen, die nun versuchte, neuen Einfluss zu gewinnen.
Mehr als 1000 Delegierte – insgesamt
eine Mischung aus Teilen der 68er Bewegung und einem konservativem Spektrum
– waren es am 13. Januar 1980, die nach Karlsruhe gekommen waren, und sich
in der viel zu engen Stadthalle drängelten. Nach zwei teils chaotischen
Tagen mit Sitzungsmarathons wurde schließlich die Gründung der Bundespartei
bekannt gegeben. Mit dabei war damals u.a. der Künstler Beuys. Vier Säulen
bildeten damals die Grundsätze der jungen Partei: sozial, ökologisch,
basisdemokratisch und gewaltfrei.
Zunächst belächelt machten
die Grünen aber ihren Weg: Von der “Anti-Parteien-Partei” hin
zu einer kleinen Partei mit ersten Erfolgen – der viele folgen sollten.
Eine Erfolgsgeschichte im Nachkriegsdeutschland nahm ihren Lauf…
Erste Erfolge
| Joschka Fischer |
Schon bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März des Jahres
1980 schafften die Grünen mit 5,3% den Einzug in den Landtag. Bei der Bundestagswahl
im selben Jahr scheiterten die Grünen zwar mit 1,5% noch an der
Fünf-Prozent-Hürde. Aber bei der Wahl in Hessen 1982, der anschließenden Europa-Wahl
und der Bundestagswahl gab es mit Parlamentseinzügen Erfolge für die
junge Partei.
Dabei entstanden permanent
Streitigkeiten zwischen den sog. “Fundis” und den “Realos”,
also den Politikern, die streng an Überzeugungen glaubten, und denen,
die mit Arrangements Koalitionen anstrebten, um Reformen im Sinne grüner
Politik in Ansätzen durchzusetzen.
Das Ergebnis: 1985 wurde in Hessen
die erste rot-grüne Koalition besiegelt, die 452 Tage hielt. Besonders
bemerkenswert: Joschka Fischer wurde Umweltminister. Bekannt wurde er besonders
durch seine Vereidigung, an der er am 12. Dezember 1982 in Turnschuhen und
Jeans teilnahm. Dieser Koalition sollten Ende der 80er viele folgen.
“Fundis” und “Realos” im
Machtkampf
In der Partei gab es dabei den
ständigen Kampf zwischen den Blöcken der “Fundis” und der “Realos”,
die in dieser Zeit annähernd gleich stark waren – und sich gegenseitig
zu blockieren drohten.
Mit der Bildung bzw. dem Zusammenschluss
diverser DDR-Bewegungen 1990 betrat die Partei Neuland, die allerdings bei
der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl scheiterte. Im Bundestag 1994 kam die
Union von Grünen und Bündnis 90 auf immerhin 49 Mandate.
Veränderung mit bundesdeutschem
Regierungseintritt
Ein ganz neues Kapitel wurde aber 1998 aufgeschlagen: Mit 6,7 % konnte sich BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN erstmals an der Bundesregierung beteiligen. Neben dem Vize-Kanzler
Joschka Fischer (Außenminister) stellt die einstige Protestpartei mit
Andrea Fischer (Gesundheit) und Jürgen Trittin (Umwelt) zwei weitere Minister.
In der ersten Legislaturperiode wird dabei die Ökosteuer – wenn auch
aus grüner Sicht in reduzierter Form – eingeführt und auch Einwanderungsrecht
werden geändert. Großen Streit gibt es innerhalb der Partei um die
deutschen Beteiligung am Kosovo-Krieg.
Doch trotz einiger Missverständnisse
und Unterschiede kommt es auch in den Wahlen 2002 mit 8,6% für BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN zur erneuten Koalition mit der SPD. Christian
Ströbele erringt dabei in Berlin das erste Direktmandat für BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN auf Bundesebene.
Wandlung zur politischen Alternative
Mittlerweile ist die
Partei wohl kaum aus dem politischen System der BRD wegzudenken. Dabei
hat sich eine enorme Entwicklung bemerkbar gemacht: Aus den Stricknadeln
von früher sind Aktenkoffer geworden. Die Träger von Woll-Pullis
haben sich ebenso gewandelt: Oft zählt für sie jetzt mehr
der Maßanzug.
Dennoch: Aus der zotteligen
Bürgerbewegung hat sich über die Jahre eine politische Alternative
entwickelt, die nicht nur belächelt, sondern auch ernst genommen
wird.
Geleitet wird die Partei
aktuell von Reinhard Bütikhofer und Claudia Roth.
Weiterführende Links:
Die Seite der Partei: http://www.gruene.de.
Die Bildrechte liegen bei www.gruene-service.de.

