Frisches Grün
Sie ist erst 22 Jahre alt und schon zum zweiten Mal in den Bundestag gewählt worden. Anna Lührmann ist derzeit die jüngste deutsche Abgeordnete in Berlin und ihr politisches Herz schlägt für grüne Ideen. Im Interview mit /e-politik.de/ spricht Anna Lührmann über die Chancen von schwarz-grün und darüber, was wirklich links ist. Ein Interview von Maria Lang
/e-politik.de/: Sie sind wieder in den Bundestag gewählt worden. Freuen Sie sich auf die nächsten Jahre, auch wenn die Grünen in der Opposition sein werden?
Anna Lührmann: Ich hätte es natürlich besser gefunden, wenn wir mit in der Regierung gewesen wären, weil man da mehr verändern kann. Aber ich denke, dass die nächsten Jahre trotzdem spannend werden.
/e-politik.de/: Vor drei Jahren kamen Sie frisch vom Abitur mit 19 Jahre in den Bundestag. Wie war damals Ihr erster Tag als jüngste Abgeordnete?
Lührmann: Extrem aufregend und hektisch, sehr intensiv. Viele Kollegen haben mir anfangs geholfen. Man braucht schon ein halbes bis ein Jahr, um sich da reinzufinden. Das dauert, bis man sein Büro zusammenhat und all die Abläufe versteht.
/e-politik.de/: In der vergangen Legislaturperiode waren Sie Mitglied des Haushaltsausschusses. Können Sie gut mit Geld umgehen?
Lührmann: Ja, vermute ich mal, sonst hätte man mich sicher nicht in den Haushaltsauschuss gelassen.
/e-politik.de/: Wurden Ihre Vorschläge im Ausschuss von den älteren Damen und Herren akzeptiert?
Lührmann: Am Anfang waren alle etwas skeptisch. Aber weil ich Mitglied der Regierungsfraktion war und Rückendeckung von meinen Kollegen hatte, konnte ich in meinen Themenfeldern mitverhandeln wie alle anderen auch. Ich habe für den Bildungsetat ein bisschen mehr Geld rausgehauen und gegen die SPD unsere grünen bildungspolitischen Vorstellungen durchgesetzt.
/e-politik.de/: Gibt es eine bestimmte Erkenntnis, die Sie aus dem Ausschuss mitgenommen haben?
Lührmann: Man muss sich auf seine Themen konzentrieren, sich einarbeiten und Experte sein, sonst wird man nicht erstgenommen. Und außerdem habe ich gelernt: Die kochen auch alle nur mit Wasser.
/e-politik.de/: Sie waren vor Ihrer Zeit im Bundestag auch bei den Jungen Grünen. Haben Sie heute einige Vorstellungen von damals revidiert?
Lührmann: Nein. In der Politik geht es darum, eine bestimmte Vision zu haben und dann schrittweise in diese Richtung zu gehen. Bei den Jungen Grünen habe ich mich erst mit den Grundsätzen beschäftigt und versuche jetzt im Bundestag konkrete Schritte zu unternehmen. Zum Beispiel habe ich als Sprecherin der Grünen Jugend Hessen dafür gekämpft, dass wir mehr für Bildung und Forschung ausgeben. Jetzt im Haushaltausschuss habe ich mehr Geld dafür locker gemacht können.
/e-politik.de/: Stehen die Jungen Grünen für andere Werte als die Generation Fischer?
Lührmann: Bei den Jungen Grünen gibt es sehr verschiedene Typen: Linke, die sich stark an der Regierungsbeteiligung der Grünen gerieben haben. Aber es gibt auch absolute Apparatschiks, die angepasst Politik machen. Alle eint aber, dass für uns die grünen Errungenschafen selbstverständlicher sind als für die 68er. Wir mussten nicht auf der Straße dafür kämpfen, dass man sich mit der NS-Vergangenheit beschäftigt. Oder für mich und meine Eltern war immer klar, dass ich in eine WG ziehe, wenn ich mein Abi habe. Wir sind nicht so stark von der Rebellion und vom gegen das Establishment Sein geprägt wie die älteren Grünen.
/e-politik.de/: Was halten Sie als junge Grüne von einer Zusammenarbeit mit der CDU im Bund?
Lührmann: Ich persönlich habe weniger Berührungsängste mit jungen Leuten bei der CDU als zu Zeiten, wo man noch auf der Straße gegeneinander stand. Das ist heute ein selbstverständlicher Umgang miteinander. Aber ich sehe momentan genau wie die Ältern auf Bundesebene noch nicht genug Gemeinsamkeiten mit der CDU. Auf Landesebene wäre eine Koalition aber irgendwann interessant. Das hängt davon ab, welche Strömung der CDU die Macht hat. Mit Leuten wie Kirchhoff, die ein konservatives Familienbild haben, sehe ich keine Gemeinsamkeiten.
/e-politik.de/: Wann könnte schwarz-grün denn eine realistische Option sein?
Lührmann: Das hängt davon ab, wie beide Parteien sich entwickeln. Es gibt CDU-Leute, mit denen könnte ich mir sehr gut eine Koalition vorstellen. Für die ist Umweltpolitik wichtig, sie stehen für ein modernes Familienbild und in der Wirtschaftspolitik wollen sie die Lohnnebenkosten senken und Verschuldung verhindern. Es gibt aber auch Leute in der CDU, die stehen für den Abbau des Sozialstaates, sehen Umwelt nur als Hemmnis und wollen, dass Frauen am Herd sind. Ob die schwarz-grün kommt, hängt davon ab wer sich in der CDU durchsetzt.
Lesen Sie im zweiten Teil zweiten Teil des Interviews, was für Anna Lührmann Gerechtigkeit heißt und was linke Politik für sie ist.
Die Bildrechte liegen bei Christina Sieber und Anna Lührmann.
Anna Lührmann im Internet
Lesen Sie auch bei /e-politik.de/ die Rezension zu “Strom derZukunft”.
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