Drei Parteien im Bob

20. Sep 2005 | von | Kategorie: Wahlen und Demokratie

rm_wimmer.jpgDie Politik ist schon lange bunt. Dass sie aber auch karibischen Einflüssen unterliegt, ist neu. Seit der vorgezogenen Bundestagswahl wird eine mögliche Koalition von CDU, FDP und GRÜNEN unter dem Pseudonym Jamaika-Koalition heiß diskutiert. Urheber des Begriffes ist der Fraktionsvorsitzende – der, nicht die. Wiljo Wimmer von der CDU in Dormagen hat den Begriff während des Kommunalwahlkampfes im vergangenen Herbst erfunden. /e-politik.de/ hat mit ihm über die Entstehungsgeschichte der Jamaika-Koalition gesprochen. Ein Interview von Dominik Schottner

/e-politik.de/: Herr Wimmer, waren Sie schon einmal in Jamaika?

Wiljo Wimmer: Nein, noch nie.

/e-politik.de/: Wie kamen Sie denn dann dazu bei der Bürgermeisterstichwal in ihrer Heimatstadt Dormagen, die Jamaika-Koalition bestehend aus CDU, FDP und GRÜNEN zu fordern?

Wimmer: Im ersten Wahlgang der Kommunalwahl hatte die Gruppierung CDU, FDP und GRÜNE eine Mehrheit im Stadtrat. Und damit wollten wir den Bürgermeisterkandidaten der CDU, Reinhard Hauschild, bei der Stichwahl stützen. Natürlich war die Farbgebung letztlich entscheidend für den Namen Jamaika-Koalition.

/e-politik.de/: Also haben Sie auch, wie Herr Schönenborn vom WDR, in einer Datenbank nachgesehen, um eine entsprechende Farbkombination zu finden?

Wimmer. Ganz so hochtechnisiert war das bei uns natürlich nicht. Das war eher ein spontaner Einfall.

/e-politik.de/: Da muss sich aber jemand gut mit Jamaika auskennen…

Wimmer: Vielleicht. Es kann aber auch daran gelegen haben, dass ich vor nicht allzu langer Zeit den Film "Cool

cool_runnings.jpg

Filmszene aus “Cool Runnings”

Runnings" gesehen hatte und mir deshalb die Farbgebung im Kopf geblieben ist.

/e-politik.de/: Hatten Sie nicht ein wenig Angst, andere Assoziationen mit diesem Wortspiel zu wecken? Etwa als Drogenbefürworter bezeichnet zu werden?

Wimmer: Ich habe ein bisschen nachgeforscht. Sie sind ja nicht der erste, der heute nachfragt. Es gibt Aufzeichnungen in den Fraktionsprotokollen, wo vom Bild die Rede ist, wo Politiker der drei Parteien in einem Bob sitzen.

/e-politik.de/: Stichwort "Durchregieren": Das wäre in Dormagen leichter gewesen als im Bundestag jetzt. Die CDU mit 20 Sitzen, FDP und GRÜNE mit jeweils zwei, das ist ja schon eher "relaxed", so wie man sich das aus Jamaika vorstellt.

Wimmer: In der Tat. Wir hätten die Mehrheit im Rat gehabt. Auch in Sachfragen haben wir während der Koalitionsgespräche schon Einigkeit erzielt. Dass es nicht umgesetzt wurde, lag daran, dass der Bürgermeisterkandidat der SPD die Stichwahl gewonnen hat. Die FDP hat dann entschieden, gegen einen direkt gewählten Bürgermeister keine Front im Rat aufzubauen.

/e-politik.de/: Wie schätzen Sie die auf Bundesebene angestrebte Jamaika-Koalition ein?

Wimmer: Ich halte sie nicht für ausgeschlossen. Die größten Polarisierungen finden sich sicherlich in der Umwelt- und Ausländerpolitik. Aber letztlich sind die GRÜNEN von ihrer Grundidee her wertkonservativ, im Sinne von "erhalten". Da gibt es sicher Gemeinsamkeiten mit der CDU.

/e-politik.de/: Hat denn schon ein Mitglied des CDU-Präsidiums bei Ihnen wegen Erfahrungsberichten angefragt?

Wimmer: (lacht) Nein, so weit ist es noch nicht. Sicherlich hat man in Berlin derzeit andere Probleme, als über die Urheberschaft des Begriffes Jamaika-Koalition nachzudenken.

/e-politik.de/: Aber immerhin sind Sie damit ein Vorreiter gewesen. Es gab bislang noch nie eine solche Konstellation.

Wimmer: Ja, schon. Aber wie gesagt: Einen Anruf aus Berlin gab es bislang noch nicht.


Lesen Sie auch unsere Serie zur Bundestagswahl Was morgen gestern ist.


Die CDU Dormagen im Internet: www.cdu-dormagen.de

Bildrechte: CDU Dormagen (Wimmer) und Privat (Screenshot Cool Runnings).


Optionen: »Drei Parteien im Bob« bewertenArtikel drucken | Artikel per E-Mail versenden

Artikel in sozialen Netzwerken teilen:

Kommentar hinterlassen

Twitter Nutzer - Mit deinem Twitteraccount bei /e-politik.de/ anmelden: