Ehrenamt ist auch Arbeit
Es gibt immer weniger zu verteilen. Aber hier ist nicht das Geld gemeint, sondern die Arbeit. Der Soziologe Gerd Mutz hat sich überlegt, wie alle Menschen arbeiten können und gleichzeitig Gutes tun. Von Maria Lang
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| Den Ein-Euro-Jobs etwas entgegensetzen. |
Harte Vorwürfe von jemandem, der versucht hat, mit neuen Ideen für neue Arbeit zu sorgen. Gerd Mutz, Leiter des Münchner Instituts für Sozialforschung, war Mitglied der Enquete-Kommission des Bundestags "Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements", die im Jahr 2002 ihre Ergebnisse präsentierte. Viel bewegt wurde seitdem nicht. Gerd Mutz hat Politiker reden hören, die Themen wie Bürgerengagement für nicht so wichtig halten. Da habe mal einer zum Bundeskanzler Gerhard Schröder gesagt: "Nun komm", Gerd. Lass uns mal über die wichtigen Dingen reden, über Vollbeschäftigung."
Aber genau die sollte nicht mehr auf der Agenda stehen, sagt Gerd Mutz. Von diesem Denken müssten die Politiker wegkommen. Denn: "Seit den 80ern gibt es immer weniger normale Vollzeitjobs. Dafür vermehren sich andere Arbeitsformen wie Teilzeit und Kleinunternehmer." Den Job auf Lebenszeit gebe es auch nicht mehr. Jeder wechsle irgendwann mal seine Arbeit. Außerdem, sagt Mutz, erlebten wir eine Entgrenzung der Arbeitsgesellschaft – soll heißen: Die Trennlinie zwischen Arbeitzeit und Freizeit wird unschärfer. "Heute ist es doch ganz normal, dass dich am Morgen ein Kollege fragt, ob du gestern Abend noch seine E-Mail über dieses oder jenes Projekt gelesen hast", sagt Mutz. Die Arbeit kommt also nach Hause.
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| Gerd Mutz will die “Tätigkeitsgesellschaft” |
Praktisch würde Mutz' Modell in etwa so aussehen: Alle Menschen arbeiten in ihrem normalen Job weniger, etwa sechs statt acht Stunden, und bekommen entsprechend weniger Gehalt. Den Rest der ursprünglichen Arbeitszeit verbringen sie zum Beispiel in einer Suppenküche für Obdachlose. Das erweitert den Horizont und verleiht den Menschen die viel gepriesene "soziale Kompetenz". Denkbar wären aber auch Arbeiten im ökologischen Bereich. In jedem Fall muss es etwas sein, das der Gesellschaft zugute kommt.
Damit der "Arbeitsgestalter" aber wegen seines Engagements nicht deutlich weniger verdient, will Mutz eine negative Einkommenssteuer einführen, wie sie zum Beispiel in den USA heute schon existiert. Dabei wird das Gehalt vom Staat umso mehr aufgestockt, je weniger der Arbeitende verdient. Ob der Einzelne dann am Ende so viel hat, wie er heute in seinem Job verdient, ist fraglich. Eines aber wird mit Mutz" Modell erreicht: Jeder bekommt vom kleiner werdenden Kuchen Arbeit ein Stück ab und kümmert sich gleichzeitig ums Gemeinwohl.
Am Ende geht es Gerd Mutz nicht nur um sein Modell der "Tätigkeitsgesellschaft". Er will dazu anregen, grundsätzlich über das Verhältnis von Arbeit und Freizeit nachzudenken: Wie wollen wir unsere kostbare Lebenszeit gestalten?
Hier geht es zum Dossier Neue Arbeit braucht das Land.
Weiterführende Links:
Weiterführende Literatur:
Birkhölzer, Karl / Kisterl, Ernst / Mutz, Gerd (Hg.): Der dritte Sektor. Partner für Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Wiesbaden: VS Verlag (2004)
Die Bildrechte liegen beim Autor.
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Gerd,
Sulzbach-Donaustauf, Gässchen ohne End, bist du das???
Grüße
Lydia